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Landgericht Lübeck: : Feuerteufel von Hammoor muss hinter Gitter

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dreieinhalb Jahre Haft für 24-Jährigen nach Brandserie in Hammoor. Fünfter Tag im Prozess gegen die Brandstifter von Ahrensfelde.

Er hatte zwei Jahre lang Polizei und Feuerwehr in Hammoor Atem gehalten und für große Beunruhigung in der Bevölkerung gesorgt. Für sieben Brände mit einem Gesamtschaden von 260  000 Euro musste sich ein 24-Jähriger (kleines Foto) vor dem Landgericht Lübeck verantworten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der junge Mann für die Taten verantwortlich ist. Der 24-Jährige, selbst Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr, muss für dreieinhalb Jahre hinter Gitter. Laut Gutachterin wollte der Angeklagte, der als Schüler oft gemobbt und verprügelt worden war, Held sein.

Während die Hammoorer Brandserie ein gerichtliches Ende genommen hat, dauert der Prozess gegen die Brandstifter aus der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde an. Am fünften Prozesstag standen die Persönlichkeiten der vier Angeklagten im Mittelpunkt. Außerdem gaben drei der Angeklagten über ihre Anwälte Erklärungen ab. Sie hatten bisher zu den Vorwürfen geschwiegen. Alle vier (19 bis 21 Jahre) müssen sich vor dem Jugendschöffengericht Ahrensburg verantworten. Die Anklage lautet auf Brandstiftung, teils selbst begangen, teils durch Aufträge und gegen Bezahlung veranlasst (wir berichteten).

Alle drei hätten kein Geld für die beiden bereits verurteilten Auftragsbrandstifter gezahlt oder ihnen Aufträge erteilt. Die entsprechenden Absprachen des vierten Angeklagten mit ihnen hätten sie nicht mitbekommen, heißt es übereinstimmend. Ein Angeklagter gibt zu, einen Brandstifter zum Tatort gefahren zu haben. Von seiner Absicht habe er aber nichts gewusst. Er bedauere sein Handeln, habe aber wie die anderen mit mehreren Wochen Untersuchungshaft dafür gebüßt.

Der zweite Angeklagte gibt ebenfalls eine Fahrt zu einem Tatort zu. Er habe gewusst, dass der Passagier Feuer legen wollte. „Ich habe versucht, ihn davon abzubringen“, heißt es in der Erklärung. Der bereits Verurteilte habe aus Langeweile gezündelt. Der Dritte gibt zu, selbst einen Papiercontainer angezündet zu haben. Er habe seinem Mitangeklagten sein Handy ausgeliehen. Darauf hatte die Polizei belastende Mitteilungen gesichert.

Der vierte Angeklagte gibt zu, den Auftragsbrandstiftern Ziele für ihre Taten genannt und zumindest einmal dafür auch Geld gezahlt zu haben. Die Tatorte habe er zuvor ausbaldowert.

„Ich wollte nicht, dass dabei Menschen zu Schaden kommen.“ Als Einzeltäter hatte er zu Beginn der Brandserie auch selbst ein Feuer an Strohballen gelegt. Er bestreitet aber, ein weiteres Feuer gelegt zu haben. Für eine zehnminütige Pinkelpause hatte er das Auto verlassen, in dem zwei Mitangeklagte auf ihn warteten. „Das Feuer brach erst eine gute halbe Stunde später aus“, sagt er, „wäre ich es gewesen, hätte das viel früher geschehen müssen.“ „Alle haben zunächst eine Tatbeteiligung bestritten“, sagt ein Polizist aus. Später gaben sie einiges zu. „Die Untersuchungshaft hatte sicher einen erzieherischen Aspekt für sie“, sagt der Beamte aus. Das Motiv für die Taten war, Anerkennung bei der Feuerwehr zu gewinnen. Deshalb haben die Angeklagten ihren weiteren Lebensweg riskiert.

Zwei verloren nach der U-Haft ihre Ausbildungsstellen, ein zweiter kann sie immerhin weiter fortsetzen. Der vierte, am meisten belastete Angeklagte hatte eine schwere Kindheit. „In der Förderschule wurde ich gemobbt“, sagt er. Die hat er abgebrochen, eine feste Arbeitsstelle hat er mutwillig aufgegeben. „Er hat begrenzte kognitive Fähigkeiten und Probleme damit, tragfähige Beziehungen zu halten“, sagt die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe. Er suche nach Bestätigung und Akzeptanz, Hauptproblem sei sein Abbruchverhalten.

Durch drei Familienbiografien ziehen sich Brüche wie Trennung der Eltern oder Tod der Mutter. Immerhin sei das Verhältnis zu ihren jetzigen Bezugspersonen nach der Haft besser, bestätigen alle vier. Keiner ist mehr in der Feuerwehr.

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