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Stormarner Tageblatt

24. September 2017 | 08:56 Uhr

Brandserie Hammoor : „Er ist einer von uns“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Mitglieder der Hammoorer Wehr sind erschüttert, dass ein beliebter Kamerad wohl der Brandstifter im Dorf war.

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Die Brandserie von Hammoor ist aufgeklärt: Ein 24-jähriger Mann, der schon am Sonntag vernommen und anschließend vorläufig festgenommen worden war, hat nicht nur das jüngste Großfeuer, bei dem eine 300 Jahre alte Bauernkate bis auf die Grundmauern niederbrannte, gelegt, er hat auch sechs weitere Brände in Hammoor zu verantworten. Das hat der junge Mann, der Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Hammoor ist, gestanden. Ein Richter am Amtsgericht hat Haftbefehl erlassen. Der 24-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

In der Gemeinde Hammoor hat sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Doch äußern wollte sich kaum jemand. Es war bei einigen Bürgern Betroffenheit zu spüren, weil sie den jungen Mann kennen. Er ist im Dorf aufgewachsen und lebt unter ihnen. Im Jahr 2000 war er in die Jugendfeuerwehr eingetreten, war sehr engagiert wie auch später in der Einsatzabteilung, in die er 2010 wechselte. Er besuchte Lehrgänge in Nütschau und wurde dieses Jahr zum Oberfeuerwehrmann befördert.

„Wir mögen den jungen Mann. Er ist einer von uns“, sagt Hans Kunde, Gemeindewehrführer in Hammoor. Er könne nicht glauben, dass er die Brände gelegt haben soll. „Für uns gilt nach wie vor, dass er unschuldig ist. Und das bleibt so, bis es ein rechtskräftiges Urteil gibt“, sagt Kunde fast schon trotzig. Es ärgert den Hauptbrandmeister, der auch Amtswehrführer im Amt Bargteheide Land ist, dass die Polizei bislang nicht mit ihm gesprochen hat. „Man hat ihn sogar während des laufenden Einsatzes mitgenommen, ohne mich darüber zu informieren. Das geht gar nicht“, ärgert sich Kunde. Als Einsatzleiter trägt er die Verantwortung für sein Team und muss über den Verbleib jedes Einzelnen informiert sein. Bis es ein Urteil gegen den jungen Feuerwehrmann gebe, werde man ihn vom Dienst freistellen. „Sollte am Ende ein Schuldspruch stehen, müssen wir uns von ihm trennen, das ist ja klar“, erklärt der Wehrführer.

Er habe noch am Montagabend alle Mitglieder im Gerätehaus zusammengerufen und man habe über den Fall gesprochen. „Wir stehen eng zusammen, haben uns nichts vorzuwerfen. Bis zum Sonntag hat der 24-Jährige stets seinen Dienst hervorragend erledigt. Egal, ob wir auf der Autobahn verunglückten Menschen helfen mussten, oder es galt, ein Feuer zu löschen oder sonst etwas“, macht Kunde deutlich. Der Wehrführer mochte den jungen Mann und mag ihn auch heute noch. Daraus macht er kein Geheimnis. „Niemand kann hinter die Fassade eines Menschen schauen. Wir lassen uns von niemandem nachsagen, dass wir das hätten erkennen müssen.“ Die Aktiven seien jetzt noch enger zusammengerückt.

Trotz der Geständnisse bleibe das Motiv weiterhin unklar. Warum werden Jugendliche zu Brandstiftern? Der Psychologe und forensische Gutachter Winfried Barnett aus Heidelberg sagt: „Es gibt Frust- und Lusttäter.“ Frusttäter seien meist intellektuell minderbegabte und wenig erfolgreiche Männer bis zu 25 Jahren, die bemerkten, dass Feuer unangenehme Emotionen wie erlittene Demütigungen abschwächten. Lusttäter seien meist Männer zwischen 14 und 21 Jahren. „Sie wollen angenehme Emotionen verstärken, filmen oft das Geschehen. Handelt es sich um Feuerwehrleute, helfen sie nicht selten eifrig beim Löschen, um Anerkennung zu ernten.“


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