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Stormarner Tageblatt

25. September 2017 | 17:05 Uhr

Bad Oldesloe : Fingerspitzengefühl bei der Wahl

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Oldesloer Behindertenbeirat lässt bei den Stormarner Werkstätten spezielle Schablonen für blinde Wähler herstellen. Damit können auch die diskriminierungsfrei und geheim wählen.

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erstellt am 25.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Gute Ideen können so einfach sein – das beweisen der Oldesloer Behindertenbeirat und die Stormarner Werkstätten wieder eindrucksvoll. Wie schon zur Kommunalwahl 2013 legt der Beirat auch zur Bürgermeisterwahl wieder eine Schablone auf, mit der Blinde und Sehbehinderte geheim und diskriminierungsfrei ihr Kreuz machen können. „Never change a winning team“, nennt es Arne Laß, Leiter des Bildungszentrums der Stormarner Werkstätten am Sandkamp: „Es ist so einfach und so günstig.“

Blinde dürfen wählen. Doch sie haben ein Problem: Wie sollen sie alleine in der Wahlkabine das Kreuz an der richtigen Stelle machen. Unmöglich. Die Alternative ist bislang, dass sie sich eine Vertrauensperson mitnehmen, die das Kreuz beim Wunschkandidaten macht. Doch mit geheimer Wahl hat das nichts mehr zu tun. „Das ist diskriminierend“, klagt Britta Bussewitz vom Beirat.

Für die Bundestags- oder Europawahlen gibt es teure Wahlhilfepakete vom Land. Aber nicht für Wahlen auf kommunaler Ebene. Deshalb nahm der Beirat Kontakt zu den Stormarner Werkstätten auf. „Wir haben uns zwei, drei Mal getroffen, um zu gucken, wie es aussehen könnte“, sagt Arne Laß, dann lag die Lösung auch schon fertig auf dem Tisch. „Wir haben einfach Sammelmappen genommen – weil die da waren“, erklärt Karsten Rohde von den Werkstätten.

Mit den Locheisen aus der Polsterei werden an genau ausgemessenen Stellen vier Löcher gemacht. Fertig ist die Wahlschablone. Für Britta Bussewitz hat die Oldesloer Wahlhilfe eindeutige Vorteile gegenüber der „offiziellen“, wenn es sie denn für die Bürgermeisterwahl gäbe: „Die Schablone ist unten zu – reinstecken, fertig. Da kann nichts mehr verrutschen. Und sie fühlt sich auch schöner an als die anderen.“ Vorsitzende Yannick Thoms lobt die „neutrale Farbe“ – das Blau werde von keiner Partei beansprucht.

Einen kleinen Haken hat die Oldesloer Schablone allerdings noch: Der Wähler muss wissen, an welcher Position sich sein Wunschkandidat oder seine Wunschkandidaten auf dem Wahlzettel befindet. Vorlesen dürfen das die Helfer im Wahlbüro nicht. „Aus der Betonung könnte ja eine Beeinflussung herausgehört werden“, sagt Yannick Thoms. Jörg Feldmann, Maria Herrmann, Jörg Lembke und Sebastian Schulz – die Bewerber sind in alphabetischer Reihenfolge von oben nach unten angeordnet. „Wenn man die Namen in Blindenschrift daneben hätte, das wäre spitze“, findet Yannick Thoms. Doch dafür fehlt aktuell ein entsprechender Drucker. Das würde die Kosten vermutlich in die Höhe treiben.

Für die 17 Wahllokale und sechs mobilen Wahlvorstände wurde je eine dieser Schablonen erstellt. Stückpreis unter 2 Euro. Die Kosten trägt der Beirat aus seinem Etat. „Das ist ein Betrag, der nicht zählt, aber eine große Wirkung hat“, ist Yannick Thoms überzeugt. Wie viele wahlberechtigte Blinde es in der Kreisstadt gibt, ist nicht bekannt. „Die Sozialdienste rücken mit den Zahlen nicht raus“, bemängelt die Beiratsvorsitzende. Im Durchschnitt müsse man von 0,4 Prozent Sehgeschädigten ausgehen. Britta Bussewitz ist aber überzeugt, dass sich die Nachricht von dem Wahlhilfsmittel in Windeseile in der Blinden-Szene verbreiten wird.

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