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Ahrensburg : Erst kommt die Bürokratie, dann Geld für die Sanierung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Um Mittel für die Rathaus-Sanierung zu erhalten, muss Ahrensburg erstmal ein Nutzungskonzept vorlegen.

„Zugegeben, wir hatten uns das etwas einfacher vorgestellt“, sagt Achim Keizer. Der Leiter des städtischen Fachdienstes Zentrale Gebäudewirtschaft meint damit die bürokratischen Hürden, die vor einer finanziellen Förderung der Rathaus-Sanierung stehen. Es reicht beileibe nicht, dass die Verwaltung seit mehr als 45 Jahren in dem mittlerweile denkmalgeschützten Gebäude residiert, es braucht ein dezidiertes Nutzungskonzept und die Erklärung der Stadt, dass das Gebäude auch in den kommenden Jahrzehnten als Rathaus genutzt wird. Erst dann fließen die Mittel aus dem Denkmalschutz-Topf der Städtebauförderung.

In Ahrensburg geht es um rund 4,4 Millionen Euro. Den Rest der geschätzten 6,5 Millionen Euro Kosten für die Rathaussanierung muss die Stadt tragen. Das Nutzungskonzept soll bis Ende Februar vorliegen. Das wird dann in Kiel bei der Zentralen Gebäudewirtschaft Schleswig-Holstein geprüft. Das könne allerdings, so das Signal aus der Landeshauptstadt, rund drei Monate in Anspruch nehmen.

„Erst wenn wir grünes Licht haben, können wir mit den Ausschreibungen starten“, sagt Keizer. Er geht nicht davon aus, dass es vor dem Herbst dieses Jahres konkrete Bautätigkeiten gibt. Insgesamt soll die Sanierung rund zweieinhalb Jahre dauern.

Eine der ersten Maßnahmen wird der Bau einer neuen Fluchttreppe an der Rathaus-Rückseite sein, da der Brandschutz eine entscheidende Rolle der Sanierung spielt. Dafür müssen auch die beiden Aufzüge erneuert werden, da die vorhandenen Fahrstuhlschächte den Rauch bis in das sechste Obergeschoss ziehen lassen würden.

Eine Besonderheit bei der Fluchttreppe ist, dass die Stahl-Konstruktion nicht an der Fassade befestigt wird. „Ganz im Sinne des Denkmalschutzes“, sagt Achim Keizer, „die Befestigungen werden durch die Fensterrahmen nach innen geführt, die Fassadenplatten aus Kiesbeton werden nicht durchbohrt.“ Gleichzeitig lobt er die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz, „die Gespräche waren immer sachlich und konstruktiv.“

Der Schwarz-Weiß-Kontrast, vor allem im Foyer noch sichtbar, soll wieder deutlich zu Tage treten. Wände, die im Laufe der Zeit „ergraut“ sind, werden wieder schwarz. Eine für Besucher nicht sichtbare Neuerung betrifft den riesigen Kronleuchter im Foyer – der kann künftig mit einer elektrischen Seilwinde zur Wartung herabgelassen werden. Noch muss es von Hand gekurbelt werden.

Das im Jahr 1970 nach dem Entwurf des Architekten Karl-Heinz Scheuermann eingeweihte Rathaus befindet sich bis auf kleine Mängel in einem hervorragenden Zustand. Die Befestigungen der Fassadenplatten sind aus Edelstahl, die Betonplatten mit ihrer Oberfläche aus italienischem Marmorkiesel zeigen keine Schäden. Lediglich auf der energetischen Seite gibt es Nachholbedarf: Sämtliche Fensterscheiben werden erneuert (nicht die Rahmen), in den Büros werden die Wände hinter den Kabelkästen besser gedämmt. Restauriert wird auch das Fries „Die vier Lebensalter“ über dem Haupteingang, das an den schmalen Seiten Darstellungen des Schlosses und der Gottesbuden zeigt.

Durch das Nutzungskonzept haben sich zudem neue Erkenntnisse ergeben. Die Infothek im Foyer soll wieder ganz nach vorne rücken. Das Sozialamt soll in das Erdgeschoss ziehen, ein neues Wegweisersystem soll die Orientierung im Rathaus erleichtern. Bürgermeister Michael Sarach muss nicht umziehen, für die Sanierung werden aber Ersatzbüros gebraucht. In der kommenden Woche werden an der Südwestseite des Rathauses sechs Bürocontainer aufgestellt.

Wenn das Rathaus komplett eingerüstet ist, müssen sich auch die Mauersegler neu orientieren. An der südlichen Fassadenseite befindet sich laut ornithologischem Gutachten die zweitgrößte Brutstätte in Schleswig-Holstein. Die Ahrensburger Mauersegler quartieren sich zwischen Mai und August in den Nischen der Sonnenschutzanlagen ein. Auflage des Gutachtens: 50 Brutkästen müssen an der Außenseite des Gerüstes befestigt werden.

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