Rolle rückwärts : FFC steht nach 14 Jahren vor dem Aus

... Lea Steinbrecher, Spielerin des Verbandsligisten VfL Oldesloe.
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... Lea Steinbrecher, Spielerin des Verbandsligisten VfL Oldesloe.

Die Fußballerinnen sollen wieder in den VfL Oldesloe eingegliedert werden. VfL-Boss Detlef Rädisch sagt: „Man sollte sportliche Ziele über Rivalität stellen."

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19. März 2014, 06:00 Uhr

Vor 14 Jahren fehlte es an der nötigen Wertschätzung innerhalb des VfL Oldesloe. Die Folge war, dass sich eine Handvoll Idealisten zusammen setzte, Ideen sammelte, eine Strategie für die Zukunft entwickelte und letztlich entschied, etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Raus aus dem Schatten, rein ins Licht. Es war die Zeit, in der Frauenfußball in Deutschland immer populärer wurde – der Nationalmannschaft um Birgit Prinz und Co. sei Dank. Ergebnis intensiver Arbeit einiger umtriebiger Verfechter des Frauenfußballs: Der Frauen Fußball Club Oldesloe 2000 e.V. wurde aus der Taufe gehoben. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später wird dieser Club nun wohl wieder von der Fußballlandkarte verschwinden.

Ab der kommenden Saison nämlich wollen der FFC und der VfL Oldesloe ihre Stärken bündeln, heißt es in einer Pressemitteilung der Vereine. Gemeinsames Ziel sei der Weg in eine bessere Zukunft des Frauen- und Juniorinnenfußballs in der Region Bad Oldesloe durch Zusammenführung der Ressourcen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und sportlicher Kompetenz. So wolle man wieder eine Spitzenkraft in Schleswig-Holstein werden. Die Mitglieder beider Vereine seien bereits über das Vorhaben informiert worden, ebenso wie der Bürgermeister und der Bürgervorsteher Bad Oldesloes. Die Vereinbarung sei von den Vorständen beider Vereine schon unterschrieben worden.

„Ganz durch ist das aber noch nicht“, betont Anja Völker, Vorsitzende und Mitbegründerin des FFC Oldesloe: „Es gibt noch Details zu besprechen – und letztlich müssen natürlich die Mitglieder überzeugt werden.“ Denn nur unter der Voraussetzung, dass 75 Prozent der Mitglieder des FFC am 25. April dem Vorhaben zustimmen, kommt es zum finalen Schritt. Der FFC wird aufgelöst. Ab dem 1. Juli soll dann der VfL Oldesloe den gesamten Sport- und Spielbetrieb des FFC Oldesloe übernehmen und die Mitglieder des FFC automatisch integrieren. Mit insgesamt sieben Mannschaften soll der Start in die Saison 2014/15 erfolgen. „Die Klasseneinteilung der Mannschaften soll beibehalten werden“, betont Detlef Rädisch, Vorsitzender des VfL Oldesloe.

Die Gründe für das Aus des FFC sind offensichtlich. Gerade die jüngere Vergangenheit habe gezeigt, dass die Entwicklung im Frauen- und Mädchenfußball bedenklich ist, sagt Völker. „Die Mitgliederzahlen sind rückläufig, der demographische Wandel ist nicht aufzuhalten.“ Völker, die aktuell aufgrund einer schweren Erkrankung nicht an der „Rolle rückwärts“ ihres Clubs mitwirken kann, hat in den vergangenen Jahren versucht, dem Trend entgegenzuwirken. Unter anderem war sie eine Kooperation mit dem VfB Lübeck eingegangen. Fruchtbar war diese nicht und wurde folgerichtig wieder gelöst. Nach dem im vergangenen Sommer folgenden Abstieg aus der 2. Bundesliga und dem schnell folgenden Rückzug aus der Regionalliga – einhergehend mit großem personellen Aderlass – ist der FFC mittlerweile auf dem letzten Tabellenplatz der SH-Liga angekommen.

Für nur noch eine kleine Gruppe von Mitgliedern den enormen organisatorischen Aufwand zu betreiben, sei kaum leistbar, so Völker. „Natürlich blutet mir das Herz bei dem Gedanken, dass es unseren Verein bald nicht mehr geben könnte“, sagt Völker, „aber unsere Arbeit war ja nicht umsonst. Wir haben viel erreicht und im Leben ist es nun einmal so, dass alles seine Zeit hat.“ Detlef Rädisch zeigt sich in dieser Hinsicht mitfühlend. „Uns ist bewusst, dass man beim FFC Oldesloe ein Stück seiner Identität aufgibt und es auch kritische Stimmen gibt. Aber man sollte sportliche Erfolge und Ziele über die Rivalität stellen“, betont Rädisch: „Eine Eingliederung des FFC kann uns nur stärken.“

Optimistisch, dass die Wiedereingliederung in den Lokalrivalen, von dem sich der Club einst losgesagt hatte, der richtige Schritt sein dürfte, ist Völker ob der Tatsache, dass die Wahrnehmung des Frauen- und Mädchenfußballs mittlerweile eine andere ist. „Wir erfahren eine ganz andere Wertschätzung. Die Verantwortlichen im VfL haben eine ganz andere Haltung als noch vor zehn Jahren“, so Völker. Beleg dafür dürfte sein, dass es nicht die FFC-Verantwortlichen waren, die den Stein ins Rollen brachten, sondern die des VfL. „Im Januar wurden wir kontaktiert, haben uns ausgetauscht und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten gesucht“, erklärt Völker. Die ideale sei nun gefunden worden – auch wenn die bedeutet, dass ein Verein von der Fußballlandkarte verschwinden wird.

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