Bad Oldesloe : Empfang der klaren Worte

„Er hält die Erinnerung an Vergangenes als Mahnung an die Zukunft wach“ – Rainer Fehrmann (li.) lobte Walter Albrecht.
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„Er hält die Erinnerung an Vergangenes als Mahnung an die Zukunft wach“ – Rainer Fehrmann (li.) lobte Walter Albrecht.

Walter Albrecht erhält den „Silbernen Schlüssel“ der Stadt Bad Oldesloe beim Neujahrsempfang im Kub.

shz.de von
08. Januar 2018, 06:00 Uhr

Ein „Mann, bei dem man nicht erwähnen muss, dass er Ecken und Kanten hat“, ist neuer Träger des „Silbernen Ehrenschlüssels“ der Stadt Bad Oldesloe. Im Rahmen seines letzten Neujahrsempfangs als Bürgerworthalter überreichte Rainer Fehrmann den Ehrenamtspreis vor 200 Besuchern im Saal des Kultur- und Bildungszentrums an Walter Albrecht.

Albrecht war in der SPD aktiv, in der Gewerkschaft, er ist eine lokale Sportlegende als Urgestein des SC Union Oldesloe, aber vor allem wurde er durch Bürgermeister Jörg Lembke und Fehrmann für sein Engagement im Bereich „Bündnis gegen Rechts“ ausgezeichnet. „Er ist der Motor hinter diesem Bündnis und gleichzeitig der Verhinderer, dass ein solches Bündnis nur links ist. Er bringt die unterschiedlichsten Gruppierungen und Parteien für diese Sache zusammen“, so Fehrmann. „Er steht mit seinem Namen für die Großdemo im April gegen Neonazis. Er hat die Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge 2015 organisiert oder auch die Friedensdemo im September 2017“, so hob Fehrmann in seiner Laudatio hervor.

„Wir danken ihm und seinen Mitstreitern, dass Bad Oldesloe, wenn es um Neo-Nazis und Nazis geht, nur positive Schlagzeilen erzeugt“, sagte Fehrmann bei der Verleihung der Ehrung. „Ich bin komplett überrascht. Wie kann man sowas in dieser Kleinstadt bloß geheimhalten. Hätte ich nicht für möglich gehalten“, sagte Albrecht sichtbar gerührt. „Man sagte ja schon ich habe Ecken und Kanten, daher auch ein paar klare Worte. Diese Auszeichnung nehme ich stellvertretend für alle meine Mitstreiter an. Braunes Gesindel darf hier nie wieder eine Plattform finden. Dieser Abschaum hat in unserer Stadt nichts verloren. Als Kind der Nachkriegszeit bin ich erschrocken genug, dass wir uns heutzutage überhaupt wieder mit so einem Gesindel auseinandesetzen müssen. Bad Oldesloe ist bunt, weltoffen und tolerant und das bleibt auch in Zukunft so“, sagte Albrecht. Über den Preis selbst sagte er, dass er es schrecklich finde, wie die Vergabepraxis im Vorjahr „politisch instrumentalisiert“ und dadurch seien Vorgängerpreisträger in „den Medien“ in den Dreck gezogen worden.

Auf die Medienlandschaft und vor allem Social Media hatte es Bürgermeister Jörg Lembke in seiner Neujahrsansprache etwas abgesehen. Er bitte darum, immer das Gespräch mit ihm zu suchen und nur zu glauben, was man von ihm selbst gehört habe. „Was manche verbreiten, sollten sie mir lieber ins Gesicht sagen“, so Lembke. Er hoffe auf einen Kommunalwahlkampf, der von Inhalten und nicht von Populismus bestimmt werde. Er lobte das Engagement seiner Verwaltungsmitarbeiter und zahlreicher Ehrenamtler in der Stadt. Die finanziellen Probleme der Stadt wurden ebenso thematisiert. Gerade im Bereich Bildung werde er immer wieder darauf hinweisen, dass Land und Bund sich an den viele Millionen schweren Kosten von Schulen und Kitas beteiligen müssten. „Nichts ist wichtiger, als die Investition in unsere Kinder, aber das kann Bad Oldesloe nicht alleine übernehmen.“

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