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Bad Oldesloe greift Trend auf : „Ernte deine Stadt!“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Oldesloer Stadtbibliothek zeigt sich von ihrer grünen Seite und will anregen: „Urban Gardening“ für ein besseres Klima.

Auf Fensterbrettern, Balkonen und Terrassen blühen Tomaten, Zucchini oder sogar Melonen. Nahrungsmittel im eigenen Zuhause anbauen – das ist nicht nur lecker, sondern auch gut für das grüne Klima in einer Stadt. So sieht es jedenfalls die Idee vor, die sich hinter dem Begriff „Urban Gardening“ versteckt.

„Ich habe selbst bereits Tomaten, Kürbisse, Bohnen und Kartoffeln auf meinem Balkon gezogen“, erzählt Jens Geißler, Leiter der Oldesloer Stadtbibliothek. „Für meine Kinder und mich war es ein Erlebnis und es ist etwas ganz Besonderes, selbstgezogenes Gemüse zu kochen und zu essen.“

Jens Geißler folgt damit einem immer beliebter werdenden Trend. „Urban Gardening“, urbaner Gartenbau nennt sich das Konzept, bei dem die Nutzung von Wohn- wie auch Freiflächen in Klein- und Großstädten zum Obst- und Gemüseanbau im Vordergrund steht. Vorzeigeprojekte existieren bereits in Metropolen wie Berlin und Hamburg.

Um der Idee auch in Bad Oldesloe zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, hat die Stadtbibliothek gemeinsam mit Tim Schumann vom Stormarner Kreisarchiv eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Ernte deine Stadt“ organisiert. Diese beginnt am Montag, 20. April, mit einer Bücher- und Fotoausstellung im Eingangsbereich der Bibliothek rund um das Thema Stadtgärtnern. Präsentiert wird neben Fotografien von Pilotprojektgärten auch jede Menge Literatur mit nützlichen Tipps, Anleitungen und den Vorzügen des Urban Gardening. Im Bestand der Stadtbibliothek finden sich 70 verschiedene Werke dazu, etwa 30 wurden extra für die Reihe angeschafft. Die Ausstellung läuft bis zum 2. Mai.

Am Sonnabend, 25. April, findet dann der große Aktionstag statt. Um 15 Uhr hält die Urban-Gardening-Expertin Prof. Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen aus Berlin einen Lichtbildervortrag über „Das neue Gärtnern: Stadtgärtnern, interkulturelle Gärten, Urban Agriculture“. Im Anschluss finden mehrere Workshops und eine Pflanzenbörse statt. Dabei können die Teilnehmer lernen, wie sie bei sich daheim ganz einfach Kartoffeln im Jutesack ziehen können, was es bei Balkonbegrünung zu beachten gibt oder wie bei wenig Platz sogar in die Höhe gegärtnert werden kann.

Für Kinder bis zehn Jahre gibt es außerdem einen Wettbewerb „Die schnellste Bohne der Stadt“. Die kleinen Nachwuchsgärtner können ihre grünen Daumen beweisen oder trainieren, indem sie innerhalb von vier Wochen eine Feuerbohne hochziehen. Am Ende gewinnt derjenige, der ein Foto (mit darauf abgebildetem


















Lineal zum Nachweis) von der größten Bohne einreicht. Die Kinder lernen beim Workshop am 25. April, wie sie selber eine Blumentopfpresse herstellen können, um darin die Bohne zu züchten. Ab diesem Tag sind auch die Bücher zum Urban Gardening aus der Ausstellung ausleihbar.

Zum Thema Nachhaltigkeit lädt die Stadtbibliothek im Mai eine Klasse der benachbarten Stadtschule zu sich ein, um mit ihr ein Insektenhotel zu bauen, das hinterher auf dem Schulgelände aufgestellt wird.

Das Ziel der Stadtbibliothek und Tim Schumann ist es, Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen Anregungen anzustoßen, wie sich gemeinsam das Bild einer grünen Stadt verwirklichen lässt, an der auch nachfolgende Generationen sich erfreuen können. „Wenn wir als Bibliothek dazu beitragen, dass sich die Menschen mit dem Thema beschäftigen und vernetzen, ist das ein Erfolg für uns“, sagt Bibliothekar Jens Geißler. „Wir sind schon mächtig aufgeregt, wie unsere Aktion bei den Leuten ankommen wird.“

Dass ausgerechnet eine Bibliothek sich der Gärtnerei annimmt, findet Vorbild in vielen Städten Nord- und Südamerikas. Dort gibt es mehrere öffentliche Büchereien, die ihren Nutzern Grünflächen zur Verfügung stellen, um diese gemeinschaftlich zu gestalten. „Ich bin bei der Recherche für meine Masterarbeit auf das Thema gestoßen“, sagt Tim Schumann, der das Projekt der Stadtbibliothek betreut und begleitet. „Ich dachte mir, sowas kann hier in Deutschland auch funktionieren. Jetzt probieren wir es experimentell aus.“

Bei der Suche nach Sponsoren stieß die Stadtbibliothek mit ihrer Urban-Gardening-Idee auf offene Türen. Gefördert wird die Veranstaltungsreihe von der Münchener Stiftungsgemeinschaft Anstiftung & Ertomis, die sich auf Stadtgärtenprojekte spezialisiert, sowie von der Oldesloer Gladigau-Stiftung für Umweltschutz und Jugendhilfe und der Sparkassenstiftung Stormarn.

„Sowohl in der Politik als auch in der Öffentlichkeit findet ein Umdenken bezüglich der Stadtgärtnerei statt“, so Tim Schumann. An einer schöneren Stadt und einem besseren Klima habe schließlich jeder ein Interesse.

 

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