Stapelfeld : Ende eines Kunstwerks

Mit viel Geschick legte der        Baggerfahrer die Stele ab.
Mit viel Geschick legte der Baggerfahrer die Stele ab.

In Stapelfeld fiel die von Harald Duwe geschaffene Stele. Restaurierung und Transport waren nicht möglich.

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17. Juli 2018, 10:40 Uhr

Allen Symphatie-Bekundungen und Hilfsangeboten zum Trotz war die Duwe-Skulptur „Kreislauf des Lebens“ an der Stapelfelder Grundschule nicht zu retten. Tobias Duwe war dabei, als die von seinem Vater geschaffene Stele von einem Bagger „gefällt“ wurde. Er und seine Schwester Katharina hatten lange versucht, die zur Eröffnung der Schule aufgestellte Skulptur irgendwie zu retten.

Der letzte Tag der Stele im nassen Rest des Schulteiches.
Domscheit
Der letzte Tag der Stele im nassen Rest des Schulteiches.
 

Der Künstler Harald Duwe, der 1984 im Alter von 58 Jahren bei einem Autounfall tödlich verunglückte, war Maler. Vor allem in den 1960er Jahren schuf er aber auch Skulpturen. Es handelte sich um Auftragsarbeiten für Kunst am Bau, die der Großenseer aus finanziellen Gründen annahm, sagt die Stormarner Künstlerin Sylvia Stuhr, die darüber im Stormarner Jahrbuch 2012 geschrieben hatte.

Passend zum Namen „Kreislauf des Lebens“ war die Stapelfelder Stele vor mehr als 50 Jahren in den Schulteich gesetzt worden. Dem Beton hat die Feuchtigkeit natürlich weniger gut getan. Eine Sanierung, über die schon vor mehr als zehn Jahren gesprochen worden war, kam nie zustande. Es wurden lediglich die zerbrochenen oder abgefallenen Fliesen wieder angeklebt.

Nachdem 2016 ein Kind am Jugendheim Lichtensee ertrunken war, begann in Stapelfeld eine Diskussion über die Gefährlichkeit des Teichs auf dem Schulgelände. Zwar hatte es dort nie einen Zwischenfall gegeben, aber die Verbandsgemeinden Stapelfeld, Braak und Brunsbek entschieden sich, den Teich zuschütten zu lassen. Ein Einzäunen wäre zu teuer gekommen, ebenso eine Sanierung der Stele, die außerhalb des Teiches wohl zu einem Kletterobjekt für die Kinder geworden wäre.

Als die Duwe-Geschwister eher zufällig von dem geplanten Abriss des Kunstwerks erfuhren, wollten sie sie es natürlich retten. Der Kreis wäre bereit gewesen, sich an Restaurierungskosten zu beteiligen, die Sparkassen-Kulturstiftung an einer Versetzung. Die Schäden waren jedoch zu stark, eine Sanierung zu teuer und ein heiler Transport der fünf Meter hohen und acht Tonnen schweren Skulptur kaum möglich gewesen, wie eine Begutachtung ergab. „Liegend würde es sehr wahrscheinlich durch sein eigenes Gewicht zerbröseln“, sagt Katharina Duwe.

Sie konnte im Gegensatz zu ihrem Bruder nicht bei der Demontage dabei sein. „Als ich die ersten Kacheln in der Hand hatte, ist mir erst die Qualität bewusst geworden“, sagt Tobias Duwe, „wie sensibel und farbnuancenreich die Arbeit ist, konnte man vorher aus 15 Metern Entfernung nicht wahrnehmen.“

Tobias Duwe versuchte, so viele Kacheln wie möglich zu sichern.
Domscheit
Tobias Duwe versuchte, so viele Kacheln wie möglich zu sichern.
 

Zu seiner Überraschung erwies sich auch der Betonsockel als wenig standfest, während die Stele selbst eine starke Bewehrung aufwies. Trotzdem: Keines der Bilder, die aus 10 bis 20 Kacheln bestanden, konnte komplett gerettet werden. Einzelne Teile so einer Tafel wogen bereits 150 Kilo, so Tobias Duwe: „Die Kacheln sind jetzt erstmal Souvenir und Anschauungsmaterial – aber auch eine künstlerische Anregung, wie man mit Keramik gestalten kann“, erklärt Duwe.

Auf Initiative des Kreises werden Kunstwerke in Stormarn systematisch erfasst. Von Harald Duwe ist nur die Skulptur „Die vier Jahreszeiten“ in Großensee dabei. Die besteht ebenfalls aus Kacheln, ist aber „in einer ganz anderen Technik gearbeitet“, teilt Tobias Duwe abschließend mit.

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