IHK-Bilanz : „Extrem belastend für die Betriebe“

8,50 Euro Mindestlohn –  „Das ist schon ein Kurs, der da aufgerufen wird“, sagt IHK-Präses Friederike C. Kühn.
8,50 Euro Mindestlohn – „Das ist schon ein Kurs, der da aufgerufen wird“, sagt IHK-Präses Friederike C. Kühn.

IHK-Bilanz: Zwar geht die Wirtschaft mit Optimismus ins neue Jahr / Aber Kritik an Rente mit 63, Mindestlohn und zu viel Bürokratie.

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06. Januar 2015, 18:11 Uhr

Die Unternehmen im IHK-Bezirk Lübeck blicken wieder optimistischer als noch im Herbst in die Zukunft. Allerdings sind dafür vor allem äußere Faktoren wie der schwächere Euro und der gesunkene Ölpreis verantwortlich. Die aktuelle Bundes- und Landespolitik trage dagegen nicht zu einem Aufschwung bei. Sie sei eher wirtschaftsfeindlich und verunsichere die Bertriebe, so Hauptgeschäftsführer Lars Schöning und Präses Friederike C. Kühn, Unternehmerin aus Bargteheide.

Hauptkritikpunkte sind die Rente mit 63, der Mindestlohn, die Debatte um die Erbschaftssteuer. „Damit schadet sich der Staat selbst, weil er Investitionen hemmt“, so Friederike C. Kühn. Und die Belastungen aus der Energiewende, Infrastruktur-Kosten und das Denkmalschutzgesetz würden die Motivation des Mittelstands ebenfalls nichts gerade erhöhen.

Hinzu kommen die Risiken internationaler Krisen. Immerhin gehört Russland zu den Top-Ten-Exportländern für Unternehmen in Schleswig-Holstein. Positive Effekte erwartet die IHK durch den niedrigeren Eurokurs und das Freihandelsabkommen mit den USA. Da auch das Weihnachtsgeschäft und die Tourismus-Zahlen gut gewesen seien, stieg der Konjunkturklimaindex im Kammerbezirk um 3,2 auf 125,1 Punkte, dem besten Wert in Schleswig-Holstein.

„Die Auftragsbücher sind gefüllt, die Wirtschaft startet optimistisch ins neue Jahr“, sagt Friederike C. Kühn. Ganz besonders gilt das für Stormarn, wo die Arbeitslosenquote wieder unter vier Prozent gesunken ist. Für Stormarns Landrat sind die Werte regelmäßig Anlass für Erfolgsmeldungen, die IHK-Präses sieht auch die Kehrseite solcher Zahlen: „Die Unternehmen finden kaum noch Fachkräfte.“

Deshalb sei die abschlagsfreie Rente mit 63 „für den Mittelstand extrem belastend. Die Betriebe sind auf die Erfahrung Älterer angewiesen“, so Kühn. Auf der anderen Seite sehen sich die Unternehmen durch den Mindestlohn unter Druck gesetzt. Schon heute konnten 400 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Das könnte sich verschärfen, wenn junge Leute lieber einen – besser bezahlten – Aushilfsjob annehmen statt einen Beruf zu lernen. „Da werden völlig falsche Anreize gesetzt“, sagt Lars Schöning, „wir befürchten, dass die erfolgreiche duale Ausbildung ohne Not preisgegeben wird.“

Das ist nicht der einzige Kritikpunkt am Mindestlohn. „Für alle, die keinen Abschluss haben, werden die 8,50 Euro eine große Hürde werden“, sagt Kühn. Aushilfsjobs würden wegfallen, weil es sich nicht mehr rechnet – oder auch, weil die Dokumentation so umfangreich und bürokratisch ist, „dass Firmen sich fragen, ob sie sich das antun sollen.“

Demografie ist nicht nur Thematik bei Angestellten, sondern auch bei den Chefs. 7000 Unternehmen brauchen in den nächsten zehn Jahren einen neuen Inhaber, bei jedem zweiten Unternehmen muss der von außerhalb kommen. Gerade für Stormarn und Segeberg, wo der Großteil der IHK-Firmen sitzt, ist Nachfolge ein großes Thema. „Wir haben 150 vertrauliche Gespräche und 300 telefonische Beratungen geführt“, so der stellv. Hauptgeschäftsführer und Leiter der Geschäftsstelle Ahrensburg, Nils Thoralf Jarck. Jede fünfte Firma werde in den nächsten Jahren geschlossen, die meisten davon (60 Prozent), weil es keinen Nachfolger gibt.

„Diese Entwicklung ist noch gefährlicher als die Frühverrentung, weil komplette Teams zerrissen werden und Wertschöpfungsketten wegbrechen“, so Jarck. Das liegt nicht nur an potenziellen Interessenten, sondern auch an den Chefs, die die Entscheidung über die Zukunft ihres Unternehmens immer vor sich her schieben. Wir bieten solche Stabwechsel-Gespräche regelmäßig in Ahrensburg an, und wir haben eine interne Nachfolge-Börse angelegt“, wirbt Jarck dafür, dass sich Firmeninhaber rechtzeitig mit dem Thema befassen.

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