Familie Storch in Pastors Garten

 Die Storchenmutter fliegt vom Nest ab, um Futter für ihre Jungen am Mühlenteich und an der nahegelegenen Trave zu suchen.  Vater und Mutter wechseln sich bei der Futtersuche rund um die Uhr ab.  Foto: Schlüter-hürdler
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Die Storchenmutter fliegt vom Nest ab, um Futter für ihre Jungen am Mühlenteich und an der nahegelegenen Trave zu suchen. Vater und Mutter wechseln sich bei der Futtersuche rund um die Uhr ab. Foto: Schlüter-hürdler

Seit Jahrhunderten brütet Meister Adebar in Klein Wesenberg / Eltern ziehen wie im letzten Jahr drei Jungtiere auf

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23. Juni 2011, 07:22 Uhr

Klein Wesenberg | Die drei Jungstörche haben es richtig gut im Garten des Pastorats. Rund um die Uhr werden sie von ihren Eltern mit Futter versorgt. Und das finden Mama und Papa Adebar reichlich in den umliegenden Auen an der Trave. Unermüdlich wechseln sich Vater und Mutter Storch ab, um den Nachwuchs fit für den Flug in den Süden Ende September zu machen. Immer wieder spuckt die Störchin die gefangenen Frösche, Mäuse, Gräser und Insekten aus. Die Jungen picken gierig das Futter auf. "Die Störche holen Wasser aus dem Mühlenteich und spritzen es dann in die Schnäbel der Jungen", erzählt Pastor Erhard Graf. Das regnerische Wetter ist ideal für die Aufzucht", weiß Graf, der täglich mit seiner Frau Elke einen Blick auf das Storchennest wirft. Er hat gemeinsam mit dem Nabu dafür gesorgt, dass Fichten gefällt wurden, die die Einflugschneise der Störche behinderten.

"Am ersten April brachte der Nabu das Hinweisschild auf die Störche in unserem Garten an, am nächsten Tag waren sie da", erinnert er sich. Danach begann der "Nestkampf", denn viele ehemalige Jungstörche, die im letzten Jahr im Pastoratsgarten aufgezogen wurden, machten ihr Recht auf das Nest geltend. Doch ohne Erfolg: Das Storchenpaar verteidigte es mit aller Kraft und begann zu brüten. Inzwischen sind die Jungen geschlüpft und gedeihen prächtig. Ein Jungvogel wurde wahrscheinlich von den Eltern aus dem Nest geworfen, weil er zu schwach zum Überleben war. "Im letzten Jahr ist das Selbe passiert, und wir hatten auch drei Jungstörche im Nest", erinnert sich der Pastor. Diese haben noch immer ihr weiches, weißes und flauschiges Gefieder und noch keinen roten Schnabel. "Ein Jungstorch muss früher als die anderen Beiden geschlüpft sein", meint Graf. Denn der ist schon fleißig dabei, erste Flugübungen im Nest zu machen. Es dauere aber wohl noch drei Wochen, bis die Jungstörche die ersten zaghaften Flugversuche bis zum Pastoratsdach wagen. "Sie trainieren erste eine kurze Strecke, dann wagen sie sich immer weiter", erklärt der Pastor. Zwischendurch machen die jungen Störche viele Pausen, die Muskulatur muss sich noch kräftig ausbilden. "Wenn meine Frau Rasen mäht, stolzieren die Störche immer hinter ihr her", so Graf. Nur noch rund zehn Wochen, dann ziehen die Störche gen Süden - nach Afrika oder Südspanien. Über 10 000 Kilometer legen auch die Jungstörche dabei zurück. Sie verlassen Anfang September das Nest - ohne ihre Eltern, denn diese bleiben meist noch zwei Wochen länger in Klein Wesenberg. Bis Mitte September ist dann das Nest von den fünf Bewohnern verlassen.

Aber Pastor Graf ist sich sicher, dass die Störche wiederkommen. Das war schon seit Jahrhunderten so in Klein Wesenberg. Fotos aus den 50er Jahren belegen, dass sich damals viele Störche auf dem Dach der damals im Pastoratsgarten stehenden Scheune trafen. Die Scheune wurde im 18. Jahrhundert gebaut. "Mindestens so lange brüten die Störche in unserem Dorf", ist Graf sich sicher.

Der engagierte Pastor wünscht sich einen Beobachtungsplatz für die Störche - zum Beispiel auf dem Dachboden des Gemeindehauses - oder eine Standkamera, um mit Hilfe eines Monitors die Aufzucht der Störche beobachten zu können. Er hofft, dass für diese Idee ein Sponsor gefunden wird, denn leider hat die Gemeinde keinerlei Mittel für so einen Extra-Service zur Verfügung. Erhard Graf möchte noch eine zweite "Beobachtungsbank" im Garten aufstellen: "Die Bank wird viel genutzt. Die Leute bringen ihr Fernglas mit und sitzen hier oft stundenlang und schauen nach den Störchen".

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