zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 02:33 Uhr

Stormarn : Ernte gut – alles gut?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

So lange das Wetter hält, sind die Bauern wie hier Landwirt Weber im Dauerstress. Nach dem nasskalten Sommer wollen sie möglichst viel Getreide dreschen, um keine weiteren Ertrags- und Qualitätseinbußen zu riskieren.

Nach dem nasskalten Wetter dieses Sommers nutzten die Landwirte das fast trockene Wetter der vergangenen Tage für Ernte-Großeinsätze. Wo immer möglich, waren und sind die Mähdrescher im 24-Stunden-Betrieb, um möglichst viele Feldfrüchte vom Acker zu holen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Weil es lange und viel geregnet hat, sind die Böden zum Teil so matschig, dass die schweren Maschinen einsinken.

„Die Wetterbedingungen zehren in diesem Jahr etwas an den Nerven. Alle Bauern sind kribbelig“, sagt Werner Schwarz aus Retwisch, Vorsitzender des Landesbauernverbands. Sommergerste ist weitgehend abgeerntet, vom Raps ist vielleicht die Hälfte eingefahren, beim Weizen, der am häufigsten in Stormarn angebauten Getreideart, sind bislang nur einzelne Bestände geerntet. Aussagen über Mengen und Qualität sind schwierig, da sie regional sehr unterschiedlich ausfallen. „Gerste ist bei mir besser als letztes Jahr, aber schlechter als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Insgesamt ist die Gerstenernte aber wohl nicht so schlecht ausgefallen“, sagt Hans-Joachim Wendt, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Stormarn.

Beim Raps ist der Grabauer mit Erträgen und Qualität zufrieden, „aber ich höre von Kollegen auch von schlechteren Ergebnissen als im Vorjahr“, so Wendt. Generell scheint die Rapsernte im Norden zumindest besser als im Rest der Republik auszufallen.

Weizen wurde noch zu wenig vom Feld geholt, um die Erträge zu beurteilen. Bei der Pflanze, die am häufigsten in Stormarn angebaut wird, ist die Qualität aber besonders entscheidend. Wenn er nicht zum Brotbacken geeignet ist, drohen große Abschläge. „Je länger er nass ist, desto schlechter wird die Qualität“, sagt Schwarz, „manche holen den Weizen in diesem Jahr deshalb vor dem Raps von den Feldern, weil der weniger verliert, wenn er feucht ist.“ Angesichts drohender Qualitätsverluste nehmen die Bauern die höheren Trocknungskosten in Kauf.

Bei den Preisen steht zurzeit der besser da, der bereist die Pflanzen auf dem Feld verkauft hat. Weil in Russland und der Ukraine gute Weizenernten erwartet werden, sind die Preise gefallen. „Die Prognosen sind aber widersprüchlich. Wir hoffen, dass die Preise zum Jahresende noch mal anziehen“, sagt Schwarz. Auch die Experten raten dazu, mit einem Verkauf zu warten. Zwar würde weltweit mehr Weizen geerntet als 2016, die Nachfrage steige aber noch stärker. Die Rabobank sagte laut agrarmarkt-aktuell.de 177 Euro pro Tonne an der Pariser Matif voraus.

Beim Raps geht das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) von einer globalen Rekordernte von 72,4 Millionen Tonnen aus, ein Plus von 4,7 Prozent. Gleichzeitig sagen sie beim Verbrauch aber einen Anstieg auf 72,7 Millionen Tonnen aus. In der EU erwartet die Kommission eine Ernte von 21,7 Millionen Tonnen, gut zehn Prozent mehr als im – schwachen – Vorjahr. Bei Vorhersagen zur Preisentwicklung gehen die Meinungen auseinander. „Die Mengen sind zwar knapp, aber wir haben weltweit hohe Soja-Vorräte, was sich auf den Raps-Preis auswirkt“, sagt Schwarz. Landwirte mit guten Nerven können auf einen Anstieg zum Jahresende hoffen.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Aug.2017 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen