Bad Oldesloe : Farbe ist zuerst Empfindung

Die Oldesloer Künstlerin Ruth Westfehling kommt mit ihren beeindruckenden Bildern nach Reinfeld.

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16. Januar 2015, 08:41 Uhr

Die Oldesloerin Ruth Westfehling lebt mit ihrem Mann Klaus in einer Galerie. Was zunächst ungewöhnlich klingt, das ist auf den zweiten Blick logisch, denn Ruth Westfehling malt seit mehr als 25 Jahren und ihr Reihenhaus ist nicht nur ihr Atelier, sondern beherbergt auch die meisten ihrer Kunstwerke, die dort – professionell ausgeleuchtet – an nahezu allen Wänden hängen.

Ruth Westfehlings Bilder sprechen eine eigene, intensive Sprache und beeindrucken den Betrachter nachhaltig. Themenschwerpunkte reichen von Portraits über Naturmotive bis zu abstrakter Malerei und Collagen. Genauso vielseitig ist auch die Technik der 64-jährigen Künstlerin, deren Schwerpunkt zwar in der Ölmalerei liegt, die aber auch gerne mal mit Eitempera, Schichtenmalerei oder verschiedenen Drucktechniken experimentiert. Die handwerklichen Grundlagen erlernte sie in verschiedenen Kursen, u.a. bei Gerd Bannuscher und an der Kunstschule für pluralistische Malerei in Bühl bei Klaus Wiener. Von 2008 bis 2013 bildete sie sich an der Kunstschule der Gemeinnützigen in Lübeck fort.

Zahlreiche Ausstellungen in Norddeutschland zeugen von ihrer überaus großen Kreativität. Erstmals stellt Ruth Westfehling jetzt 40 ihrer Arbeiten in Reinfeld aus. Im Fokus steht das Thema „Entwicklung“. Die Vernissage der Ausstellung mit dem Titel „Jetzt ist anders als vorher“ findet am Sonntag, 1. Februar, um 11 Uhr in der Alten Schule statt.

„Was mich impulsmäßig treibt, das kann ich hier zu Hause geruhsam umsetzen“, sagt die Künstlerin. Und was zu ihr passe, greife sie sich heraus, manchmal auch aus Zeitschriften oder Büchern, erzählt die gebürtige Flensburgerin, die seit 1975 in der Kreisstadt lebt. So wie das kleine Foto einer alten Frau irgendwo in Osteuropa, das sie vor Jahren in einem alten Geo-Heft entdeckte. Ruth Westfehling schnitt es aus und machte sich an die Umsetzung des kleinen Fotos in ein eindrucksvolles Portrait in Öl. „Es hat sich ganz eigenständig entwickeln dürfen. Ich hatte nie eine eigene Oma, aber jetzt habe ich eine“, lacht die sympathische Künstlerin und betont, dass alte Menschen, Kinder und „das gelebte Leben“ sie schon immer faszinierten. Diese Faszination kommt auch in ihren Kinderportraits zum Ausdruck. Ein kleiner Junge schaut den Betrachter keck und neugierig an, erst auf den zweiten Blick bemerkt man, dass er wohl unter einer Hautkrankheit leidet, denn seine Wangen sind außergewöhnlich rot und schuppig. „Ich möchte mit meinen Bildern immer etwas mitteilen, irgendetwas muss raus. Dabei ist die Farbe nicht nur Material, sondern zu allererst eine Empfindung“, betont die Künstlerin. Es sei auch nicht ihr Anspruch, dass der Betrachter das Gleiche sehe oder spüre, wie sie. „Ich male nicht für den Betrachter, sondern um mich mit mir selbst zu verständigen. Aber der Betrachter ist eingeladen, daran teilzunehmen und vielleicht bis zu einem gewissen Grad sich selbst zu finden.“

Beeindruckend sind auch ihre Blumen-Bilder, wie etwa Mohnblüten oder die Magnolienknospen, die in ungewohnter Größe aussehen wie surreale Gebilde. Sie sind eine Momentaufnahme aus dem Prozess des Wachsens und Vergehens einer ganz besonderen Pflanze. Über einen Zeitraum von vier Jahren habe sie zwei Magnolienbäume vor dem Lübecker Standesamt beobachtet und insgesamt 400 Fotos gemacht, so Ruth Westfehling. Farben spielen bei ihr eine wichtige Rolle, denn sie erzeugen Stimmungen und Wirkungen. Das wird bei einem Riesenportrait des Schauspielers Klaus Kinski überdeutlich. Der ebenso geniale wie besessene und exzentrische Schauspieler kommt in schreienden und knalligen Farben daher und zieht den Betrachter in seinen Bann. „Hier kommen Genie und Wahnsinn zum Ausdruck, er strahlt Eifer und Aggressionen aus. Allerdings hatte ich ihn zwischendurch anderthalb Jahre im Keller stehen, weil ich einfach nicht weitermachen konnte.“ Erst Anfang des Jahres wurde das Kinski-Portrait vollendet. Er bleibe allerdings in seiner Welt und nehme keinen Kontakt zum Betrachter auf, betont Ruth Westfehling, die gespannt ist auf die Reaktionen der Ausstellungsbesucher. Ganz bewusst werde sie ihre Bilder in der Ausstellung nicht betiteln, damit sich die Betrachter eine eigene Meinung bilden können. „Die Besucher sollen selbst die Bilder erst mal im Kopf und Bauch spüren. Und wer will, kann dann selbst einen Titel zu den Bildern aufschreiben. Die Zettel werden dann gesammelt und ausgewertet.

Die Kunstschau wird am Sonntag, 1. Februar, um 11 Uhr in der Alten Schule in Reinfeld eröffnet und ist bis zum 15. Februar zu sehen. Bürgermeister Heiko Gerstmann wird die Ausstellung eröffnen und die Oldesloer Kunsthistorikerin Antje Karrasch führt die Besucher anschließend in die Ausstellung ein. Für eine musikalische Untermalung sorgen Flötistinnen der Oldesloer Musikschule.

>Öffnungszeiten: Montags bis freutags 15-18 Uhr, sonntags 11 bis 12.30 Uhr. Sonnabends geschlossen. Der Eintritt ist frei.
>Schulklassen haben die Gelegenheit, die Ausstellung auch vormittags zu besichtigen. Anmeldung unter Tel. 04533-2001 34 oder per Email.












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