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Ahrensburg : „Es ist nicht zu spät, um daraus zu lernen“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

500 Seiten Bericht einer Expertenkommission zum Thema Missbrauch.

500 Seiten umfasst der Bericht einer Expertenkommission zum Thema Missbrauch in der Ahrensburger Kirchengemeinde. Mitglieder der Mahnwache und Initiative das Konvolut übergaben ihn an Bürgermeister Michael Sarach. Dabei stellte sich heraus, dass sich die politischen Gremien in Ahrensburg bisher nicht mit diesem Thema beschäftigt haben.

„Das ist spät, aber nicht zu spät, um daraus zu lernen“, sagte Sarach. Die Verwaltung werde sich intensiv mit dem Bericht beschäftigen und auch die Stadtverordneten informieren und in die Diskussion einbinden. Möglicherweise werde der Bericht auch ins Internet gestellt. „Es ist ein schmerzhafter Prozess“, so Sarach, „wir müssen akzeptieren, dass es diese Phänomene gibt und müssen in Zukunft wachsam sein.“ Der Bericht sei ein wesentlicher Baustein für eine zukünftige Prävention.

„Das Jugendamt sollte auf jeden Fall einen Blick auf den Bericht werfen“, sagt Anselm Kohn von der Initiative gegen Missbrauch. Beim ersten Gespräch dort habe er eher Reserviertheit erlebt. Die Mitglieder der Kommission seien bereit, in Ahrensburg Rede und Antwort zu stehen. Ungeklärt sei bisher die Rolle zweier Schulen, an denen Täter Religionsunterricht erteilten. Damit hätten sie Zugriff auf weitere potenzielle Opfer gehabt. „Der Fall geht quer durch die Gesellschaft, alle Stadtteile Ahrensburgs sind davon betroffen.“

„Die Schulen haben von vornherein jede Stellungnahme vermieden“, kritisiert Wolfgang Meichßner, „obwohl die Täter in deren Jahrbüchern für ihre gute pädagogische Arbeit gelobt wurden.“ Er hoffe, dass die Fachabteilungen der Verwaltung aus dem Bericht lernten und in Zukunft aufmerksamer mit dem Thema umgingen: „Die Prävention muss für die Zukunft unserer Kinder verbessert werden.“ Der Bericht sei ein Startsignal dafür.

Bürgermeister Sarach mahnt aber auch zu Sensibilität und sorgsamem Umgang mit dem Thema: „Es darf sich kein Denunziantentum entwickeln. Das Schlimmste wäre, wenn jemand zu Unrecht beschuldigt würde.“ Wichtig seien auch Anlaufstellen für die Opfer, sagt Anselm Kohn: „Die Budgets für die Beratungsstellen sind entscheidend, sie sollten besser gefördert werden.“ Das Grundproblem sei die Vereinzelung der Opfer, die sich oft zunehmend abkapselten.

„Damit die Betroffenen ihre Hemmschwelle überwinden, brauchen wir ein engeres Netzwerk auch für die Ersthilfe vor Ort“, so Meichßner. Die Anlaufstelle „Wendepunkt“ in Elmshorn reiche dafür nicht aus. „Die Opferhilfe Hamburg schickt Betroffene aus Ahrensburg wieder weg, weil sie nicht zuständig sei“, so Anselm Kohn von der Initiative gegen Missbrauch. Hier müsse ein Transfer ermöglicht werden.

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