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Bad Oldesloe : Emotional vernachlässigt aus der gutbürgerlichen Mitte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Braucht die Stadtschule wirklich zusätzliche Stellen oder wird mit einem falschen Konzept gearbeitet? Im Oldesloer Sozialausschuss ist darüber diskutiert worden.

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erstellt am 06.Nov.2014 | 11:19 Uhr

Eigentlich war die Diskussion ja längst gelaufen: Am Tag bevor die Mitglieder des Sozialausschusses die Evaluation des Ganztagsbetriebs an der Stadtschule beraten sollten, hatten die Oldesloer Stadtverordneten bereits Fakten geschaffen und mehrheitlich ein Personalpaket für die Stadtschule bewilligt. Da ergab Evaluation (Überprüfung) nur noch wenig Sinn.

Was Aygün Caglar (CDU) nicht davon abhielt, die Kosten dafür trotzdem in Frage zu stellen und eine Diskussion loszutreten. In der Evaluation war herausgearbeitet worden, dass es täglich zu 15 Interventionen mit Kindern komme. „Was ist für Sie denn eine Krise?“, wollte er von Schulleiterin Sabine Prinz wissen. Deren Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Wenn Kinder sich nicht mehr dem schulischen Kontext stellen können, zusammenbrechen und mehr als 15 bis 20 Minuten Hilfe brauchen.“ Das sei doch keine Krise, tat der Christdemokrat das ab und kritisierte das Konzept als „schlicht falsch“. In Hamburg, wo er als Sozialpädagoge arbeite, gebe es keine Schule mit einer derartigen Personalausstattung. Dort gelte die Stadtschule als Luxus.

Sabine Prinz ließ das als Argument nicht gelten. Die Stadtschule habe konzentriert Problemkinder, weil genau das das Konzept sei. „Wir können gerne das Konzept ändern und die Kinder abschieben, aber damit lösen wir das Problem nicht“, sagte Sabine Prinz weiter.

Stadtjugendpflegerin Karin Heinzen machte deutlich, dass es bei der Stadtschule nicht um Luxus gehe. Die Gebundene Ganztagsschule in Wedel habe ein ähnliches Konzept und komme auf die gleiche Personalzahl. Schulbegleiter würden kaum noch bewilligt – für verhaltensauffällige Kinder momentan sogar gar nicht. Heinzen: „Das sind keine Kinder von sozial Schwachen. Die kommen aus der gutbürgerlichen Mitte, sind emotional vernachlässigt und haben keine Bindungen.“ Die Personalausstattung könne sehr schnell auch zu einem juristischen Problem werden. Karin Heinzen führte weiter aus: „Ein Erzieher mit 50 Kindern, das geht einfach nicht. Und ich kann nicht 22 Leute leiten, wenn ich noch andere Arbeit leisten soll.“

Mit den Stimmen von Rot-Grün wurde beschlossen, eine Leitungsstelle und nach und nach vier Arbeitsplätze für sozialpädagogische Assistenten einzurichten –das Ergebnis der Evaluation. CDU und FBO hatten während der Sitzung keinerlei Gegenvorschläge und stimmten dagegen.

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