Kinoprojekt Ahrensburg : „Eine unendliche Geschichte“

Anstelle des Edeka-Marktes am Bahnhof will der Eigentümer ein Kinogebäude bauen – . . . wenn er dafür auf der Alten Reitbahn einen neuen Einkaufsmarkt hochziehen lassen darf.
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Anstelle des Edeka-Marktes am Bahnhof will der Eigentümer ein Kinogebäude bauen – . . . wenn er dafür auf der Alten Reitbahn einen neuen Einkaufsmarkt hochziehen lassen darf.

Seit langem gibt es in der Schlossstadt kein Kino mehr. Pläne für einen Neubau mit Kinosälen liegen vor, werden aber nicht realisiert. Es gibt harte Vorwürfe gegen die Verwaltung.

shz.de von
16. Juli 2015, 11:12 Uhr

Kennen Sie den Unterschied zwischen der Geschichte um ein Ahrensburger Kinocenter und der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende? Es gibt keinen, beide spielen im Reich der Fantasie, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Der Bau- und Planungsausschuss hätte – mal wieder – die Weichen für den erhofften Durchbruch stellen können, konnte sich aber lediglich zu der Empfehlung durchringen, die Gespräche mit möglichen Investoren nicht abbrechen zu lassen. Der Abstimmung vor einer Rekord-Zuschauerkulisse war ein teils heftiger Wortwechsel zwischen Bürgermeister Michael Sarach und der früheren Vize-Bürgermeisterin, Susanne Philipp, vorangegangen.

Die Geschäftsführerin der P & B Bau Consulting hatte 2014 Pläne für ein Kino, Supermarkt, Einzelhandel, Wohnen und Parken für die Alte Reitbahn vorgelegt. Auf dem 6000 m² großen Areal, das als Parkplatz dient, möchte nun auch der Eigentümer des Grundstücks Bahnhofstraße 17, Edeka-Woldmann, gerne den neuen Markt bauen. Im Gegenzug dafür die Bremer Melchers Immobilien GmbH ein Kinogebäude in Bahnhofsnähe realisieren. Denn das alte Supermarktgebäude ist nicht mehr zeitgemäß und soll ohnehin abgerissen werden.

Im Rathaus favorisiert man diese Variante – zum Ärger von Susanne Philipp. „Die Verwaltung hat ein Jahr lang nichts getan, um die Planungen voranzutreiben“, beschwerte sie sich und warf dem Bürgermeister „unfaires Verhalten“ vor. Der wiederum konterte mit der Feststellung, das P & B keine konkreten Entwürfe, sondern nur ein Nutzungskonzept vorgelegt hätte. „Sie benennen keinen Investor, die Interessensbekundungen sind nur allgemein – Anfragen dieser Art flattern uns alle vier Wochen ins Haus“, sagte Sarach.

Und der Verwaltungschef betonte, dass Infos stets an die Fachausschüsse weitergeleitet worden seien. „Sie können die Verantwortung nicht allein auf die Verwaltung schieben“, widersprach Sarach dem Vorwurf, der Politik Informationen vorenthalten zu haben.

Dem entgegnete Susanne Philipp: „Wir haben mit einem Investor bei Ihnen im Zimmer gesessen, und es gibt seit April Pläne, die Sie nicht weitergereicht haben.“ Auf Nachfrage des Stormarner Tageblatts sagte sie nach der Sitzung: „Wir gehen davon aus, dass wir weiter im Rennen sind.“ Keine Zustimmung gab es für den Vorschlag von Thomas Bellizzi (FDP) für einen Wettbewerb, um dann das bessere Konzept zu realisieren: „Jetzt gibt es zwei Konzepte, beide haben Vor- und Nachteile.“ Carola Behr (CDU) warnte vor möglichen ungewollten Folgen eines Koppelgeschäfts Markt-Neubau auf der Reitbahn gegen Kino am Bahnhof: „Wir wissen doch gar nicht, ob diese voneinander abhängigen Projekte auch so realisiert werden können.“

Bela Randschau (SPD) und Jörg Hansen (Grüne) möchten auf jeden Fall sozialverträglichen Wohnungsbau auf der Alten Reitbahn, die Grünen könnten sich aber auch Kino und Markt dort vorstellen. Anders die SPD: Bela Randschau kritisierte, dass man ein stadteigenes Grundstück aus der Hand geben würde, um Einzelhandel zu realisieren.

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