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Eulen sind auf dem Rückzug – weil die Beutetiere fehlen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Landesverband Eulen-Schutz schlägt Alarm: Fast alle Eulenarten leiden unter Futtermangel

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Eulen faszinieren die Menschen seit jeher. Die nachtaktiven Vögel wurden in früheren Zeiten gleichzeitig gefürchtet und verehrt, bewundert und verfolgt. Heute machen sich die Raubvögel im Norden leider sehr rar, ebenso wie ihre bevorzugten Beutetiere, die Feldmäuse.

In Schleswig-Holstein gibt es acht Eulenarten, die als Brutvögel heimisch sind: Schleiereule, Waldohreule, Sumpfohreule, Raufußkauz, Steinkauz, Sperlingskauz, Waldkauz und Uhu. Der Waldkauz ist die mit Abstand häufigste Eulenart, die zweithäufigste ist die Waldohreule, auch in Stormarn. Im Kreisgebiet haben es die Eulen allerdings schwer, Fuß zu fassen. So kommen hier keine Steinkäuze vor, weil die Landschaft nicht steinkauzgerecht ist. Die kleine Eule bevorzugt nämlich ein Landschaftsmosaik, das bei uns immer seltener geworden ist: offene und grünlandreiche Landschaften mit ganzjährig kurzer Vegetation. Auch die hübsche und auffällige Schleiereule ist in Stormarn heimisch, die hier vom Artenschutzprogramm des Landesverbandes Eulen-Schutz profitiert. Dennoch setzte sich 2013 der seit fünf Jahren anhaltende Abwärtstrend der Brutpopulationen fort. In Stormarn konnten 2013 jedenfalls keine Bruten und Jungvögel registriert werden. Verantwortlich dafür ist auch ein flächenhaftes Zusammenbrechen des Bestandes der Feldmaus, das Hauptbeutetier der Schleiereule. Die Mäusepopulationen scheinen hier also ebenfalls auf dem Rückzug zu sein.

Außerdem wurden in Stormarn acht Uhubrutpaare registriert, die allerdings später als sonst ihre Eier legten. Es gab nur wenige ausgeflogene Jungvögel und wenig Depotbeute bei den Nestern, was auf Nahrungsmangel schließen lässt. Die Hauptbeute des Uhus sind Mäuse und Ratten, aber auch Vögel und geschwächte Hasen, Kaninchen und Igel. So wurden Uhus im Grabauer Glockenturm, in Travenbrück, Reinbek (Großkoppel und Hahnenkoppel), Steinburg und Lütjensee beobachtet. „Der Uhu hat es schwer in Stormarn. Die Nahrungsverfügbarkeit der Eulen hat in den vergangenen Jahren auch durch zu starke Bepflanzungen, wie Mais, Raps und Getreide, abgenommen“, kritisiert Dirk-Peter Meckel, seit zwölf Jahren stellvertretender Vorsitzender und Projektleiter des Landesverbandes Eulen-Schutz. Für ihn ist ein Hauptgrund des Rückgangs der Eulen der Wandel in der Landwirtschaft, denn immer mehr Dauergrünland, also Wiesen und Weiden, würden bei uns umgebrochen. Das kann Peter Koll allerdings nicht bestätigen. In Stormarn sei zwar der Anbau von Silomais auf dem Vormarsch, dafür werde aber in der Regel kein Dauergrünland umgepflügt. „Seit Mai 2008 haben wir das Dauergrünlanderhaltungsgesetz. Deshalb hat das Dauergrünland landesweit eher zugenommen“, betont der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Den Rückgang der Eulen führt Koll eher auf den letztjährigen harten und späten Winter zurück.

Das bestätigt auch Dirk-Peter Meckel. „Insgesamt war das vergangene Jahr für alle Eulenarten gleichermaßen zu kalt und zu nass und bot zu wenig Nahrung. Die Eulen begannen deshalb erst spät im Jahr mit der Brut, hatten nur wenige Eier, so dass entsprechend wenige Jungvögel groß gezogen werden konnten“, so der Experte. Viele Eulenpaare im Revier hätten deshalb überhaupt keinen Nachwuchs gehabt oder ihre Brut zu früh aufgegeben, so der Eulenschützer . Da die Jungen über einen längeren Zeitraum nacheinander schlüpfen, sind sie zunächst auch unterschiedlich groß. Nur in guten Jahren mit reichlichem Nahrungsangebot werden auch die kleinsten und schwächsten Eulen erwachsen.

Wenn die Nahrung, also die Mäuse, allerdings knapp wird, verhungern sie meist. „Leider war das Berichtsjahr 2013 weitgehend schlecht. Die Hauptbeute der Eulen, die Wühlmäuse, waren kaum vorhanden. In der modernen Landwirtschaft ist nur wenig Platz für unsere Eulen“, kritisiert Dirk-Peter Meckel.

Am 12. Februar kommt der Eulenexperte nach Bad Oldesloe und hält um 19.30 Uhr im Bürgerhaus einen interessanten Bildervortrag über unsere heimischen Eulen (siehe Infokasten).

Weitere Infos gibt es auch im Internet unter www.eulen.de.















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