Er war der ruhende Pol in Breitenburg

Vor zehn Jahren hatte sich Otto Graf zu Rantzau - hier mit seinem Nachfolger als Amtsvorsteher Hermann Milde (re.) - in den kommunalpolitischen Ruhestand verabschiedet. Foto: jo
Vor zehn Jahren hatte sich Otto Graf zu Rantzau - hier mit seinem Nachfolger als Amtsvorsteher Hermann Milde (re.) - in den kommunalpolitischen Ruhestand verabschiedet. Foto: jo

Trauer um Otto Graf zu Rantzau / Der Breitenburger Ehren-Amtsvorsteher verstarb im Alter von 91 Jahren

shz.de von
27. Juni 2013, 03:59 Uhr

Breitenburg | Der Kreis Steinburg hat eine seiner prägendsten Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte verloren. Im Alter von 91 Jahren verstarb am Dienstag Otto Graf zu Rantzau. Der Verstorbene war Nachfahre des wohl bedeutendsten schleswig-holsteinischen Niederadelgeschlechts. Laut dem Historiker Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt prägten die beiden größten und bedeutendsten Rantzaus, Johann (1492-1565) und sein Sohn Heinrich (1526-1598), die Zeit des Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit. Sie wirkten als Königsberater, Heerführer, Statthalter und Humanisten. Die Rantzaus bestehen bis heute in sieben Linien in Schleswig-Holstein, Dänemark und im übrigen Deutschland fort.

Otto Graf zu Rantzau wird den Menschen in seiner Heimatregion vor allem als Kommunalpolitiker und wegen seines großen sozialen Engagements in guter Erinnerung bleiben. Fast 39 Jahre lang stand er an der Spitze des Amtes Breitenburg - eine Lebensleistung, die mit der Ernennung zum Ehren-Amtsvorsteher gewürdigt wurde. Ungezählte weitere Ehrenämter bestimmten sein Leben. In der Bevölkerung genoss er dabei stets ein hohes Ansehen.

"Er war der ruhende Pol im Amt Breitenburg", erinnert sich Jens-Uwe Jensen. Der langjährige Chef der Breitenburger Amtsverwaltung beschreibt den Grafen als einen Mann, den "so leicht nichts aus der Ruhe bringen konnte". Immer zuverlässig und loyal sei er gewesen. "Und sehr sozial eingestellt", fügt Jensen hinzu. Vor allem die Feuerwehren hätten ihm immer ganz besonders am Herzen gelegen.

Dabei war Otto Graf zu Rantzau bei seinen vielfältigen Aufgaben und seinen vielschichtigen Funktionen kein Mann großer Worte. "Auf Äußerlichkeiten legte er nicht viel Wert. Ihm ging es um die Sache." Auch bei seiner Verabschiedung als Amtsvorsteher im Jahre 2003 hielt er es kurz und knapp: "Ich habe das jetzt lange genug gemacht." Fortan widmete er sich verstärkt seiner Familie. Vor knapp zwei Jahren wurde auf dem Schloss noch eiserne Hochzeit gefeiert.

Seine mitunter wortlose Souveränität wird auch in zwei Anekdoten erkennbar, die er selbst Besuchern gerne erzählte. So fand einmal ein feines Restaurant seine Kleidung unangemessen und forderte ihn dezent mit einem Zettel zum Verlassen der Lokalität auf. Graf zu Rantzau stand auf und ging. Auf dem Zettel hinterließ er seine Visitenkarte - und die Restaurant-Betreiber blieben beschämt zurück. Ein anderes Mal gestattete er einer amerikanischen Besuchergruppe Zugang zu seinem seit 1524 in Familienbesitz befindlichen Schloss Breitenburg. Nach der Führung steckte ihm einer der Gäste als Dankeschön einen Geldschein zu. Der Graf ließ diesen wortlos in seiner Tasche verschwinden. Anekdoten, Erinnerungen, gemeinsame Jahre. Vieles davon wird denen, die ihn kannten, in den nächsten Tagen durch den Kopf gehen. Zuletzt lebte Otto Graf zu Rantzau von allen Ämtern und Funktionen zurückgezogen. In Erinnerung wird seine - wie es Jens-Uwe Jensen einst formulierte - menschliche und mitfühlende Art bleiben.

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