Urteil : Falsch beraten – Commerzbank muss bezahlen

Rechtsanwalt Amadeus Greiff rät Anlegern dazu, misstrauisch zu sein.
Rechtsanwalt Amadeus Greiff rät Anlegern dazu, misstrauisch zu sein.

Statt einer konservativen, sicheren Geldanlage empfahl ihnen der Kundenberater der Commerzbank einen Lebensversicherungsfonds – moralisch umstritten und alles andere als sicher. Das Ahrensburger Lehrerpaar zog vor Gericht und bekam recht.

Andreas Olbertz. von
16. Juli 2014, 06:00 Uhr

Das Gericht hatte schon zu einem Vergleich geraten und die guten Aussichten des Klägers erwähnt, doch die Commerzbank lehnte ab. Und verlor prompt den Prozess. Mal wieder ein Erfolg für den Oldesloer Rechtsanwalt Amadeus Greiff gegen das Geldinstitut.

In diesem Fall vertrat der Jurist ein Lehrerpaar, dass seinerzeit in Ahrensburg lebte, Kunde der dortigen Commerzbank war und mit der Beraterin zufrieden war. Dann rief aber im Juli 2007 ein anderer Berater an und erklärte, ein gutes Anlageprodukt zu haben. Das Depot des Paares sollte mal neu ausgerichtet werden. Noch am Tag des Beratungsgesprächs investierte das Ehepaar gut 15 000 Euro in einen „Lebensversicherungsfonds“. „Deutsche Lebensversicherungen – das ist was tolles, was sicheres“, schildert Amadeus Greiff, wie seinen Mandaten das Produkt schmackhaft gemacht wurde. Fünf bis sieben Prozent Rendite seien in Aussicht gestellt worden.

Die Ahrensburger legten immer Wert darauf, ihr Geld konservativ und sicher anzulegen. Außerdem sollte die Laufzeit nicht zu lang sein, da sie vorhatten, eventuell eine Wohnung in Lübeck zu kaufen. Was die Investoren nicht wussten: Besagter MPC Rendite-Fonds Leben Plus 7 war eine unternehmerische Beteiligung, ziemlich riskant, auf langfristiges Engagement ausgelegt und zudem noch fragwürdig. Alles das, was die Ahrensburger nicht wollten. Darauf, so ihr Vorwurf in der Klage, habe sie der Berater nicht hingewiesen.

Diese Fonds kaufen Lebensversicherungen. Das ist für die Versicherten interessant, weil sie mehr Geld ausbezahlt bekommen, als den Rückkaufwert ihrer Police. Der Fonds zahlt dann die Beiträge weiter und kassiert, wenn der Verkäufer stirbt. Anwalt Greiff: „Das ist eine Wette auf den Tod. Je früher er stirbt, desto besser ist es für die Investoren.“ Viele Banken hätten solche Modelle selber aufgelegt, sich davon aber, da sie moralisch bedenklich seien, wieder verabschiedet. Die Deutsche Ban nahm ihren Lebensversicherungsfonds beispielsweise 2012 vom Markt und erstattete den Investoren 200 Millionen Euro. „Beim Abschluss solcher Geschäfte flossen so hohe Provisionen, dass es für die Banken interessant wurde, obwohl es für die Kunden nicht passend war“, erklärt Anwalt Greiff. Bei „Leben Plus 7“ waren allein zwölf Prozent des Kapitals für die Vermittlung vorgesehen. Das ahnten Greiffs Mandanten natürlich nicht. Sie gingen davon aus, ihr Geld konjunkturunabhängig und sicher angelegt zu haben.

„Am Anfang gab es einige, bei denen es gut zu laufen schien“, so Greiff: „Ein Großteil endete aber tatsächlich negativ.“ Die Papiere sind mittlerweile quasi wertlos. Sie werden auf einem Zweitmarkt mit nur noch 16 Prozent des ursprünglichen Wertes gehandelt.

Das Ganze ging jetzt vor das Lübecker Landgericht. Die Kläger beteuerten, nicht über die Risiken aufgeklärt worden zu sein, der damalige Berater konnte sich nicht konkret an die Kläger erinnern, sagte aber aus, „immer“ auf Risiken bis hin zum Totalverlust hingewiesen zu haben.

Viele Fälle, die Amadeus Greiff übernimmt, landen gar nicht mehr vor Gericht. Bei einem Großteil einige man sich außergerichtlich oder per Vergleich – 60 bis 80 Prozent der Summe und eine Verschwiegenheitsklausel. „Darüber darf ich dann nicht reden“, macht der Anwalt deutlich. In diese Richtung ging auch der Vergleichsvorschlag in diesem Fall. 7400 Euro hätte die Commerzbank den Klägern erstatten sollen, die Anwaltskosten wären 30:70 aufgeteilt worden. Doch darauf wollte sich die Bank nicht einlassen. In den vergangenen Jahren, so eine grobe Schätzung des Juristen, habe er wohl in 70 Fällen Mandanten gegen die Commerzbank vertreten. Das mache etwa 60 Prozent seiner Tätigkeit aus. „Der Rest sind alle anderen Institute zusammen“, so Greiff: „Die Commerzbank ist unberechenbar in ihrer Strategie.“ In dem Fall lehnte sie einen Vergleich ab und wurde verurteilt, die Summe zu erstatten. Abgezogen wird lediglich eine Erstattung von gut 1000 Euro, die das Ehepaar bereits erhalten hatte. Die Anwaltskosten muss das Geldhaus jetzt komplett tragen. Amadeus Greiff: „Das Gericht ist zu der Auffassung gekommen, dass die Bank nicht richtig beraten hat.“

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