Elmenhorst : Elkana – da versteht das Finanzamt keinen Spaß

Brauchtum oder Kommerz? Gardenauftritt bei der Elkana.
Brauchtum oder Kommerz? Gardenauftritt bei der Elkana.

Brauchtumsfrage wird zur existenziellen Bedrohung für Elmenhorster Karnevalsveranstaltungen.

shz.de von
06. Januar 2015, 06:00 Uhr

Wo fängt Brauchtumspflege an? Was ist eigentlich genau eine reine Tanzveranstaltung, die keine unterstützenswerte Tradition ist? Diese Fragen stellt seit vergangenem Jahr das Finanzamt dem Elmenhorster Karnevalsverein. Denn plötzlich – und für die Elkana-Organisatoren unerwartet – war vom Finanzamt zu vernehmen, dass man sich nicht so sicher sei, ob die Elmenhorster Karnevalsveranstaltungen wirklich Brauchtumspflege seien und nicht kommerzielle Discoevents. Das hat existenzielle Folgen.

Brauchtums sind zum Beispiel Veranstaltungen in denen historische Tänze gezeigt werden oder Bräuche fest zum Ablauf gehören. Wird eine Veranstaltung der Brauchtumspflege zugeschrieben, hat das Auswirkungen auf den Jugendschutz, weil es Jugendlichen im Gegensatz zu reinen Discoveranstaltungen dann erlaubt ist teilzunehmen.

Die Frage ist allerdings vor allem finanziell relevant. Denn im Rahmen des Steuergesetzes ist Brauchtumspflege ein steuerbegünstigter Zweckbetrieb. Eine Tanzveranstaltung hingegen wäre ein steuerpflichtiger wirtschaftlicher Betrieb. „Die Entscheidung ist da noch nicht gefallen. Was sollen wir denn noch alles machen, damit es Brauchtumspflege ist?“, fragt Reiner Solvie, Präsident des Elmenhorster Karnevalsvereins.

Im vergangenen Jahr gab es in allen Sitzungen ein vierstündiges Rahmenprogramm. Zuvor bot die Elkana ein nur rund zweistündiges Programm der Garden und der „Karneval für Junggebliebenen“ die umfangreichere Variante. Das änderte man bereits 2014. Neben den kurzen Büttenreden des Bürgermeisters und des Zeremonienchefs gehören auch die Verleihung der Karnevalsorden und eben die Auftritte der Kindergarde, der Prinzengarde, der Showdancers, der Elephants und der „Alten Schachteln“ nun fest in das Programm einer jeden EKV-Veranstaltung. „Wir waren immer weit davon entfernt eine reine Disco- und Saufveranstaltung zu sein. Wer das wollte, war bei uns noch nie richtig“, stellt Solvie klar. Die zahlreichen Tänzerinnen würden sich ja schließlich nicht jede Woche zum Training treffen, wenn es nicht darum ginge, das Herzstück der Veranstaltungen zu sein.

Doch das erweiterte Showprogramm fand im vergangenen Jahr auch Kritiker. Denn tatsächlich kommen manche Gäste eigentlich nur, um Spaß zu haben und nicht, um sich Auftritte anzuschauen. „Es geht uns darum, unsere Karnevalskultur zu leben. Die hat Tradition. Und daran haben die meisten Besucher auch Spaß. Das ist etwas Besonderes“, so Solvie.

„Wir werden auch 2015 wieder ein vierstündiges Rahmenprogramm haben und natürlich unser Prinzenpaar und die Kindermajestäten. Dazu kommen die Orden und halt alles, was bei unserer Tradition dazu gehört. Ich wüsste wirklich nicht, wie wir noch mehr Brauchtumspflege machen könnten“, betont der Präsident. Was 2016 passiert, wenn der Verein höhere Steuerforderungen und womöglich Nachzahlungen aufgebrummt bekäme, kann er nicht sagen. „Ohne finanzielle Unterstützung der Gemeinde wäre das dann eigentlich nicht mehr vorstellbar. Wir wollen ja auch die Eintrittspreise nicht erhöhen. Wir wollen doch, dass hier jeder mitfeiern kann, der möchte und nicht, dass hier nur die sitzen, die es sich leisten können“, so Solvie.

Ein derartiger Rückschlag wäre sehr traurig, nicht nur weil die Elkana weit über die Kreisgrenzen hinweg bekannt ist, sondern weil auch die Nachwuchsarbeit wunderbar laufe. Solvie: „Der Verein an sich ist sehr gut aufgestellt. Vor allem bei den Garden weiß man manchmal gar nicht wohin mit all den jungen Talenten, die da mittanzen wollen. Dieser Bereich macht uns sicherlich keine Sorgen“.


>Der Vorverkauf für die Veranstaltungen 2015 beginnt am 17. Januar. Karten gibt es nur im Gemeindezentrum Elmenhorst.


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