„Energiewende erfasst alle Lebensbereiche“

Prof. Dr. Werner Beba, Tobias Goldschmidt und Ingo Degner
Prof. Dr. Werner Beba, Tobias Goldschmidt und Ingo Degner

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11. November 2017, 08:00 Uhr

Berlin statt Oldesloe: Zum Landkreistag mit dem Thema Energiewende ließ sich der Energiewendeminister entschuldigen. Robert Habeck gehört zur Jamaika-Verhandlungsdelegation der Grünen in Berlin. Statt seiner kam Staatssekretär Tobias Goldschmidt zur Mitgliederversammlung in den Kreistagssitzungssaal. „Heute soll der Startschuss für einen Dialog sein“, kündigte Ingo Degner aus Schleswig an, der den Landkreistags als stellvertretender Vorsitzender eröffnete und den Gastredner ankündigte.

Prof. Dr. Werner Beba ist Sprecher und Koordinator von New 4.0 – Norddeutsche Energie-Wende. „Das ist keine Forschungsprojekt, sondern ein Praxis-Großprojekt“, so Beba. Bei dem beispielhaft gezeigt werden soll, wie Hamburg und Schleswig-Holstein mit mehr als 4,5 Millionen Einwohnern im Jahr 2035 zu 100 Prozent mit regenerativem Strom versorgt werden können.

New 4.0 ist Ende 2016 gestartet und läuft bis 2020. Es wird bei einem Volumen von 230 Millionen Euro mit rund 46 Millionen Euro gefördert. Viele Unternehmen seien beteiligt, „weil sie überzeugt sind, dass es um ein wichtiges wirtschaftliches Betätigungsfeld in der Zukunft geht“, so Beba.

Während die Windräder in Schleswig-Holstein theoretisch 110 Prozent der Strombedarfs produzieren könnten, sind es in Hamburg 3,5 Prozent. Allerdings müssen aktuell 2,7 Terrawatt im Jahr abgeregelt werden, das sind zwei Drittel aller Abregelungen in ganz Deutschland. Dieser nicht produzierte Strom muss aber zurzeit mit 270 Millionen Euro im Jahr bezahlt werden. Und weil Windräder nicht stetig einspeisen, sind Netzeingriffe von der Ausnahme zur Regel geworden und schlagen mit 200 Millionen Euro zu Buche.

Deshalb heißen die Lösungen der Energiewende-Protagonisten neben Netzausbau ein Verbrauch, der sich nach der Stromproduktion richtet, Batterie- sowie Pufferspeicher, indem überschüssiger Strom z. B. genutzt wird, um Wasserstoff zu erzeugen. Das ist schwere Technik, aber „in Wirklichkeit ein großes Digitalisierungsprojekt“, so Prof Beba, „die Energiewende erfasst und vernetzt alle Lebensbereiche. Unser Ziel ist es, eine Blaupause für eine 100 Prozent regenerative Energieversorgung zu entwickeln.“

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