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Stormarner Tageblatt

19. September 2017 | 22:37 Uhr

Einer Stadt geht immer mehr ein Licht auf

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Seit einigen Jahren erlebt Bargteheide immer häufiger helle Momente als düstere Phasen. Das ist gewollt und liegt am Austauschprogramm der Stadt. Das bezieht sich nun weniger auf Schüler oder die Partnerstädte Déville-lès-Rouen und Zmigrod, vielmehr auf alte Funzeln, die durch hochmoderne LED-Lampen ausgetauscht werden. Eine leuchtende Bestandsaufnahme!

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 16:51 Uhr

Es ist noch gar nicht so lange her, da war es im Stadtgebiet vielfach zappenduster. Doch diese dunklen Seiten werden seltener – dank des Straßenbeleuchtungskonzeptes. Das geht auf die Initiative von SPD-Stadtvertreter Peter Anklam zurück. Der heute 64-Jährige hatte 2007 in 480 Stunden Eigenleistung ein Straßenlampen-Kataster für Bargteheide angelegt und aufgezeigt, wie schwarz die Nacht an vielen Stellen ist – und damit den Stein für ein energieeffizientes und umweltbewusstes Handeln ins Rollen gebracht.

„In den letzten vier Jahren haben wir nur LED-Lampen eingebaut“, freut sich der gelernte Elektriker. Von den insgesamt 2129 Leuchtkörpern sind mittlerweile 396 durch LED-Lampen ausgewechselt worden. Dabei merkt Peter Anklam an, dass nicht alle Leuchten in den insgesamt ca. 170 Straßen Bargteheides ersetzt werden müssten. Das sei gar nicht erforderlich. Aber es sollten 53 über 50 Jahre alte Leuchtstofflampen und die die verbliebenen 471 HQL-Straßenleuchten gänzlich von der Bildfläche verschwinden: Das sind Quecksilberdampflampen aus den 1970er Jahren. „Damals war das eine gute Technik.“ Doch mit heutigem Standard gar nicht zu vergleichen. Die 70-Watt-Funzeln verbrauchen viel zu viel Energie bei gleichzeitig zu geringer Lichtleistung. „Das sind pure Energiefresser“, erklärt der Fachmann und unterfüttert das anhand einer Rechnung.

Wenn man 471 HQL-Lampen mal 70 Watt rechne, komme man auf 33 kwh. Eine Lampe leuchte ca. 4200 Stunden im Jahr mal 33 kwh = 138 600 kwh. Wenn man diese Zahl nun in Relation zu hochmodernen LED-Lampen setze, könnte die Stadt gut 34 600 Euro pro Jahr sparen. Da eine neue Leuchte mit Arbeitskosten 550 Euro ausmache, käme man bei 471 Stück auf 259 000 Euro. Heißt im Umkehrschluss: Durch die Einsparung wäre die Umwandlung auf LED nach 7,5 Jahren bezahlt.

Und für knapp die Hälfte des Geldes, das für Photovoltaik auf drei Schuldächern ausgegeben wird (530 000 Euro für Kopernikus, Eckhorst, Anne-Frank, d. Red.) könnten alle maroden Lampen erneuert werden, gibt er zu bedenken. „Bitte nicht falsch verstehen. Ich bin für Photovoltaik, habe in der Stadtvertretung auch dafür gestimmt.“ Es gehe ihm diesbezüglich nicht nur um die eigene Stromerzeugung, sondern auch um die Stromvermeidung. Deshalb plädiert er dafür, im Falle eines Nachtragshaushalts mehr Geldmittel als die bislang 60 000 Euro jährlich für die Umsetzung des Straßenbeleuchtungskonzeptes bereitzustellen.

„Mein allergrößter Wunsch ist, dass im nächsten Jahr diese 530 Lampen durch LED ersetzt werden, damit ich das Kapitel abschließen kann. Das wäre schön“ – und für alle sichtbar. „Die noch dunklen Straßen werden viel heller und besser ausgeleuchtet und die Umwandlung ist viel effizienter. Nichts wird vergeudet“, so der Fachmann. Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Beispielsweise halte eine Quecksilberdampflampe nur vier Jahre, eine LED-Leuchte zwölf Jahre. Zudem bringt die punktgenau 2,5 mal so viel Licht auf die Straße wie eine HQL und streue nicht wie eine so genannte Lili-Marleen-Lampe (Unter der Laterne ...) zu 50 Prozent in die Botanik. Von diesen „LML“ gebe es noch neun Stück im Stadtgebiet. Auch die sollten weg!

Obwohl Peter Anklam für einen leuchtenden Rundumschlag im Stadtgebiet 2015 Partei ergreift, lobt er ausdrücklich Politik und Verwaltung: „Ich bin stolz, was Bargteheide für den Umweltschutz tut. Die Stadt steht meinen Erkenntnissen sehr aufgeschlossen gegenüber.“

Mit dem für die Umsetzung zuständigen Tiefbau-Ingenieur Klaus Ebert spricht sich Peter Anklam ab und setzt die weitere „Lichtroute“ fest. „Welche Bereiche dieses Jahr auf LED umgerüstet werden, steht noch nicht fest“, sagt Ebert im Rathaus. Fest steht für Peter Anklam aber bereits das Unwort des Jahres, besser der Unspruch des Jahres: „Das rechnet sich nicht!“

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