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Falschaussagen – in der Hoffnung auf Schuldenerlass

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vier Zeugen drohen strafrechtliche Konsequenzen / Angeklagter hat keine Körperverletzung begangen

Diese Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht in Ahrensburg wird für einige Beteiligte noch kostspielige Folgen haben. Vier Zeugen hatten Arved K. (Namen geändert) schwer belastet. Der 22-Jährige aus Elmenhorst soll einen Ahrensburger schwer misshandelt haben. Mit Faustschlägen und Tritten ins Gesicht habe er den 19-Jährigen traktiert, hieß es. Das Motiv: Der Ahrensburger schuldete ihm Geld.

Bis auf das Schulden-Motiv stellten sich alle Anschuldigungen als haltlos heraus. Arved K. hatte Simon R. 700 Euro geliehen, die seine Schwester zur Verfügung stellte. Doch Simon R. war zahlungsunwillig. Deshalb stellte Arved K. ihn im Sommer 2013 auf einem Feldweg beim Großhansdorfer Rosenhof zur Rede.

Mit dabei war ein 18-jähriger Freund. Sie trafen dort auf eine Vierergruppe, und die beiden Angeklagten sollen aus dem Gebüsch gestürmt sein und gemeinsam auf Simon R. eingeprügelt haben. So lauteten die übereinstimmenden Aussagen der Vier vor der Polizei. Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen ein, angeklagt wurden Arved K. und sein Freund wegen gefährlicher Körperverletzung und räuberischer Erpressung.

Schon der erste Zeuge gesteht vor Gericht zu, dass er vor der Polizei eine Falschaussage gemacht habe. „Was ich der Polizei erzählt habe, stimmt nicht“, sagt er, „ich möchte nicht, dass ein Unschuldiger bestraft wird.“ Auch das vermeintliche Opfer bestätigte das. Seine Verletzungen, zu denen auch ein Loch im Trommelfell gehörte, habe er sich bei einer Schlägerei auf dem Hamburger Kiez zugezogen.

„Ich brauchte das Geld für einen anderen Gläubiger, seinen Namen werde ich nicht sagen“, erklärt Simon R.. Dabei handelte es sich mutmaßlich um Drogenschulden. Denn der 19-jährige Produktionshelfer hatte Arved K. auch beschuldigt, ihm in mindestens vier Fällen Marihuana verkauft zu haben. Bis zu 100 Gramm auf einmal, zum Weiterverkauf und auf Kredit. Um seine Schulden zu tilgen, hatte er schon mit einem der Zeugen zusammen einer älteren Dame die Handtasche geraubt. Dafür wurden sie bereits verurteilt.

Mit zwei der Zeugen zusammen hatte er sich dann die Geschichte vom räuberischen Überfall ausgedacht. Alle bestätigen, dass sie vor der Polizei falsch ausgesagt hatten. „Wir haben uns zu dritt vorher darüber abgesprochen“, so ein 18-jähriger aus Ahrensburg. Sie hätten gehofft, dass Arved K. seine Geldforderungen unter diesem Druck einstellen würde.
Mit ihrer abgesprochenen Version überzeugten sie offenbar die Polizei. „Ich wollte ihm bei seinen Schuldenproblemen helfen“, sagt ein 18-jähriger Schüler aus Ahrensburg, „er war einer meiner besten Freunde.“ Sie hätten gehofft, dass der Angeklagte ihn danach in Ruhe lasse.

Der vierte Zeuge war als erster zur Polizei gegangen und hatte das Verfahren ins Rollen gebracht. „Damals war ich 16 Jahre alt, heute weiß ich, dass man vor Gericht und der Polizei die Wahrheit sagen muss.“

Tatsächlich bedroht hatte Arved K. nur eine 20-jährige Jersbekerin. Sie hatte ihn mit einer Freundin zusammen vor der Polizei als Einbrecher beschuldigt. „Ich will einen Brief an die Polizei sehen, sonst zermessere ich euch“, hatte er ihr in einem sozialen Netzwerk geschrieben. „Er hat sich bei mir entschuldigt“, sagt die Zeugin, „wir verkehren heute wieder freundschaftlich.“

Simon R.s Mutter hatte die Forderungen schließlich in Raten beglichen. Auch sie ist als Zeugin geladen. Nach Rücksprache mit dem Anwalt Patric von Minden macht sie von ihrem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch: „Dann sage ich nichts.“

Am Ende plädiert auch die Staatsanwältin auf Freispruch für Arved K. „Die Vorwürfe können nicht bewiesen werden.“

Für ihre Falschaussagen vor der Polizei werden die vier „umgefallenen“ Zeugen noch strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen, kündigte die Staatsanwältin an. Schließlich haben sie ein umfangreiches Ermittlungsverfahren und eine siebenstündige Sitzung des Schöffengerichts verursacht, das letztlich im Sande verlief.





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