Reinfeld ehrt Matthias Claudius : Eine Partitur bezaubert: „Im Walde zu singen...“

Anja Rademacher hält einen Schatz in ihren Händen: Eine Partitur des Liedes „Im Walde zu singen“ aus dem Jahre 1784 von Matthias Claudius, komponiert von Johann Abraham Schulz.
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Anja Rademacher hält einen Schatz in ihren Händen: Eine Partitur des Liedes „Im Walde zu singen“ aus dem Jahre 1784 von Matthias Claudius, komponiert von Johann Abraham Schulz.

Museumsleiterin Anja Rademacher hat im Archiv des Reinfelder Heimatmuseums Erstaunliches zu Tage befördert. Ein Besuch dort ist ein Erlebnis.

shz.de von
10. Mai 2015, 08:00 Uhr

Das ganze Jahr über feiert die Karpfenstadt ihren berühmtesten Sohn – Matthias Claudius. Auch im Heimatmuseum läuft im Jubiläumsjahr eine vielseitige Ausstellung. Museumsleiterin Anja Rademacher hat im Archiv gewühlt und Erstaunliches zu Tage befördert. Neueste Errungenschaft ist eine Partitur des Komponisten Johann Abraham Schulz aus dem Jahre 1785.

Anja Rademacher mag kaum die schon etwas angegilbten Seiten umschlagen, um die Vertonung des Liedes „Im Walde zu singen“ von Matthias Claudius zu suchen. „Walter Kolbohm aus Zarpen hat uns die Noten geschenkt“, freut sie sich über das Kleinod. Dass Claudius (1740 - 1815) zu den berühmtesten Lieddichtern Deutschlands gerechnet wird, steht außer Frage. Wer kennt nicht das „Abendlied“ aus seiner Feder? Ihn aber lediglich auf die Zeilen „Der Mond ist aufgegangen, die gold’nen Sternlein prangen am Himmel hell und klar...“ zu reduzieren, täte ihm unrecht: Denn der Pastorensohn und Familienvater machte sich auch als Journalist, Briefeschreiber und Lyriker sowie als Redakteur des„Wandsbecker Boten“ einen Namen.

Else und Kurt Lehrke, jahrelange Gönner des Reinfelder Museums, hinterließen dem Heimatmuseum eine wunderschöne Abschrift der Abendlied-Verse. Eine ganze Vitrine ist gefüllt mit Sonderausgaben wie dem Gedenkblatt zum 100-jährigen Todestag des Wandsbeker Boten, Sammeltassen- und Teller, Originalausgaben seiner gesammelten Werke aus dem Jahre 1780, Biografien, Schriften und Abhandlungen. An den Wänden hängen Konterfeis seiner Zeitgenossen wie Klopstock, Herder, Buerger und Lessing, denen er persönlich begegnete.

Eine Zeichnung von 1794 zeigt Matthias Claudius und seine Frau Rebecca zur Kur in Bad Pyrmont. Zwischen all den Bildern versteckt findet der Interessierte eine Originalhandschrift des berühmten Dichters. Er hat darauf einen Stammbaum seiner Familie verewigt und trug die Namen seiner ersten drei Kinder ein – eine Rarität und von Experten auf ihre Echtheit geprüft. Ein Gemälde von Heinrich Oesterschmidt vom Geburtshaus erhielt Anja Rademacher von einer Hannoveranerin, die es auf ihrem Dachboden entdeckte. Ein weiteres Gemälde der Reinfelder Malerin Elisabeth Wolters-Bitterling zeigt den Blick von der Pastoratsdiele in den Garten. „Die darauf abgebildeten Stühle könnten noch aus dem Reinfelder Schloss stammen“, hat Rademacher recherchiert.

„Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagest“ steht auf einer kleinen Tafel. Dieser Spruch kommt uns doch bekannt vor. „Dass er tatsächlich von Matthias Claudius stammt, wissen sicherlich nur wenige. Ich war auch ganz überrascht“, so Rademacher. Reinfelds Sohn sei doch immer noch für eine Überraschung gut. „Wir haben uns große Mühe gegeben, alle vorhandenen Exponate ins rechte Licht zu rücken“, sagt die engagierte Museumsleiterin. Im Internet ist sie immer auf der Suche nach neuen Funden, mit denen sie die Reinfelder Sammlung ergänzen kann. Ihr liegen ihre Heimatstadt und das Museum sehr am Herzen und sie freut sich, dass nicht nur Besucher aus Reinfeld und Umgebung die Ausstellung bereits besucht haben, sondern auch Weitgereiste aus anderen Bundesländern. „Ein Herr aus Nordrhein-Westfalen wollte unbedingt wissen, wie der Geburtsort von Matthias Claudius aussieht“, erinnert sie sich an bereichernde Begegnungen.

Zehn Führungen hat Anja Rademacher in disem Jahr schon durchgeführt: „Das ist für unser Heimatmuseum schon recht beachtlich.“

>Termin: Das Heimatmuseum veranstaltet zum 200. Todestag von Matthias Claudius am Freitag, 26. Juni, um 19.30 Uhr einen Vortragsabend unter dem Motto „275 und kein bisschen weise“. Es referieren Dr. Carsten Walczok und Dr. Inge Bernheiden.

>Das Heimatmuseum hat immer sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Infos bei Anja Rademacher unter (04533) 207 34 57

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