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Stormarner Tageblatt

19. November 2017 | 20:39 Uhr

Reinbek : Feinkost vom Feinsten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Unternehmen Grossmann setzt seit 50 Jahren auf frische Produkte und Handarbeit in Stormarn. Doch kaum jemand kennt die Firma. Die bisherige Zurückhaltung soll jetzt aufgegeben werden.

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erstellt am 18.Mai.2017 | 06:00 Uhr

Nach einem halben Jahrhundert ist Schluss mit hanseatischer Zurückhaltung. „Bei der Außendarstellung wird sich alles ändern“, sagt Uwe Stöhr, Geschäftsführer von Grossmann-Feinkost in Reinbek. Das Unternehmen ist mit seinen Salaten, Dressings, Desserts, Beilagen und Antipasti in den Feinkosttheken, in einigen Regalen des Lebensmittel-Fachhandels und in der Gastronomie vertreten. Der Name prangt bislang aber nicht groß auf der Packung, sondern findet sich meist nur kleingedruckt auf der Unterseite. Dabei hat die Firma nicht den geringsten Grund, sich zu verstecken. „Wir sind der Platzhirsch in den Feinkosttheken in Hamburg“, sagt Stöhr, neben Großhandel und Gastronomie „gehen wir jetzt auch an den Endverbraucher und fangen damit in der Region an.“ Die Kooperation mit dem FC St. Pauli, mit dessen Logo Hafen-Happen, Krabben-Pott, Feuriger Kick und die Currywurst-Flanke angeboten werden, läuft überaus erfolgreich, ist aber „nur“ die Marketingseite.

Entscheidend ist die Firmenphilosophie, die seit der Gründung durch Wolfgang und Erika Grossmann gilt: Leckere Salate mit besten Zutaten und ohne Konservierungsstoffe. Die beiden hatten das Geschäft als Hobby begonnen. Ihre Salate für Freunde und Bekannte kamen aber so gut an, dass sie sich im Jahr 1967 in Billstedt selbstständig machten.

Bereits 1978 zog man nach Reinbek um. Weil die Nachfrage immer größer wurde, schuf man ab Anfang der 90er Jahre elf Niederlassungen in ganz Deutschland, und es kamen auch Anfragen aus dem Ausland. Statt der Niederlassungen gibt es heute eine Zusammenarbeit mit 70 Großhändlern. Auch wenn es lediglich in Reinbek eine eigene Lkw-Flotte für die Auslieferung gibt, garantiert Grossmann bundesweit eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden nach Bestelleingang.

Muss auch so sein, weil manche Produkte selbst bei Kühlung nur vier Tage haltbar sind. Die meisten haben allerdings eine Mindesthaltbarkeit von zwölf oder mehr Tagen. Inklusive der Handelswaren hat Grossmann rund 800 Produkte im Sortiment.

Herzstück sind natürlich die selbstgefertigten Salate. Und da ist immer noch ganz viel Handarbeit gefragt. „Wir sind eine Manufaktur“, sagt Uwe Stöhr. Davon überzeugte sich bei einem Rundgang zum Firmenjubiläum auch Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer. Und probierte das auch selbst aus. Mit Andreas Broosch rührte er den Hamburger Kartoffelsalat an.

Die Handarbeit ist unerlässlich für die gewünschte Qualität. „Unsere Schafs- und Ziegenkäse aus Korsika sind so cremig, das lässt sich nicht mit der Maschine schneiden“, sagt Produktionsleiter Björn Sänger. Im nächsten Raum sind mehrere Frauen damit beschäftigt, Peperoni mit Frischkäse zu füllen. „Keine Peperoni ist gleich groß. Sie dürfen weder unter- noch überfüllt werden“, erläutert Uwe Stöhr. Das gilt gleichermaßen für die Champignonköpfe, die per Spritzbeutel gefüllt werden – die Menge hängt von der Größe des Pilzkopfs ab. Selbst das Abfüllen der Salate erfolgt oft per Hand, damit die Bestandteile nicht von einer Maschine zerstört werden.

Bei Hummus ist maschinelles Abfüllen durchaus möglich. Die orientalische Spezialität aus pürierten Kichererbsen oder Favabohnen mit Olivenöl, Gewürzen und anderen Zutaten steht für den immer schnelleren Wandel der Essgewohnheiten. „Vor sechs Jahren sind wir mit Hummus am Markt gescheitert“, erinnert sich Stöhr. Mittlerweile gibt es in Reinbek eine eigene Maschine für die Verarbeitung. Die Investition von einer Million Euro rechnet sich. „Der Markt schreit nach hochwertigem Hummus“, sagt Stöhr.

Ähnliches gilt für Couscous, Bulgur oder Quinoa. Das hatte Grossmann ebenfalls schon im Programm, als es hierzulande kaum jemand kannte. „Niemand in der Gastronomie wollte es seinerzeit haben“, sagt Stöhr. Jetzt geht es nicht mehr ohne. Ziemlich out ist dagegen der klassische Rollmops, der Jahrzehnte lang vor allem zum Karneval massenhaft geordert wurde. Auch die Begeisterung für Nordseekrabben-Salat endet – für den Norddeutschen schwer verständlich – in Höhe Soltau. Angesichts der explodierten Preise für Krabben und auch Lachs dürfte sich die Nachfrage weiter Richtung Linsen und Co. verschieben. Nicht jeder kann oder möchte 3,99 Euro und mehr für einen Salat ausgeben, auch wenn Nordseekrabben drin sind.

Den Wandel sieht man bei Grossmann auch als Chance. „Wir sind Trendsetter“, sagt Stöhr. Die Reinbeker haben auch Peppadew aus Südafrika nach Deutschland gebracht. Wo andere es mit Nachzüchtungen versuchen, beziehen die Reinbeker weiter das Original der süß-pikanten Frucht. Aus Qualitätsgründen, denn natürlich ist das Rohmaterial ganz entscheidend für die Qualität des Endprodukts. Die Herstellung des korsischen Ziegenkäses hat sich Björn Sänger genauso angeschaut wie die Olivenproduktion in Griechenland. Denn trotz aller Handarbeit in Reinbek, die Mandelkerne werden schon in Griechenland in die Oliven gesteckt.

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