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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 16:09 Uhr

Eine Radtour für die Krebsaufklärung

vom

Hans Böge aus Reher legte rund 2000 Kilometer auf dem E-Bike quer durch Deutschland zurück / Der 68-Jährige wurde gestern in Kiel empfangen

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Kiel/Reher | Ihm kommen die Tränen, als er von einer Betroffenen erzählt, die er vor ein paar Jahren beim Sterben begleitet hat. Dann aber fängt sich Hans Böge, die Stimme wird wieder fester. Auch er selbst erhielt vor drei Jahren die Diagnose Mundkrebs. Resigniert hat er aber nie. Sein Leben sei vom Kampf geprägt. Aktuell ist die Prognose gut. Er befindet sich in der Nachsorge. Sorgen, so ist der Eindruck, macht sich der 68-Jährige nicht um sich selbst. Er möchte die Menschen über diese Krankheit informieren, anderen Betroffenen helfen. Inzwischen kehrte Böge von einer rund 2000 Kilometer langen Radtour zurück, mit der er aufrütteln und Spenden für die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft (SHKG) sowie für den Förderverein Heimmitwirkung sammeln wollte. "Ich denke, dass ich den Zweck meiner Reise erfüllen konnte", sagte er bei einem Empfang in den Räumen SHKG in Kiel. Bisher seien über 1200 Euro zusammengekommen.

Als der Mundkrebs im Jahr 2010 bei ihm diagnostiziert wurde, sei er am Boden zerstört gewesen. Doch Hans Böge erfuhr jede Menge Unterstützung, stand wieder auf und wollte den Menschen zeigen, dass es sich zu kämpfen lohnt. Begrüßt wurde der aus Reher stammende und dort auch lebende Böge auf seiner Deutschland-Tour unter anderem in Berlin, Nürnberg, Karlsruhe, Mainz, Koblenz und Köln. Dort, vor dem Dom, endete die Reise für den guten Zweck, die am 6. Juli in Reher begonnen hatte. Im bergigen Breisgau trotzte er auf dem E-Bike auch 38 Grad Celsius, legte insgesamt pro Tag rund 100 bis 150 Kilometer zurück. Zu kämpfen hatte Böge auch mit den Spätfolgen seiner Krankheit. Da bei ihm die Lymphdrüsen entfernt wurden, hatte er bei den hohen Temperaturen und durch die Anstrengung einen extrem trockenen Mund.

Böges Dank galt allen, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützt hatten, unter anderem seiner Tochter Elke Kock aus Kiel. Besonders bedankte er sich aber auch bei Ute Algier, der Vorsitzenden der LAG Heimmitwirkung. "Sie hat in einer schweren Stunde nach der Diagnose zu mir gesagt: ,Steh auf, Du wirst noch gebraucht. Ich werde an Deiner Seite stehen. Das hat mir sehr geholfen", betonte Böge.

"Ein schönes Erlebnis" war die Stippvisite bei seinem Enkel Torben Kock (22) in Bad Honnef, der dort in einer 20er-WG in einem Haus lebt. "Das war kurioserweise mal eine private Krebsklinik. In der WG rauchen einige Leute in meinem Alter. Für sie sind Themen wie Krebs oder Sterben ganz weit weg. Aber bei dem Besuch von meinem Opa setzte tatsächlich eine ernsthafte Diskussion ein", berichtete der Enkelsohn vom Besuch seines Großvaters.

Frank Gieseler von der SHKG bedankte sich gestern für den Einsatz von Hans Böge und freute sich über die Unterstützung durch die uneigennützige Aktion: "Die Krebsgesellschaft finanziert sich zu 90 Prozent aus Spenden. Wenn man uns nicht hilft, können wir nicht helfen." Der Schirmherr der Aktion Heiner Garg, ehemaliger Gesundheitsminister Schleswig-Holsteins, war nicht nur vom Engagement Böges, sondern auch von dem der LAG Heimmitwirkung berührt: "Es ist beeindruckend, wie Sie sich für Menschen in Heimen und Einrichtungen einsetzen. Es ist eine Ehre, jemanden durch eine Schirmherrschaft symbolisch unterstützen zu dürfen, der nicht nur selbst gesund werden will, sondern darüber hinaus auch anderen Menschen zeigen will, dass es weiter geht. Mögen diesem Beispiel viele weitere gute Beispiele folgen." Auf jeden Fall folgt Böge seinem eigenen Beispiel. Für den September dieses Jahres ist die nächste Tour geplant. Sie soll quer durch Schleswig-Holstein führen.

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