„Es war oft sehr laut in der Wohnung ...“

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04. Mai 2015, 10:50 Uhr

Mit einem Freispruch konnte ein 43-Jähriger, der in Bad Oldesloe wohnt, das Gericht verlassen. Er war vor dem Schöffengericht Ahrensburg angeklagt, seine damalige Ehefrau in zwei Fällen sexuell genötigt und misshandelt zu haben. Seit November ist das Paar geschieden.

Die Vorfälle sollen sich Mitte Februar 2013 in der ehelichen Wohnung in einem Hochhaus in Bahnhofsnähe zugetragen haben. Laut Anklage soll der Mann zweimal versucht haben, seine Frau mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr zu zwingen. Sie habe sich befreien und in ihrem Schlafzimmer einschließen können. Als sie das Zimmer verließ, sei der Mann erneut übergriffig geworden, sie habe ihn gebissen und Kratzwunden zugefügt. Schließlich habe sie ins Treppenhaus flüchten und die Polizei rufen können.

Vor Gericht verweigert die Frau als Zeugin die Aussage. Der Angeklagte vermeidet jeden Blickkontakt zu ihr. „Ich mag nicht mehr aussagen, wurde schon gefilmt und befragt“, sagt sie, „hier sind auch so viele Männer im Saal.“ Sie möchte auch nicht ihre Anschrift oder Wohnort erwähnen.

Der Ex-Mann bestreitet die Vorwürfe. Er sei am Tag vor der Tat bei seinem Onkel in Pinneberg gewesen und erst Stunden nach dem ersten Tatvorwurf zurückgekehrt. „Aus Pinneberg habe ich lange mit ihr telefoniert“, sagt er aus, „dabei war sie sehr freundlich.“ Er habe deshalb gehofft, die Beziehung mit ihr noch retten zu können.

Als er am folgenden Tag zurückkehrte, habe sie sich von ihm umarmen lassen. Plötzlich sei ihre Stimmung gekippt und sie habe ihn abgewehrt. „Vielleicht habe ich etwas gesagt, was ihr nicht gefiel“, mutmaßt er.

Fast täglich habe es in den vergangenen Monaten Streit gegeben. Das bestätigt auch eine Nachbarin als Zeugin – wie das einstige Paar eine Übersiedlerin aus der früheren Sowjetunion: „Es war oft sehr laut in der Wohnung.“ Doch auch ihre Aussagen sind widersprüchlich. Zunächst behauptet sie, sie habe den Mann um die Reparatur ihrer Nähmaschine bitten wollen, ihn aber nicht angetroffen. Nach Vorhalt früherer Aussagen bei der Polizei räumt sie ein, den Angeklagten doch getroffen zu haben. „Ich habe wieder Lärm aus der Nachbarwohnung gehört und wollte der Frau helfen.“

Die Zeugenaussagen seien von schlechter Qualität und kurios, „sie stimmen mit den Vorwürfen nicht überein“, stellt der Richter fest. Auch die Staatsanwältin sieht das so: „Die Angaben sind zu nebulös und widersprüchlich.“ Maßgeblich habe auch die Aussageverweigerung der Ex-Frau vor Gericht dazu beigetragen. So lautet das Urteil: Freispruch.

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