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Arbeit mit viel Herzblut : Es geht um das Menschenbild

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Seit über 20 Jahren ist Thomas Helbing als Bildhauer tätig und betreibt in seinem Reinfelder Atelier eine Bildhauerschule.

Hier sieht es nach Arbeit mit viel Herzblut aus: Beim Betreten des großzügigen Ateliers von Bildhauer Thomas Helbing (56) in der Scheune seines Privathauses begrüßt eine riesige Plastik mit dem Namen „Surfende Shiva“ den Besucher. Landrat Klaus Plöger, Dr. Katharina Schlüter und Sparkassenvorstand Dr. Martin Lüdiger begutachten das Kunstwerk von allen Seiten. Sie machen sich ein Bild von den Arbeiten des renommierten Bildhauers, der seine Werke in diversen Galerien, aber auch bei den Offenen Ateliers und beim inzwischen schon legendären Kunsthandfest in Barnitz ausstellt. Trotz „wenig fachlicher Ahnung“ – wie Landrat Plöger einräumt – sei er beeindruckt und beobachte mit „großer Freude“ die Entwicklung Stormarner Künstler.

Thomas Helbing fertigte die „Surfende Shiva“ 2004 für ein Ärztezentrum in Flensburg und ließ sich vom weiblichen Prinzip dazu inspirieren. Die sechsarmige indische Göttin symbolisiert, dass Frauen – so sieht es jedenfalls der Künstler – mehr als Männer in der Lage sind, sich aus schwierigen Situationen zu befreien, mehr ertragen können und nicht so wie viele Männer, immer mit dem Kopf durch die Wand wollen.

Das Pendant zu diesem Werk ist die Plastik „Drei Männer in einem Boot“. „Was passiert, wenn drei Männer ein Boot steuern wollen?“, fragt Helbing, „Sie hauen sich die Köpfe ein.“ Obwohl nicht beabsichtigt, erhält die Plastik durch die Flüchtlingsproblematik eine neue, aktuelle Brisanz.

Thomas Helbings bildhauerisches Arbeiten beginnt mit der Idee, kleinen Texten, Zeichnungen, die später langsam in eine Plastik umgewandelt werden. „Das Thema, das ich mir vornehme, ist zuerst Literatur“, sagt Helbing, der nach einer Ausbildung zum Steinmetz Kunstgeschichte und anschließend an der Münchner Akademie für Bildende Künste Bildhauerei studierte. „Mit 35 Jahren war ich fertig und habe mich als Bildhauer wieder in meiner alten Heimat niedergelassen“, erzählt er. Hier gebe es genügend Findlinge und Backstein zum Arbeiten. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er hauptsächlich durch Auftragsarbeiten wie zur Zeit die Entwürfe für einen Stein an der Salzquelle im Oldesloer Kurpark. Zehn bis 20 Entwürfe reicht er ein, mit der Hoffnung, dass er sich gegen die Konkurrenz durchsetzen kann.

„Die Menschen sollen sich mit meiner Kunst auseinander setzen, sie sollen damit leben“, sagt Helbing. Sie müssten seine Werke nicht unbedingt mögen, sondern sich ihre eigenen Gedanken machen.

Neben dem Arbeiten nach öffentlichen Vorgaben lässt er sich immer wieder durch eigene Erlebnisse, Emotionen, andere Menschen und deren Schicksale inspirieren. „Meine Arbeitsschwerpunkte sind abhängig vom Ort und der Art des Auftrags. Im freien Arbeiten ist mein Hauptfeld das Menschenbild“, erklärt der Künstler. Menschenbilder, Mythen der Antike und Sehgewohnheiten, wie er es nennt, inspirieren ihn immer wieder aufs Neue. So veranlasste ihn seine Zeit als Leistungsschwimmer zu der Figurengruppe „Schwimmer“ , die den Sportler kurz vor dem Start in unterschiedlichen Positionen zeigt. Die Konzentration und Anspannung vor dem Sprung ins Wasser, das habe ihn ein Leben lang begleitet.

Kleinere Bronze-Figuren mit den Namen „Etüden“, „Faust“ oder „Faun“ finden eindrucksvoll unter einer Glasglocke einen adäquaten Rahmen. „Die lassen sich vor allem in Galerien sehr gut verkaufen“, so Helbing. Einige Werke bleiben aber auch im Atelier: „Damit bin ich aufgrund von einschneidenden Erlebnissen so verwachsen, dass ich sie nicht weggeben kann.“

 

 

>Weitere Informationen, auch über die Bildhauerschule von Thomas Helbing, finden Interessierte im Internet unter www.thhelbing.de.

 

 

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erstellt am 13.Sep.2015 | 10:38 Uhr

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