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Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 16:55 Uhr

Erfahrung trifft Jugend

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Weltkunde-Projekt der Anne-Frank-Schule (AFS) zeigt positive Wirkung

Seit fast einem Jahr treffen sich Schüler und alte Menschen im Bargteheider Seniorendorf. Etwaige Zweifel und Vorurteile wurden bei diesen Begegnungen zwischen Alt und Jung schnell widerlegt. „Ich hatte Angst, dass ich nicht laut genug spreche oder mit Dementen nicht klarkomme“ sagt Schülerin Annika. Grundlose Befürchtungen, das hat sie rasch bemerkt. Die Anne-Frank-Schule (AFS) hat das Projekt gestartet.

Es stand einmal wöchentlich auf dem Stundenplan im Fach Weltkunde für den 9. und 10. Jahrgang. In der fünften und sechsten Stunde besuchten 15 Schüler in fünf Kleingruppen die Senioren auf der Pflegestation, kochten mit ihnen, legten ein Hochbeet an, musizierten gemeinsam und machten ein Gedächtnistraining mit ihnen. „Diese Zeit ist etwas unglücklich gewählt“, sagt Projektleiterin Maren Henrichs, „denn die Senioren essen dann.“ Das soll sich bei einer Fortsetzung des Projekts ändern.

Dass das geschieht, darin sind sich alle Beteiligten einig. „Sie sind hier jederzeit willkommen“, sagt Mathias Steinbuck, Leiter des Seniorendorfs. Ähnliche Projekte macht auch die Dietrich-Bonhoeffer-Schule bei ihm. „Wir legen auf eine Fortführung großen Wert“, sagt auch Joachim Stolzenberg, der stellvertretende Leiter der AFS. Soziale Aktivitäten stünden ab Klasse fünf auf dem Stundenplan, zuerst noch im Klassenverband. „Nach und nach gehen sie damit nach außen“, sagt er, „und erleben dabei, wie erfüllend solch Engagement sein kann.“ Das werde in Zukunft noch mehr benötigt. Unterstützt wird das durch eine Stiftung der Frank-Gruppe, „Erfahrung trifft Jugend in Stormarn“ heißt sie und ist unter dem Dach der Stormarner Bürgerstiftung angesiedelt. „Wir haben sie bereits im Reinfelder Claudiushof ins Leben gerufen und dann auf das Seniorendorf ausgeweitet“, sagt Geschäftsführer Holger Zychski. Die Stiftung finanziert auch das Material, etwa die rund 1000 Euro für zwei Hochbeete und sorgt für personelle Unterstützung. „Der Betreuungsschlüssel ist für uns ein großer Luxus“, sagt Maren Henrichs.

Im Seniorendorf unterstützt auch Sozialpädagogin Sybille Martens das Projekt. „Die Senioren sprechen auch als Zeitzeugen mit den Schülern“, sagt sie. Sie können von Krieg, Flucht und Vertreibung aus eigener Erfahrung berichten. In der kommenden Woche besuchen die Senioren ein Theaterstück in der Anne-Frank-Schule, das die Schüler selbst produziert haben. Und Seniorin Reni Preuß ist schon zu einem Vortrag in die Schule eingeladen. „Ich besuche demnächst meinen Sohn in Israel“, sagt sie, „ich habe den Schülern versprochen, viele Fotos mitzubringen.“ Das Projekt wird jetzt ausgewertet und auf seine Übertragbarkeit auf andere Schulen geprüft. Bei positiven Ergebnissen wird es im kommenden Schuljahr fortgesetzt.


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