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Sozialausschuss entscheidet : Einstimmig für das Obdachlosen-Haus

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Politiker fordern Sanierung des Gebäudes an der Lübecker Straße, weil in Bad Oldesloe massiv Unterbringungsmöglichkeiten fehlen.

Da waren sich mal alle Fraktionen einig und Bürgermeister Tassilo von Bary blies heftiger Gegenwind ins Gesicht. Alle lehnten seine Vorstellung von der Zukunft der Obdachlosenunterkunft an der Lübecker Straße ab.

Grundsätzlich, das wurde in der Sitzung deutlich, sind die Politiker mit der Arbeit von Beatrice Schmidt und ihrem Kollegen Jens Siedlaczek sehr zufrieden. Eine Zahl belegt das ganz deutlich: Von 24 Räumungsklagen im vergangenen Jahr konnten 20 dank des städtischen Engagements abgewendet werden. Drei Familien und fünf Einzelpersonen wurden bei der Rückkehr in den freien Wohnungsmarkt erfolgreich unterstützt. Trotzdem bleibt es ein schwieriges Geschäft. 72 Obdachlose muss die Stadt unterbringen. Drei mehr als im vergangenen Jahr. Darunter sind acht Familien.

Was die Arbeit so schwierig macht, ist die Tatsache, dass es an geeigneten Räumen zur Unterbringung von Obdachlosen fehlt. Um so unverständlicher war es für alle Seiten, dass der bauliche Zustand des Gebäudes an der Lübecker Straße dermaßen schlecht ist, dass die Verwaltung vorschlägt, das Haus aufzugeben. „Der Sanierungsstau dort bedeutet, dass an den Menschen gespart wird“, kritisierte Torben Klöhn (SPD): „Wir hatten ja schon mehrere Gebäude, wo wir uns fragen, wie es dazu kommen konnte – Wendum, VHS, altes Gefängnis ...“ Für Gudrun Möllnitz (CDU) ist die Stoßrichtung des Bürgermeisters klar: „Ich habe den Eindruck, dass Sie das Gebäude leer haben wollen, damit auf der Kreuzung schnell der Kreisel gebaut werden kann.“

Das wollte Tassilo von Bary so natürlich nicht gelten lassen. Er müsse eine ganzheitliche Betrachtung vornehmen. Die Aufteilung der Räume in dem Gebäude sei zwar optimal, aber das ließe sich in anderen Objekten auch realisieren. „Städtebaulich ist das Haus eine Katastrophe und es führt zu einer Stigmatisierung der Obdachlosen durch einen bestimmten Wohnort.“ „Eine neue Obdachlosenunterkunft hätte sich doch in kürzester Zeit herumgesprochen. Das lasse ich nicht als Argument gelten“, widersprach Möllnitz. Auch Dagmar Danke-Bayer von den Grünen ist überzeugt: „Es ist möglich, da was Vernünftiges draus zu machen. Wir haben derartigen Bedarf, da sollten wir jedes Haus behalten.“

Nach Ansicht der Verwaltung würde die Sanierung der Obdachlosenunterkunft „einen siebenstelligen Betrag in jedem Fall überschreiten“ und stünde nicht mehr im Verhältnis zum Objektwert stehen“. Es gibt eine fundierte Kostenschätzung nur für das erste Obergeschoss, die sich auf 160 000 Euro beläuft. „Eine Komplettsanierung ist wirtschaftlich nicht darstellbar“, argumentierte der Bürgermeister.

Einstimmig wurde ein SPD-Antrag angenommen, dass die Stadt an dem Gebäude an der Lübecker Straße festhält und die Verwaltung verlässliche Kosten für eine Sanierung liefert über die dann im Bauausschuss beraten werden soll. Ebenfalls einstimmig wurde ein Antrag der Grünen angenommen, dass die Verwaltung leerstehende städtische Immobilien auf ihre Eignung prüfen soll. Das ehemalige Kurbad neben der Schwimmhalle ist gemeint. „Beschließen Sie ruhig, wir machen das dann“, kommentierte das von Bary.

 

 

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 10.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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