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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 03:54 Uhr

Fähnchen für Kinder-Armut

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Fähnchen-Aktion: Kinderschutzbund Stormarn fordert höhere Sätze und ein generelles Umdenken

von
erstellt am 21.Sep.2014 | 11:43 Uhr

6500 kleine blauen Fähnchen wehen im leichten Wind, das Meer aus blauen Punkten vor dem Ahrensburger Schloss wirkt fast wie ein Kunstwerk. Der Hintergrund ist allerdings ernster. Jede der Fahnen steht für ein Kind in Armut im Kreis. „Es geht vielen Menschen in Stormarn sehr gut. Ich kann da auch für Ahrensburg sprechen. Hier gibt es sehr viel Licht, aber wohl viel Licht ist, ist leider auch viel Schatten“, so Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach.

„Jedes sechste Kind in Stormarn ist von Armut betroffen, jedes zwölfte lebt von Hartz IV. Das ist ein Skandal“, sagt Birgitt Zabel, die Vorsitzende des Kinderschutzbunds in Stormarn, der seinen neuen Armutsatlas vorlegte. Änderungen im Bildungs- und Teilhabe- sowie im Sozialhilfegesetz hätten Probleme aufgenommen, aber nicht gelöst. „Die bürokratischen Hürden sind so hoch, dass sich keine Verbesserungen einstellen, sondern eher Verschlechterungen“, so Zabel. Jedem Kind stehen pro Schuljahr 100 Euro für Unterrichtsmaterialien zu, „unsere Erhebungen haben aber ergeben, dass mindestens 500 Euro notwendig sind. Das sind Zustände, die es wirklich gar nicht geben darf“, sagt DKSB-Geschäftsführer Ingo Loeding.

Die prozentual meisten Kinder in Armut leben in Bad Oldesloe (17,77 Prozent) und Glinde (14,94). Wenige sind es im ländlichen Raum wie in Lasbek (2,67) oder Rehhorst (2,19). Gar keine Kinder in Armut gibt es derzeit in Neritz oder Rausdorf.

Das Vergleichen von Städten und Gemeinden „mag ich eigentlich gar nicht“, sagte Sarach. In Ahrensburg sind es 8,8 Prozent. „Man kann nun nicht sagen, dass wir das besser im Griff haben – es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und es hat oft auch strukturelle Gründe“, so Ahrensburgs Verwaltungschef.

„Eine vom Bund festgelegte Grundsicherung für Kinder fordert Zabel. „Nur weil die Prozentzahl in einer Gemeinde geringer ist, heißt es nicht, dass das Problem geringer ist. Manchmal ist es sogar schlimmer, weil dort die Schere zwischen Arm und Reich sehr weit auseinandergeht und somit die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben besonders schwierig werden kann“, sagt Loeding. Wo es normal sei, wohlhabend zu sein, werde es oft als selbstverständlich genommen, dass sich Eltern oder Kinder bestimmte Sachen leisten können. „Ein Kindergeburtstag muss nicht ins Fast Food Restaurant oder Kino gehen, sondern da reicht oft auch ein Ball und eine Wiese und ein Picknickkorb“, möchte Loeding ein Umdenken erreichen.

Und Klassenfahrten müssten nicht nach Paris oder London führen. Und es könne auch nicht so, dass Kinder bei einer Klassenfahrt oder einem Ausflug noch zehn Euro Taschengeld mitnehmen sollen. Birgitt Zabel: „Diese Zusatzkosten dürfen nicht entstehen.“ Auch Angebote in Ferienpässen hätten sich leider so entwickelt, dass in vielen Orten immer mehr Angebote kostenpflichtig sind. Zabel will „kostenlosen Zugang zu kulturellen Veranstaltungen für von Armut betroffene Kinder und ihre Eltern sowie kostenlose Freizeit- und Ferienangebote.“

„Lobenswert“ seien die Bemühungen mancher Sportvereine, die die Probleme erkannt hätten und nach Lösungen suchten. „Politik und Verwaltung müssten es viel öfter diskutieren. Daher bekommen sie auch unseren Bericht und den neuen Armutsatlas“, so Birgitt Zabel.

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