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Bad Oldesloe : Eine kleine Unachtsamkeit – mit tödlichen Folgen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Amtsgericht verurteilt einen 21-Jährigen zu einer Geldstrafe, weil er beim Abbiegen einen Motorradfahrer übersehen hat. Der 52-jährige Reinfelder starb an Unfallfolgen.

Weinend betritt der Angeklagte den Gerichtssaal. Der 21-Jährige muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht in Ahrensburg verantworten. Am 9. Juni vergangenen Jahres wollte er in Bad Oldesloe mit seinem BMW von der Hamburger Straße nach links in die Straße „Bickbüschen“ einbiegen. Dabei übersah er einen Motorradfahrer (52) aus Reinfeld, der stadtauswärts fuhr. Der 52-jährige Kradfahrer versuchte auszuweichen, stürzte und prallte mit dem Kopf gegen den BMW. Dabei erlitt der Reinfelder so schwere Verletzungen, dass er drei Tage später im Krankenhaus starb.

„Ich habe das Motorrad nicht bemerkt, erst als meine Freundin aufschrie“, sagt der Angeklagte und trocknet seine Tränen. Er sei dann ausgestiegen und habe geschaut, ob das Unfallopfer noch ansprechbar war. Als er dessen Bewusstlosigkeit feststellte, sei er zusammengebrochen. Erste Hilfe habe er deshalb nicht leisten können.

Der Einzelhandelskaufmann wollte damals seine Freundin nach Hause bringen. Die hat sich mittlerweile von ihm getrennt, er will wieder zu den Eltern nach Bad Oldesloe ziehen. Das Unfallgeschehen verfolge ihn nach wie vor, sagt er. „Ich bin bis heute in neurologischer Behandlung und bekomme Spritzen, um nicht ständig daran zu denken.“ Er habe Suizidgedanken: „Ich will nicht noch einer Familie Unheil bringen.“

Er ist nicht vorbestraft, im Verkehrszentralregister liegen keine Einträge vor. Im Gutachten heißt es, dass der BMW nicht mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren sei. Der 21-Jährige hatte vor dem Abbiegen angehalten, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Auch der Motorradfahrer sei vorschriftsmäßig mit Licht und nicht zu schnell gefahren, steht im Gutachten.

Der Oldesloer hatte sich für eine Ausbildung bei der Polizei in Hamburg beworben. Das wurde im Hinblick auf das laufende Verfahren erstmal abgelehnt. „Der Angeklagte ist sichtlich sehr beeindruckt durch das Geschehen“, sagt der Richter. Auch die Staatsanwältin stimmt der Einschätzung zu. Sein Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht sei nicht gravierend gewesen, habe aber dramatische Folgen gehabt: „Wir können das Leben des Unfallopfers nicht zurückgeben.“ Der Angeklagte stehe noch am Anfang seines Berufslebens, so der Richter: „Das Verfahren steht seinen Plänen entgegen.“ Aus diesen Gründen sollte es gegen eine Geldauflage eingestellt werden.

„Uns geht es nicht um eine hohe Strafe“, sagt der Vertreter der Nebenklage, „wir suchen nur Antworten, wie das geschehen konnte.“ Das Leid der Opferfamilie sei sehr groß. Besonders übel nehme sie dem Angeklagten, dass er bisher keinen Kontaktversuch unternommen habe. „Unsere Familie droht zu zerbrechen“, sagt eine Angehörige weinend, „und er hat sich nicht einmal gemeldet.“

„Er war noch nicht in der Lage dazu“, entgegnet sein Anwalt, „er wird es später versuchen.“ Vor all den Prozessbesuchern sei es nicht möglich. Im Gerichtssaal ist neben den Angehörigen auch eine Schulklasse anwesend. „Es ist sinnvoll, wenn jetzt das Gespräch gesucht wird“, sagt der Richter.

Angemessen sei eine Geldstrafe von 2000 Euro, die an die Familie des Opfers gezahlt wird. Angesichts der Einkommenssituation wird sie auf 1800 Euro reduziert, die in sechs Raten zu zahlen sind. Es handele sich um einen Verkehrsverstoß mit schlimmsten Folgen, so der Richter: „Ich habe den Eindruck, dass der Angeklagte durchaus selbstkritisch damit umgeht.“ Er empfehle ihm dringend, sich jetzt an die Familie des Verstorbenen zu wenden. „Wir können das Geschehene aber nicht streichen, wir müssen es bewerten.“ Solche Verfahren seien sehr unbefriedigend: „Schon das Lesen der Akten nimmt einen emotional mit.“

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