zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 01:01 Uhr

Fairness als meistgebrauchtes Wort

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Rückblick auf die Stadtverordnetenversammlung in Bad Oldesloe im April 1986 / Nach friedlicher Sitzung folgte Schlagabtausch

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 11:37 Uhr

„Besser als sonst besucht“ sei die konstituierende Stadtverordnetensitzung am 22. April 1986 gewesen. Rund 100 Zuschauer verfolgten das Treffen der Politiker in der Festhalle, hofften auf einen ersten Schlagabtasuch in Sachen Bürgermeister-Ausschreibung und Baugebiet „Steinfelder Redder“. Viel Sitzfleisch brauchten die Zuschauer damals aber nicht: Nach 50 Minuten war die Sitzung beendet – „in Rekordzeit“ wurden die zwölf Tagesordnungspunkte abgehandelt, wie das „Stormarner Tageblatt“ damals berichtete.

Nicht, dass eine besondere Einheit unter den Parteien herrschte – wie sich bei der Sitzung einen Tag später noch zeigte –, sondern viele der Entscheidungen waren zuvor bereits in internen Gesprächen verhandelt worden. So „waren nicht nur die Wahl des Bürgerworthalters, sondern auch die der anderen Positionen mehr oder minder ,Selbstgänger’“. Die SPD stellte mit Friedrich-Carl Wodarz den Ersten Stadtrat und damit den Vertreter des Bürgermeisters – damals Gottfried Baethge. Bürgerworthalter wurde Gerhard Manns (CDU), seine Vertreter Elisabeth Huuck (SPD und Elisabeth Scherrer (CDU). Zweiter Stadtrat wurde Siegfried Wobig (CDU).

1986 starteten die Grünen auch in Oldesloe durch: Mit Wilfried Janson wurde der Magistrat erstmals grün – möglich wurde das dadurch, dass die SPD einen ihrer vier Sitze an ihn abtraten. Zusammen mit Karin Hoffmann (Fraktionsvorsitzende) waren zwei Grüne im Stadtparlament vertreten. Die grüne Färbung spiegelte sich nicht nur im bundesweiten Trend wider, sondern auch auf lokaler Ebene, denn erstmals wurden auch ein Umwelt- und ein Frauenausschuss in der Satzung verankert. In ihnen konnten erstmals Oldesloer Bürger mitwirken.

Während in den Reden bei der konstituierenden Sitzung „Fairness“ das am häufigsten gebrauchte Wort gewesen war, ging es bei der zweiten Sitzung am folgenden Tag wortstark um „heiße Eisen“: das Baugebiet „Steinfelder Redder“, sowie ein SPD-Antrag zur Ausschreibung der Bürgermeister-Stelle und ein CDU-Antrag zum Verzicht auf diese Ausschreibung.

Das Gerangel um letzteres entpuppte sich als überflüssig, da „die Position des Bürgermeisters laut Gemeindeordnung ohnehin ausgeschrieben werden muss“, hieß es damals. Anders sah das beim „Steinfeklder Redder“ aus: Die Pläne für das Baugebiet wurden mit den Stimmen von SPD und Grünen begraben – „Erste Machtprobe gewonnen“, titelte das Tageblatt am 24. April 1986. Die bereits angerollten Bagger mussten wieder zurück. Die Grünen begründeten ihre ablehnende Haltung damals so: „Falsche Entscheidungen müssen rückgängig gemacht werden. Wir wollen die Renaturierung!“, sagte Wilfried Janson.

„Blühende Landschaften“ entstanden dennoch nicht: Gut 20 Jahre dauerte die politische Diskussion noch an, dann bauten erste Familien im „Steinfelder Redder“ ihre Häuser.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen