Gang der Erinnerns : Eine Tafel der Erinnerung am Kindergarten Schäferweg

Kantor Elija Schwarz (re.) sang vor der neuen Gedenktafel das Kaddisch-Gebet,   neben ihm Antje Rudolph, Bürgermeister Michael Sarach und Winfried Kümpel-Jurgenowski.
Kantor Elija Schwarz (re.) sang vor der neuen Gedenktafel das Kaddisch-Gebet, neben ihm Antje Rudolph, Bürgermeister Michael Sarach und Winfried Kümpel-Jurgenowski.

Aus Anlass der Progromnacht vor 75 Jahren wurde in Ahrensburg der Ermordung von Juden gedacht. In diesem Zusammenhang wurde auch die Beseitung von Dokumenten der Nazizeit aus dem Stadtarchiv kritisiert.

shz.de von
11. November 2013, 15:01 Uhr

Es gibt jetzt eine weitere Erinnerung an jüdisches Leben in Ahrensburg, das von den Nationalsozialisten vernichtet wurde. Eine Tafel am Kindergarten Schäferweg erinnert an drei Ahrensburger, die nachweislich ermordet wurden. Sie ist nur klein, aber ein Symbol für gesellschaftlichen Wandel und Geschichtsbewusstsein.

Die Tafel wurde zum Schluss des „Gangs des Erinnerns“ zur Pogromnacht vor 75 Jahren enthüllt. Etwa 350 Bürger nahmen teil, darunter viele junge Menschen. Bei einem spontanen Stopp an der Moschee sprach deren Vertreter Aydogan Taskin: „Wir sagen nein zur Feindseligkeit gegen Minderheiten und ausländische Mitbürger.“ Die kulturelle Vielfalt sei eine Bereicherung für die Stadt. „Sie verpflichtet uns, mit Mut und Zivilcourage zu handeln, gefordert ist aber auch die Gegenwehr des Staats.“

Viele Dokumente aus dem „Tausendjährigen Reich“ sind verschwunden. „In den 60er Jahren wurde im Stadtarchiv kräftig aufgeräumt, viele Dokumente sind seitdem verschwunden“, sagte Winfried Kümpel-Jurgenowski, Mitorganisator der Demo. Auch die Akten des Gemeinderats aus den Jahren 1933 bis 1945 seien komplett verschwunden.

Der „Gang des Erinnerns“ führte auch an drei weitere Schauplätze dunkler Geschichte: Zum Standort des ehemaligen Ambulatoriums von Dr. Rath in der Waldstraße, dessen Frau aus Angst vor Verfolgung Selbstmord beging. Zum Stolperstein an der Hagener Allee, der an Anneliese Oelte erinnert, die dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer viel. Und zum Rondeel, wo der Kornspeicher der Familie Lehmann stand. Die meisten Ahrensburger Juden hatten rechtzeitig flüchten können, Magnus Lehmann schaffte es nicht. Er wurde 1941 deportiert und in Minsk ermordet.

Nach der Enthüllung der Tafel sang Elija Schwarz, der Kantor der kleinen jüdischen Gemeinde Ahrensburg das Heiligungsgebet Kaddisch. Der Jahrestag der Pogromnacht fiel auf einen Freitag, dem jüdischen Feiertag Schabbat. In der Schlosskirche endete der Abend mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Friedensgebet.

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