Bad Oldesloe : Faust mit dem Wollbart

Opernspaß auf der Kub-Bühne: Mephisto (Caspar Krieger, re.) treibt sein Unwesen mit Faust (Erwin Tacher, li.).  Fotos: Olbertz
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Opernspaß auf der Kub-Bühne: Mephisto (Caspar Krieger, re.) treibt sein Unwesen mit Faust (Erwin Tacher, li.). Fotos: Olbertz

Die neue Operninszenierung mit Lübecker Musikstudenten feiert am Freitag im Kub Premiere. Die jungen Musiker präsentieren Faust 2.

Andreas Olbertz. von
11. Januar 2018, 06:00 Uhr

„Absolute Ruhe bitte. Wir fangen an mit dem Schumann“, ruft Regisseur Jürgen R. Weber durch den Kub-Saal. Ein Stuhl wird auf der Bühne zurechtgerückt, eine Tür in Position geschoben, Erwin Tacher ertastet schnell noch mal, ob der Bart auch richtig sitzt, dann gibt Dirigent Robert Roche seinen Musikern auch schon das Signal zum Einsatz. Studenten der Musikhochschule Lübeck (MHL) proben im Kub wieder eine Operninszenierung. Morgen Abend um 20 Uhr hat „Faust“ Premiere.

Jürgen R. Weber hat schon viel in seinem Leben gemacht. Mit seinem Spielfilm „Open Wound“ heimst er bei Festivals Preise ein. Eine Weile war er Regisseur von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. „Ich war jung und brauchte das Geld“, sagt er darüber heute. Lübecks Gesangsprofessorin Manuela Uhl hatte eine Operninszenierung von Weber in Bonn gesehen und ihn gefragt, ob er nicht an die MHL kommen wolle. Die Schule habe ihn angerufen und gefragt, ob er nicht eine Idee für ein Projekt habe. „Nicht wirklich“, war Webers Antwort, „wann braucht ihr das denn?“ Weil es drängte „habe ich halt was Altes genommen“. Das Faust-Projekt hatte er bereits vor Jahren für Ulrich Wildgruber entwickelt, es wurde aber bislang nicht umgesetzt. „Das wird also eine Uraufführung dieser Version“, kündigt Weber an.

Faust ist ein Opern-Pasticcio – also kein Stück aus einem Guss, sondern ein „Konglomerat“ verschiedenster Kompositionen. Schubert, Schumann, Verdi, Wagner, Liszt und Dessau sind nur einige Namen, deren Stücke gespielt werden. Auf dem Papier leitet Robert Roche das MHL Kammerorchester, doch was in Oldesloe auf der Bühne musiziert, sieht ganz anders aus: Vier Saxophonisttinnen, eine Percussionistin und eben Professor Roche an den Keyboards. „Die Instrumentierung ist schon spannend“, findet auch Kub-Chefin Inken Kautter.

Fünf Männer und vier Frauen, für die die Inszenierung Teil ihrer Bachelor-Prüfung ist, wechseln munter zwischen den Rollen, teilweise sogar innerhalb einer Szene. Faust ist an seinem wollenen Rauschebart zu erkennen, Gretchen an der Bommelperücke und Mephisto natürlich an den roten Locken und den Hörnern. „Gender-Swopping“ nennt Jürgen R. Weber das. Seine Inszenierung empfindet er als „fast schon skandalös konservativ“. Er hält sich an Originaltext und -noten – zeitliche Versetzungen von Stücken hasst er. Er ist aber ein Freund von „ironischen Brechungen“. Bei ihm bekommt der Faust einen „Carport-Wellpappe-Gaffertape-Textmarker-Look“, es wird nicht nur gesungen, auch viel getanzt und gespielt. Bis zum letzten Moment wird Weber an allen möglichen Details feilen. Danach überlässt er die Inszenierung sich selbst, denn bereits am Montag muss er nach Amerika und anschließend weiter nach China – Preise für seinen Film entgegen nehmen.

>Faust hat Freitag, 20 Uhr, Premiere im Kub. Weiterte Vorstellungen sind Sonnabend, 20 Uhr, und Sonntag, 17 Uhr geplant. Tickets kosten im Vorverkauf 18,50/12,50 Euro an der Abendkasse 20,50/14,50 Euro.

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