Einige Chancen liegen gelassen

Mit den Entscheidungen der Politik waren viele nicht einverstanden - wenn überhaupt was entschieden wurde

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31. Dezember 2012, 03:59 Uhr

Ahrensburg | Ein Thema handelten die Stadtverordneten gleich im Januar ab. Eine Landesgartenschau wird es nicht geben, obwohl man in Kiel die Schlossstadt geradezu dafür prädestiniert sah und eine Bewerbung Ahrensburgs für 2016 erwartete. Der Umweltausschuss lehnte das aber mit großer Mehrheit ab. Zum Bedauern von Bürgermeister Michael Sarach, der sich noch eine Option offenhalten wollte und versuchte, die Stadtverordneten von einer Machbarkeitsstudie zu überzeugen. Die wollten ihre Hand aber nicht heben, obwohl Sarach einen Einsparvorschlag über 30 000 Euro machte. Gescheitert an einer Summe, die der Erhöhung der Hundesteuer entspricht. Und nicht nur das. Selbst den Vorschlag, dass sich Ahrensburg doch vielleicht für die Gartenschau 2020 bewerben könnte, wurde abgeschmettert.

"Man hätte viel machen können, um nicht nur das Schlossumfeld attraktiver zu gestalten", ärgerte sich Bürgermeister Sarach, der darüber, dass "das Haar in der Suppe gesucht wurde statt die Chancen zu sehen".

"Beratungsresistent" und "Zukunftsignoranten" schimpften Götz Westphal und Andreas Werning vom Stadtforum über die Politiker. Die Geschäftsleute hatten ein Exposee erstellen lassen. Ergebnis: Ahrensburg könnte mit einer Landesgartenschau sogar ein kleines Plus machen. "Wir hätten in wenigen Jahren Dinge auf den Weg bringen können, die die Politiker in 20 oder 30 Jahren nicht schaffen", so Werning.

Der CDU war neben Krippenbau, Schulbauten- und sanierungen auch die Nordtangente wichtiger als eine Gartenschau. Die Entlastungsstraße sollte aber das gleiche Schicksal erleiden: Sie kommt nicht. Im April ließen die Stadtverordneten den Vertrag mit Delingsdorf über einen Gebietstausch platzen, ohne den eine Nordtangente nicht mal geplant werden kann. Das Ergebnis war äußerst knapp: 15 zu 14 Stimmen bei einer Enthaltung. Grüne, WAB und FDP lehnten den Vertrag mit Delingsdorf ab, die SPD stimmte dafür, bei der CDU war man sich nicht einig, obwohl Fraktionschef Tobias Koch den Vertrag mit ausgehandelt hatte.

Mit seiner Einschätzung, dass "Ahrensburgs weitere Entwicklung und die Einnahmen aus Gewerbesteuern wesentlich vom Bau der Nordtangente abhängen", lag Bürgermeister Michael Sarach nicht falsch. IHK, WAS und VSW kritisierten die Entscheidung, und in einer Blitz-Umfrage der Industrie- und Handelskammer sprachen sich 84 Unternehmen für den Bau der Entlastungstrasse aus.

Mit der Idee, dass doch das Land das Planfeststellungsverfahren übernehmen könne, versuchte die SPD vergeblich, die Nordtangente noch mal wiederzubeleben. Die zugesagten Zuschüsse von bis zu 70 Prozent für den Bau der Straße sind futsch.

"Grundsätzliche Bereitschaft" bekundeten die Kommunalpolitiker auch im Falle Kibek. Die Elmshorner wollten an der Autobahnabfahrt ein Teppichhaus mit angeschlossenem Elektronik-Markt und Fachgeschäften bauen. Aus dem prinzipiellen Ja wurde nach Verkehrsgutachten und Verträglichkeitsstudie aber praktisch ein Nein. Kibek dürfe zwar kommen, aber "innenstadtrelevante" Waren wolle man dort nicht. Die Liste ergänzte man noch um Kühlschränke, Waschmaschinen und Heimtextilien, so dass von Kibeks Konzept nichts mehr übrig blieb, der mit einem Eletronikmarkt und mehreren Fachgeschäften an die A 1 wollte. Obs die Innenstadt rettet? Der einzige CD-Laden in Ahrensburg hat auch so geschlossen, und Mediamarkt Wandsbek ist auch nicht weit von Ahrensburg.

Immerhin: Das Baugebiet Erlenhof schoben die Stadtverordneten mit weiter auf den Weg, und die Entschlammung von Schlossteich und -graben wurde nicht aus dem Haushalt gestrichen. Der ist allerdings noch nicht verabschiedet. Warum die meisten Stadtverordneten dagegen stimmten, obwohl die wesentlichen Fragen geklärt waren, bleibt ein Ahrensburger Geheimnis.

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