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Fäuste flogen – und keiner will mehr wissen, warum

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Sie sind weiterhin Arbeitskollegen, aber sie würdigen sich kaum eines Blickes. Denn sie stehen vor Gericht in Ahrensburg. Sie sind wegen schwerer Körperverletzung angeklagt.

Es geschah auf einer Gartenparty in Elmenhorst im Juni 2014. Dort soll ein 40-Jähriger aus Bad Oldesloe seinem Kollegen aus Ratzeburg eine so schwere „Kopfnuss“ verpasst haben, dass der dabei zwei Zähne verlor. Der wehrte sich mit mindestens einem Faustschlag ins Gesicht seines 49-jährigen Kontrahenten, der ebenfalls erhebliche Verletzungen verursachte. „Ich war deshalb vier Tage im Krankenhaus“, sagt er.

„Ich war betrunken und bin gestolpert“, verteidigt sich der Jüngere. Dabei müsse er den anderen wohl versehentlich mit dem Kopf getroffen haben. Danach erinnere er sich an nichts mehr. Er sei zuvor beleidigt und provoziert worden. Zuvor war es eine lustige Party, das bestätigen beide.

„Ich habe ihn nicht beschimpft, wir haben nur diskutiert“, wehrt sich der Ältere. Plötzlich sei sein Gegner auf ihn losgegangen: „Dann schlug ich zurück.“ Möglicherweise sei der Grund Eifersucht gewesen, weil er mit dessen Ehefrau getanzt hatte. Es stimme nicht, dass sein Gegner bewusstlos geworden sei: „Er sprang sofort wieder auf und begann zu lügen.“ Er habe nur einmal zugeschlagen.

Warum er denn vor der Auseinandersetzung seine Brille abgenommen habe, fragt die Staatsanwältin den Jüngeren: „Taten sie es aus Angst vor einer Schlägerei?“ Er antwortet nicht. Es gibt ohnehin Sprachprobleme in der Verhandlung im Amtsgericht Ahrensburg, denn alle Beteiligten sind Aussiedler aus der früheren Sowjetunion. Ein Zeuge versteht so schlecht Deutsch, dass ein Verteidiger einen Dolmetscher beantragt. Die Aussage ist wichtig, es geht um einen zweiten Faustschlag.

Die Richterin versucht, eine Einigung zu erreichen. Sie spricht von einem Augenblicksversagen der beiden nicht vorbestraften Angeklagten. Die Staatsanwältin stimmt zu, die Verhandlung wird unterbrochen. Einige Zeit beraten sich die Angeklagten mit ihren Anwälten. „Wir stimmen zu“, sagt der Anwalt des Jüngeren. „Das kann ich mir vorstellen“, höhnt der gegnerische Anwalt. So könne keine Befriedigung erreicht werden, sein Mandant bestehe auf Schmerzensgeld.

So wird ein neuer Verhandlungstermin mit Dolmetscher und Polizeibeamten anberaumt, die damals die Aussagen protokolliert haben. Weil die Anwälte innerhalb der vorgeschriebenen Dreiwochenfrist ausgebucht sind, muss die Hauptverhandlung ganz neu aufgerollt werden. Der Termin ist jetzt der 30. Mai.

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