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Reinfeld : „Es sind so liebenswerte Menschen“

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Initiative „Reinfelder Bürger für Menschen im Asyl“ eröffnete das „Café der Kulturen“ in der DRK-Begegnungsstätte

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2015 | 13:50 Uhr

„Er ist wie ein Adoptivsohn für mich“, strahlt Ilse Möller und nimmt Abam Adham fest in ihre Arme. Der 34-jährige syrische Flüchtling strahlt zurück. Gemeinsam mit seiner „Mutter“, wie er Ilse Möller liebevoll nennt, gibt er im neuen Café der Kulturen der Initiative „Reinfelder Bürger für Menschen im Asyl“ Kaffee und Kuchen aus. „Ich helfe gern. So kann ich von all der Freundlichkeit etwas zurückgeben“, sagt er.

Vier Monate ist der Syrer in der Karpfenstadt und mit neun weiteren jungen Männern in einem Haus Am Zuschlag untergebracht. Sein Deutsch ist schon ganz annehmbar dank der Sprachpaten in Reinfeld. „Das Schöne ist, dass seine Frau und sein Kind Anfang Dezember über den Libanon nachkommen können“, so Möller. Es müsse nur noch ein endloser Papierkram erledigt werden. Der gelernte Restaurantmanager wartet auf einen Platz im Deutschkurs in Bad Oldesloe, will alles tun, um sich hier schnell zu integrieren.

„Er hat gute Chancen“, blickt seine „Ziehmutter“ positiv in die Zukunft. Man müsse einfach helfen, das sei eine Selbstverständlichkeit: „Und es ist auch hier in Reinfeld mit noch wesentlich mehr Flüchtlingen zu rechnen.“ Zur Zeit leben 70 – meist syrische Asylbewerber – in der Karpfenstadt. Alle sind in Wohnheimen und von der Stadt angemieteten Wohnungen und Häusern untergebracht.

Noch nicht ganz so gut eingelebt hat sich der syrische Flüchtling Mohamad. Der 25-jährige Jurastudent hat eine lange, zermürbende und teilweise gefährliche Flucht hinter sich und ist erst vor wenigen Tagen angekommen. Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien flüchtete er mit zwei weiteren Syrern nach Deutschland. In Tschechien wurde er zwei Monate lang im Gefängnis festgehalten, bis er schließlich in einer Erstaufnahme in Mecklenburg landete. Durch Tarek, seinen Freund aus Syrien, konnte er nach Reinfeld vermittelt werden. Dieser lebt schon seit einigen Monaten in der Karpfenstadt. In Syrien lässt Mohamad Vater und Mutter sowie drei Schwestern zurück. Für sie sei die Flucht zu gefährlich. Wenn, dann müssten sie mit dem Flugzeug nachgeholt werden. „Ich fühle mich hier sehr wohl, alle sind so herzlich hier“, sagt Mohamad auf Englisch. „Danke“ und „Bitte“ kann er schon auf Deutsch sagen.

Elke Dallmer, eine von 24 Sprachpatinnen sowie Unterstützerin der Asyl-Initiative, nimmt Mohamad und Tarek in den Arm: „Es sind so liebenswerte Menschen, so als wären es meine eigenen Kinder.“ Man bekomme das, was man gebe, hundertfach zurück. Eigentlich wollte die 74-Jährige etwas kürzer treten. „Aber dann habe ich die Massen gesehen, die hier ankamen und Hilfe brauchten, und ich habe weitergemacht“, sagt Dallmer. Im Urlaub wollten ihre Schützlinge sie sogar als „Bodyguards“ begleiten. „Sie sind froh, wenn sie ein wenig Hilfe zurückgeben können“, sagt sie. Viele Flüchtlinge seien traumatisiert, bräuchten viel menschliche Wärme. Es zerreiße einem fast das Herz, wenn aus dem Kriegsgebiet ein syrischer Junge am Telefon frage: „Papa, wo bist du?“

Die Hilfe aus der Bevölkerung sei riesig, sagt Sprachpatin Marina Struck und bedankt sich für die vielen Fahrrad-Spenden. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen ist die Asyl-Initiative über weitere Ehrenamtliche dankbar. Interessierte können sich bei Albrecht Werner unter 0171 / 533 79 84 oder albrecht-werner@hamburg.de melden.

>Das „Café der Kulturen“ hat immer montags von 15 bis 17 Uhr in der DRK-Begegnungsstätte, Lokfelder Straße 4, geöffnet. Gäste aller Kulturen sind herzlich willkommen.

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