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Bad Oldesloe : Empörung wegen Kita-Schließzeiten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kindergarten-Träger erhöhen Druck in Verhandlungen: 600 Kinder könnten vor der Tür stehen.

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erstellt am 04.Aug.2015 | 06:00 Uhr

Mit Unverständnis und Empörung reagieren zurzeit viele Familien auf die durch zahlreiche Bad Oldesloer Kita-Träger angekündigte Verlängerung der Schließzeiten im nächsten Jahr. Statt wie bisher drei bis fünf wollen sie sechs Wochen schließen. 600 Kinder würden dann vor verschlossenen Türen stehen. Damit soll der Druck in den Verhandlungen über eine höhere Verfügungszeit für das Personal erhöht werden (wir berichteten).

Die Träger möchten von der Stadt mehr Zeiten bewilligt bekommen. Erzieherinnen hätten immer mehr Aufgaben zu bewältigen – zusätzlich zur Arbeit am Kind in der Gruppe. Hinzu kommen Urlaubs- und Krankheitszeiten. Das sei mit dem bisherigen Personalschlüssel nicht mehr zu leisten. Eine Arbeitsgruppe mit Verwaltung, Politik und Trägern berät darüber schon seit geraumer Zeit. Eine Lösung ist aber nicht in Sicht. Deshalb haben die Träger mit der einseitigen Verkündung der längeren Schließzeiten jetzt Konsequenzen gezogen. Wenn überhaupt wird diese Drohung aber erst im nächsten Kalenderjahr zum Tragen kommen. Vielleicht gibt es bis dahin ja eine Einigung.

„Für viele Familien dürfte es zu einer fast unlösbaren Aufgabe werden für Ersatzbetreuung zu sorgen“, befürchtet Sebastian Schulz von der Initiative „Eltern für Eltern“. Deren Mitglieder haben Verständnis für die Reaktion der Kita-Träger: „Die Ansprüche in der Kinderbetreuung sind ständig gestiegen, jedoch gelten noch immer die Regeln aus den 90er Jahren, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind“, sagt beispielsweise Tom Winter von der Initiative „Eltern für Eltern in Bad Oldesloe“. Sebastian Schulz ergänzt: „Hier hat die Politik die Entwicklung offensichtlich ignoriert und muss dringend nachbessern. Alleine haushaltspolitische Überlegungen dürfen nicht verhindern, dass den Kindern die bestmögliche Betreuung zu Teil wird.“

Die Elternvertreter vermuten, dass es für die Stadt durchaus unbequem werden könnte, sollte die Schließzeitenverlängerung umgesetzt werden. Sie gehen davon aus, dass für den Fall alternative Betreuungsmöglichkeiten angeboten werden müssen. Sebastian Schulz: „Bei mehr als 600 Betroffenen, kann da schnell einiges zusammen kommen.“

Bürgermeister Tassilo von Bary bleibt an der Stelle gelassen. „Wir haben mit den Kindergartenträgern Verträge“, erklärt er: „Wenn sie die Schließzeiten verändern wollen, müssen wir dem zustimmen.“ Eine einseitige Änderung schließt er aus. Ob es eine Zustimmung der Stadt geben wird, ist mehr als fraglich. Der Verwaltungs-Chef geht zudem davon aus, dass die Eltern keinen Anspruch auf Ersatzbetreuung während der Schließzeit haben. „Das ist doch ein Teil des Vertrages, den die Eltern mit ihrem jeweiligen Kindergarten abgeschlossen haben. Dem haben sie zugestimmt“, so von Bary.

Die Grünen signalisieren Zustimmung zu den Forderungen der Träger. In den Sitzungen habe man sich für eine Erhöhung der Verfügungszeit um zehn Prozent ausgesprochen, so Nicole Kanapin, das sei aber politisch nicht durchsetzbar gewesen. „Es kommt jetzt darauf an, ob die Träger einem Kompromiss zustimmen können“, so Kanapin. Der sehe vor, dass die Stunden mit bereits bewilligten Zusatzstunden verrechnet werden. Das hätte, bis auf den Vicelin-Kindergarten, für alle Kitas eine zusätzliche Erhöhung zur Folge. Bei der SPD ist die Haltung deutlich distanzierter. „Ich habe den Eindruck, dass die Träger Druck über die Eltern ausüben wollen“, sagt Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann: „Eine Lösung bekommt man aber nicht, indem man einseitig Druck macht. Dann muss man sich einfach mal wieder an den Tisch setzen. Es ist ja nicht so, dass wir nichts gemacht hätten.“

Gudrun Möllnitz (CDU) möchte sich wegen fehlender Fraktionsabstimmung inhaltlich nicht festlegen. Allerdings stellt sie klar: „Es geht nicht darum, wer am lautesten schreit, sondern wer die besten Argumente hat.“ Eine ausschließliche Betrachtung der Schließ- beziehungsweise Verfügungszeiten lehnt sie ab. „Wir müssen uns das bei den nächsten Haushaltsberatungen als Gesamtpaket ansehen: ‚Wie setzen sich die Kita- und Krippenkosten eigentlich zusammen‘“, erklärt die Sozialpolitikerin. Gudrun Möllnitz: „Die Forderungen sind berechtigt, aber der Kurparkkreisel das KuB oder Rufe nach mehr Sportplätzen und, und, und sind auch berechtigt.“

Am Dienstag, 8. September, soll es ein nächstes Treffen der zuständigen Arbeitsgruppe geben, zu der auch Elternvertreter eingeladen sind.

 

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