Finger weg von Jungvögeln

Bei vielen Vogelarten hüpft der Nachwuchs aus dem Nest, obwohl er noch nicht fliegen kann

shz.de von
08. Juli 2015, 13:15 Uhr

Innerhalb kurzer Zeit wurden bei einem Tierarzt in Bargteheide zwei junge Rotmilane abgegeben, die Waldbesucher am Boden gefunden hatten. Einer der Jungvögel war beringt, der andere nicht. Damit war klar, dass beide Vögel unterschiedlicher Herkunft sind. Bei dem beringten Jungvogel ergab die Nummer, dass dieser Vogel am 13. Juni als einer von drei Nestgeschwistern in Todendorf beringt worden war. Die Herkunft des zweiten Vogels konnte dagegen nicht mehr ermittelt werden.

Die beiden Rotmilane wurden zwischenzeitlich in der Greifvogel-Pflegestation von Thilo Henckell versorgt. Dank fachkundiger Pflege hatten sich beide Jungen dort gut entwickelt und ausgezeichnet fliegen gelernt. In der vergangenen Woche sind die beiden Vögel dann von Thilo Henckell und Bernd Reuter wieder ausgewildert worden.

Bei vielen Vogelarten sei es vollkommen normal, dass nicht flügge Jungvögel am Boden sitzen, teilt der Naturschutzbund Nabu mit. Beeindruckendstes Beispiel dafür ist der Uhu. Die Jungvögel springen im Alter von etwa 30 Tagen freiwillig aus dem Horst. Meistens sammeln sich die Jungen dann am Boden, wo sie sich gemeinsam verstecken. Aber auch bei Seeadlern und Habichten sitzen ausgeflogene Jungvögel teilweise am Boden. Und bei der allgegenwärtigen Amsel und anderen Singvogelarten ist es ebenfalls normal, dass sich nicht flügge Jungvögel nach dem Verlassen des Nestes am Boden aufhalten.

Wer Jungvögel findet, dem sollte gegenwärtig sein, dass der Mensch als Bedrohung empfunden wird und die Vögel sich entsprechend verhalten. Häufig wirkten sie erstarrt, was fälschlicherweise als Notlage interpretiert werde. Deshalb rät der Nabu, am Boden sitzende Jungvögel grundsätzlich an Ort und Stelle zu belassen. Außer, der Vogel ist offensichtlich verletzt und befindet sich in einer Notlage, zum Beispiel , wenn ein Greifvogel bei seinem ersten Flugversuch in Brennnesseln oder Brombeeren gelandet ist und nun aus dieser dichten Bodenvegetation nicht mehr aus eigener Kraft herauskommen kann.

Es reiche allerdings, den Vogel zu befreien und leicht erhöht abzusetzen. Wenn es keinen Holzstapel, umgefallenen Baum oder eine andere Möglichkeit in der Nähe gibt, sei es am besten, den Vogel auf dem Boden abzusetzen.

„Wichtig ist, dass sich der Mensch umgehend wieder entfernt. Nur so ist gewährleistet, dass der Jungvogel weiter mit Futter durch die Alttiere versorgt wird beziehungsweise aus eigener Kraft vom Boden auffliegt“, so der Nabu.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen