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Stormarner Tageblatt

22. August 2017 | 22:22 Uhr

Bad Oldesloe : Facebook & Co: Was geht?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Polizei und die sozialen Netzwerke – Polizeisprecherin Sonja Kurz spricht Klartext: „Das Internet ist keine rechtsfreie Zone.“

Die Anzahl der Straftaten im Kreis ist leicht gesunken. Das besagt die aktuelle Kriminalstatistik für Stormarn. Schaut man allerdings in die sozialen Netzwerke im Internet, entsteht schnell ein anderer Eindruck. Immer wieder kursieren Warnungen vor angeblichen Straftätern oder auch Aufrufe zur Mithilfe bei der Aufklärung von Fällen.

Kommentare wie „Es wird ja immer schlimmer hier“ oder „Hier kann man gar nicht mehr rausgehen“ häufen sich. Schnell wird daraus gefolgert „Die Polizei macht nicht genug“ und der nächste Schritt wird dann auch immer häufiger in der Konsequenz gewählt: Die jeweiligen Betroffenen oder Verunsicherten teilen per Facebook oder Twitter Fotos oder Namen angeblicher Täter. Ein Vorgang, der auch der Polizei nicht verborgen geblieben ist. „Wenn wirklich etwas passiert, sollte man damit zur Polizei kommen und Anzeige erstatten. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft nehmen sich der Sache dann an. Dafür sind sie da“, so Polizeisprecherin Sonja Kurz.

„Wir können nur davon abraten, selbst tätig zu werden. Eher behindert das sogar unsere Arbeit, wenn Hinweise dort geteilt, aber nicht an uns weitergegeben werden“, so Kurz weiter. „Wenn man dann Kommentare liest, muss man sich fragen, wo das hinführen soll“, sagt die Sprecherin. „Irgendwann ziehen Leute mit Forken und Fackeln los und wollen den Täter selbst fassen, oder wo endet das?“, fragt sie. „Ich möchte ganz klar sagen: Wir sind hier nicht mehr im Wilden Westen. Vor allem sollte man auch bedenken, dass eventuell Persönlichkeitsrechte von angeblichen Tätern verletzt werden, wenn Bilder einfach geteilt werden. Fotos anzufertigen ist eine Sache, sie dann in der Öffentlichkeit auszustellen eine andere. Das ist sehr dünnes Eis. Ich glaube, das müssen sich viele Leute noch mal klar machen. Das Internet ist keine rechtsfreie Zone“, so Sonja Kurz weiter.

Auf die Frage, warum viele Stormarner in den sozialen Medien das Gefühl haben, dass es immer mehr Straftaten gibt, hat sie auch eine Antwort. „Es ist oft eine subjektiv gefühlte Unsicherheit. Viele Dinge werden im Netz vermischt. Jeder kennt dann einen, der einen kennt, bei dem auch so etwas passiert sein soll. Da werden dann Fälle vermischt, die gar nicht in Stormarn passiert sind und vielleicht auch schon Jahre zuvor. Das wird aber nicht recherchiert, sondern einfach als Fakt hingestellt. Und so wird aus einer Tat gleich eine angebliche Serie, die aber eigentlich gar nicht existiert“, so Kurz. „Wir können nur zu mehr Sorgfalt beim Umgang mit solchen Postings aufrufen, sonst entsteht schnell eine Panik, wie rund um einen angeblichen Bus oder Pkw vor Kindergärten und Schulen. Das ist sehr schwer, verunsicherten Menschen dann zu erklären, dass da nichts dran ist“, sagt die Polizeisprecherin. „Auch wir müssen erst mal schauen, was wirklich passiert ist und was nicht. Und bevor wir eine Öffentlichkeitsfahndung herausgeben, muss das vom Gericht erlaubt und bestätigt worden sein“, betont Sonja Kurz.

„Immer häufiger haben wir Anrufe, bei denen es dann heißt: Ich habe das und das im Internet gelesen, was ist da eigentlich dran? Oft stellt sich raus, dass es nur Gerüchte waren oder nichts Greifbares. Ich kann nur wiederholen: Wenn etwas passiert, sollen die Mitbürger unbedingt Anzeige erstatten. Das kann auch für die Versicherung wichtig sein.“ Auch wenn die Polizeidirektion Ratzeburg – zu der auch Stormarn gehört – jetzt ebenfalls bei Facebook vertreten sei, reiche es übrigens nicht, dort einen Fall auf diesem Weg zu posten. „Bei Notfällen gilt weiterhin die 110. Und auch allgemein, wenn wir relativ schnell tätig werden sollen, würden wir den Anruf empfehlen. Wenn es nicht eilt, geht auch die Onlinewache. Facebook allein wäre immer der falsche Weg.“

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von
erstellt am 10.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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