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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 09:09 Uhr

Er weiß, was Pferde denken

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Thomas Witt versteht und spricht die Sprache der Stuten und Hengste / Jetzt war er zu Gast in Hoisdorf

Pferdeliebhaber und Reiter wissen das natürlich: Auch bei Pferden gibt es Links- und Rechtshänder. Aber, das ist nicht wirklich entscheidend. Entscheidend ist, dass diejenigen, die Turniere reiten oder aus Liebhaberei, die Sprache ihres Pferdes verstehen. Und die Pferde müssen lernen, die Sprache ihrer Besitzer zu verstehen, bedeutet, Vertrauen aufbauen. Nur, wie geht das? Einer, der scheinbar ganz tief in die Seele eines Pferdes blicken kann, ist Thomas Witt aus Lünzen in der Lüneburger Heide. Viele nennen ihn den Pferdeflüsterer, aber, so sagt der 34-Jährige: „Das trifft es eigentlich nicht.“ In dieser Woche war er zu Gast auf dem Reiterhof Düwiger in Hoisdorf und zeigte Pferdebesitzern Unglaubliches im Umgang zwischen Tier und Mensch.

„Jedes Pferd hat seine eigene Sprache, das kann man am besten an den Ohren sehen“, erzählt Thomas Witt im Gespräch mit der Redaktion. „Angelegte Ohren bedeuten Aggressivität, spitze Ohren zeigen, dass das Pferd neugierig ist“, spricht er davon, dass sich das Pferd mit seiner Umgebung „synchronisiere“.
Gesten des Reiters, Körpersprache und Mimik – alles Dinge, die das Verhalten eines Pferdes beeinflussen. Wie bei „Colonia“, einer sechsjährigen Stute (Hannoveraner), die genau das tat, was Thomas Witt im „theoretischen Teil“ seines Trainings vorhergesagt hatte: Witt steht in der Mitte einer Art Manege, das Pferd läuft gegen den Uhrzeigersinn im Kreis. Witt schickt das Tier mit Gesten und kräftiger Körpersprache, etwa Armbewegungen, von sich weg, das Pferd reagiert heftig, springt. Witt bleibt ganz ruhig, bewegt sich ganz wenig, das Pferd tänzelt in immer kleiner werdenden Zirkeln um ihn herum, sucht seine Nähe – bis es schließlich den Kopf senkt, „ohne dabei devot zu sein“, sagt Thomas Witt. Diese Art der Kommunikation mit einem Pferd hat auch einen Namen: „Join-Up“, entwickelt vom bekannten Pferdetrainer Monty Roberts in Kalifornien. Witt hat vier Jahre auf dessen Farm in den USA gearbeitet und wurde 2010 von Roberts zum Master-Instructor ernannt – dem einzigen in Deutschland.

Das zweite Beispiel einer vertrauensvollen Kommunikation überraschte selbst Nele Spiering, Mitbesitzerin einer vierjährigen Stute, die – noch ohne Namen – zum ersten Mal in einer fremden Halle stand und mit der Thomas Witt noch nie gearbeitet hatte. Die Aufgabe: Das Pferd muss über einen gedachten Bach (eine blaue Plastikplane) springen – was es natürlich gar nicht möchte. „In 45 Minuten müssten wir es geschafft haben“, sagte Witt zu Anfang der Übung – nach 30 Minuten ging die Stute sogar allein über eine große Plane. „Vertrauen zum Reiter und die Erkenntnis des Tieres, dass nichts passieren kann haben das bewirkt“, erklärt Witt, „Du musst die Leitstute spielen, das Pferd ist ein Herdentier.“

>Thomas Witt wird voraussichtlich im März wieder in Hoisdorf sein. Wer mehr über seine Arbeit wissen möchte, kann sich melden: rwitt@gestuet-luenzen.de, oder 0173/90 025 62.





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