„Einen wirklichen Stadtdialog hat es nicht gegeben“

Sie kämpfen für den Erhalt des Krähen- und Hochzeitswalds: Carsten Schröder, Lutz Hansen, Karl Dziomba und Sieglinde Gutowski.
Sie kämpfen für den Erhalt des Krähen- und Hochzeitswalds: Carsten Schröder, Lutz Hansen, Karl Dziomba und Sieglinde Gutowski.

Bargteheider Krähenwald: Umstrittener Bebauungsplan liegt nun aus / Kritik am Verfahren

shz.de von
13. April 2017, 13:06 Uhr

Nun liegt der umstrittene Bebauungsplan für das Bargteheider Grundstück An den Stücken aus. Bis zum 5. Mai können Bürger jetzt noch Einwendungen gegen das Projekt einreichen. Einige Bürger haben das wiederholt getan. Sie nutzten die Bürgerfragestunden in den Ausschüssen, gründeten die Initiative „Basta“ und sammelten bisher fast 1000 Unterschriften gegen das Projekt. Im so genannten Krähen- und Hochzeitswald sind ein Parkhaus und drei bis zu fünfstöckige Gebäudekomplexe geplant.

Tatsächlich ist es kein Wald im engeren Sinn, aber dicht mit Bäumen bewachsen. 46 von ihnen sollen fallen, wenn die Planungen realisiert werden. Drei bis zu fünfstöckige Gebäude sind geplant, abgeschirmt vom Lärm durch ein Parkhaus in Richtung Bahnhof. Karl Dziomba vom BUND rechnet damit, dass beim Bauen weitere Verluste zu erwarten sind: „Durch den Aushub wird die Wasserzirkulation im Wurzelbereich zerstört.“ Er übt Kritik am Verfahren: „Eine echte Abwägung findet nicht statt, in der Regel werden die Pläne ohne große Diskussion abgesegnet.“ Diskutiert werde vor allem in den Bürgerfragestunden, der Stadtplaner bürste dann etwaige Einwende ab. „Einen wirklichen Stadtdialog dazu hat es bisher nicht gegeben.“ Entscheidungen seien oft in den Fraktionsrunden festgelegt worden.

Für die Zustimmung der SPD war entscheidend, dass die Hälfte der geplanten Wohnungen Sozialbindung erhalten sollen. „Wir wollen einen sozialen Wohnungsbau und machen auch Vorschläge dafür“, sagt Dziomba. Am Südring etwa könnten sofort 100 Wohnungen gebaut werden. Im vergangenen Jahrzehnt seien gerade mal 30 Sozialwohnungen auf dem alten Sportplatz realisiert worden. 60 seien im Märchenviertel geplant, aber nie verwirklicht worden. Sieglinde Gutowski befürchtet, dass so ein sozialer Brennpunkt beim Bahnhof entstehen könnte. „Wenigstens sollte ein normales Planungsverfahren mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden“, sagt Carsten Schröder.

Der Vorsitzende des Planungsausschusses, Claus Christian Claussen (CDU), hatte schon angekündigt, dass am 18. Mai erneut über diesen Bebauungsplan beraten wird. Wegen des zu erwartenden großen Interesses der Öffentlichkeit, das schon in vielen Sitzungen auch anderer Ausschüsse deutlich wurde, diesmal im Ganztagszentrum, Am Markt 2. Ein endgültiger Beschluss stehe dann aber noch nicht auf der Tagesordnung, es werde weiterhin breit diskutiert, so Claussen. Auch die Sozialdemokraten haben sich jetzt für eine Fortsetzung des Stadtdialogs ausgesprochen. Der dürfe aber nicht aufs Bahnhofsumfeld begrenzt bleiben, so SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Weingärtner.





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