zur Navigation springen

Bad Oldesloe : Es muss noch viel renoviert werden

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Oldesloer Bauausschuss nimmt das ehemalige Schwesternwohnheim in Augenschein, das künftig Flüchtlinge beherbergen soll. In dem Gebäude muss viel gemacht werden.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2015 | 11:30 Uhr

Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Albanien, Irak, Armenien, Jemen und Afghanistan – aktuell erreichen ungefähr zehn Flüchtlinge pro Woche Bad Oldesloe. Ab diesem Monat wird die Zuteilung nicht mehr wöchentlich, sondern täglich erfolgen, und pro Woche werden es dann bis zu 20 Flüchtlinge sein, die in der Kreisstadt Zuflucht suchen. Sie alle müssen untergebracht werden. „Momentan ist es noch so, dass wir sehr viele Wohnungen angeboten bekommen. So viele, dass wir teilweise als Verwaltung nicht mit den Besichtigungen nachkommen“, sagte Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak im Bau- und Planungsausschuss. Aber diese Wohnungen seien vor allem für Familien geeignet. Für einzelne Flüchtlinge Unterkunft zu finden, sei schwierig. Oft müsse man spontan Lösungen finden. „Daher sind auch bereits in der ehemaligen Kurparkschule zwanzig Flüchtlinge untergebracht.“

„Wir müssen uns von der dezentralen Unterbringung verabschieden. Mittelfristig müssen wir nach zentralen Unterbringungen suchen. Langfristig ist geplant, sozialverträglichen Wohnraum neu auf städtischen Grundstücken zu schaffen“, so Bauamtsleiter Thilo Scheuber.

Für eine zentrale Unterbringung haben Verwaltung und Politik das ehemalige Schwesternwohnheim der Asklepios-Klinik im Auge. Asklepios zeigt Bereitschaft, der Kreis muss noch zustimmen. Jetzt fand eine Begehung des Gebäudes statt. Dabei zeigte sich, dass der Bau von der Grundsubstanz her in einem durchschnittlichen Gesamtzustand ist. „Wir können natürlich nicht in die Wände hineinschauen. Es kann gut sein, dass viele elektrische Leitungen ausgetauscht werden müssen. Außerdem müssen die sanitären Anlagen komplett saniert, die Wasserleitungen müssen überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Es wird hier mit Trinkwasser umgegangen und da haben sich seit dem Bau die Auflagen deutlich erhöht“, so Architekt Frank Prick van Wely, der das Gebäude für die Stadt herrichten soll.

Aber: Graffiti, zertretene Möbelstücke, eingeschlagene Spiegel, eingetretene Türen, zerstörte Lampen und ähnliche Spuren von Vandalismus prägen das Bild in fast jedem Raum. An einigen Stellen hat Feuchtigkeit für Schimmel gesorgt, mehrere Heizungen sind im Winter eingefroren und dadurch geplatzt. Im Übergang zwischen den zwei Hauptgebäuden ist die Decke durch eindringendes Regenwasser heruntergekommen.

Klar ist: Ein Bezug noch in diesem Jahr wird auf Grund der Menge der Schäden nicht möglich sein. Die Hoffnung, dass man quasi nur die Türen aufschließen müsse und bezugsfertige Wohnungen für Flüchtlinge habe, trügt. Allerdings sahen sich die Ausschussmitglieder darin bestätigt, dass das Gebäude geeignet ist. „Natürlich sind ein paar Schäden zu beheben. Aber das ist alles möglich. Aus meiner Sicht ist der generelle Zustand gut“, so Horst Möller (CDU).

Wilfried Janson (Grüne) hofft, dass man bei den geschätzten Kosten „nicht übertreiben wird“. Manche oberflächlich entdeckten Schäden könnten relativ einfach behoben werden. „Zum Beispiel die kaputte Decke im Übergang. Da kommt etwas neue Dachpappe rauf, dann ist das erstmal wieder dicht“, zeigte er sich pragmatisch bei der Begehung.

Die Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) zeigte sich verwundert über den Zustand. Sie frage sich, wie es in einer Stadt, die dringend Bedarf an sozial verträglichen und finanzierbaren Wohnungen habe, überhaupt passieren konnte, dass ein so gut als Wohnraum geeignetes Gebäude zwei Jahre leer stehen konnte: „Da müssen wir Lokalpolitiker uns an die eigene Nasen fassen. Warum haben wir da nicht früher genauer hingeschaut?“, so Hermann: „Ich möchte überprüfen lassen, ob das Gebäude überhaupt nach den momentan geplanten fünf Jahren als Flüchtlingsunterkunft wieder an Asklepios zurückgeht. Allgemein wird der eigentliche Zweck als Wohnheim oder Schulungsgebäude durch die Klinik nicht mehr erfüllt. Ich sehe es nicht, dass wir als Stadt da jetzt in die Hardware investieren und das Gebäude dann einfach wieder an Asklepios geht. “

Sollte sich in der Zeit bis die neue Unterkunft bezugsfertig ist, die Situation verschärfen, würden auch andere Optionen wie die Sporthallen der Stadt in Frage kommen, erklärte Sobczak auf Nachfrage. Lob für das Management der Flüchtlingssituation durch Scheuber und Sobczak gab es von Uwe Rädisch (CDU): „Im Namen der Fraktion möchte ich mich bedanken und Respekt aussprechen, wie professionell das hier gehandhabt wird.“Auch di ePolitiker der übrigen Fraktionen stimmten in dieses Lob ein.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen