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Stormarner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 07:59 Uhr

Ahrensburg : Erster Tag im Feuerteufel-Prozess

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gut ein Jahr lang brannten immer wieder Strohballen, Autos und Container in Stormarn. Die mutmaßlichen Täter hielten Feuerwehr und Polizei in Atem. Seit Dienstag stehen vier vom Dienst suspendierte Feuerwehrleute vor Gericht.

Mit einem großen Medienaufgebot begann gestern der Prozess gegen die mutmaßlichen Brandstifter, die ehemals aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde kamen. Vier junge Männer müssen sich dafür vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Stellung dazu nahm aber nur ein 22-Jähriger auf Anraten seines Anwalts. Die übrigen drei Angeklagten (alle 20 Jahre alt) schweigen bisher.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen neun Taten vor. Zum großen Teil wurden sie von Auftragsbrandstiftern ausgeführt. „Nach den ersten Taten hatten wir bereits Vorladungen von der Polizei bekommen“, sagt der 22-Jährige, „deshalb hatten wir Angst vor den Ermittlungen.“ Darum heuerten sie zwei Mittäter an, die für jede Brandstiftung 50 Euro erhalten sollten. Das Quartett wurde darüber rechtzeitig informiert, damit sich die Männer ein Alibi für die Tatzeit verschaffen konnten. Die Mittäter wurden bereits verurteilt und verbüßen jetzt Haftstrafen von zwei Jahren und einem Jahr und zehn Monaten.

Das Motiv für die Vier war Geltungssucht. Die Angeklagten wollten sich vor Kameraden bei Löscheinsätzen hervortun. Das erste Feuer habe er allein gelegt, gibt der 22-Jährige zu. Er sei damals arbeitslos gewesen. „Ich hatte auch schlechte Laune, weil ich mich von den anderen nicht anerkannt fühlte.“ Auf dem Heimweg habe er deshalb seinen Roller an einer Strohmiete angehalten und sie mit Grillanzündern in Brand gesteckt. Es sei eine spontane Kurzschlussreaktion gewesen. Danach habe er sich aber nicht besser gefühlt. Bei diesem Brand gingen 800 Strohballen in Flammen auf, der Sachschaden beträgt 31  000 Euro.

Woher er die Anzünder hatte, will der Staatsanwalt wissen. „Die hatte ich zufällig im Roller dabei.“ Er kam aus einer anderen Wehr und wechselte nach Ahrensfelde. „Ich hatte gehört, dass dort nette Leute mitarbeiten.“ Mit zweien seiner Mittäter habe er viel Zeit verbracht, den dritten erst später kennengelernt.

Einem der beiden Mittäter habe er von seiner Brandstiftung erzählt. „Er fand das cool und bot mir an, weitere Brände zu legen.“ Nach einem weiteren Treffen ging der ans Werk. „Er fragte, wo es eine Strohmiete gibt, mein Stiefbruder hat ihn mit dem Auto hingefahren.“ Das war im Januar 2014. Die Ahrensfelder Wehr rückte darauf zum Löscheinsatz aus. Danach saßen die Vier in der Wache zusammen und der 22-Jährige berichtete ihnen von seiner Absprache.

Das Honorar habe er sich mit einem Kollegen geteilt. Jeder gab 25 Euro im Voraus dafür. Wenn der Mittäter einen Brand plante, informierte er die Angeklagten rechtzeitig. „Er hat uns einen Smiley mit der Uhrzeit aufs Handy geschickt.“

Landwirt Hans-Jürgen Wriggers hatte schon frühzeitig Verdacht gegen die Vier geschöpft. Bei einem Einsatz seien sie total überdreht gewesen. „Ich merkte, dass etwas mit ihnen nicht stimmte. Nach dem ersten Brand habe ich sie gefragt, wo sie zur Tatzeit waren.“ Sie hätten übereinstimmend gesagt, sie seien im Volksdorfer Schwimmbad gewesen. „Meine Mutter fährt dort öfter hin“, sagt er aus, „zu dieser Zeit war das Bad drei Monate geschlossen.“ Das habe er der Polizei mitgeteilt, die habe nicht reagiert. „Es wurde schlampig gearbeitet bei den Ermittlungen.“

Bei einem anderen geschädigten Landwirt hatten zwei der Angeklagten ein einjähriges Praktikum absolviert. „Da hatte ich einen positiven Eindruck von ihnen“, sagt er aus. Der angestiftete Mittäter wird in Handschellen vorgeführt. Der 18-Jährige hat viele Erinnerungslücken. Er habe beobachtet, wie sein Komplize eine Strohmiete anzündete. Auf seine Frage warum, habe der zunächst nicht geantwortet. „Er sagte mir später, dass er dafür Geld bekommt.“

Er kannte einen Angeklagten, die anderen nur flüchtig. Er selbst habe nie Geld für seine Brandstiftungen bekommen. Einer der schweigenden Angeklagten hatte ihm einen Kassiber zugeschoben, der im Knast beschlagnahmt wurde. „Ich bin dein Tatgenosse“, heißt es darin. „Ich sollte aussagen, dass er nichts damit zu tun hat“, sagt der Zeuge. Zur letzten Tat im Oktober 2014 habe ihn sein Komplize per Auto abgeholt. „Auf der Mittelkonsole stand eine Cola-Flasche mit Benzin.“ Damit habe er dann zwei Mieten in Brand gesetzt. Sein Mittäter habe ihn dazu überredet. Nach langwierigen Ermittlungen füllen die Akten einen ganzen Umzugskarton. Der zweite Inhaftierte konnte gestern wegen fortgeschrittener Zeit nicht mehr aussagen. Das soll am 2. November folgen, wenn der Prozess fortgesetzt wird.

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