Eine Gemeinde unter Starkstrom

Moderatorin Nadine Bethge (Deutsche Umwelthilfe), rechts Johannes Grützner aus dem Energieministerium.
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Moderatorin Nadine Bethge (Deutsche Umwelthilfe), rechts Johannes Grützner aus dem Energieministerium.

Ostküstenleitung: 1. Bürgerdialog in Elmenhorst mit 300 Zuhörern sachlich, spannend, informativ / Von Sorgen und Wünschen

shz.de von
22. Januar 2015, 10:42 Uhr

Beim 1. Bürgerdialog zur geplanten Ostküstenleitung in Elmenhorst am Mittwochabend im Gemeindezentrum fährt das Land – ungeachtet der sauberen Energiequelle Wind – schon einiges auf, um den Zuhörern die Stromautobahn schmackhaft zu machen. Es gibt Getränke für alle, einen Tisch voller Accessoires des Vorhabenträgers Tennet eine sympathische Moderatorin und zahlreiche Fachleute. Aber so leicht lassen sich die zirka 300 Zuhörer im proppevollen Saal des Gemeindezentrums nicht um den kleinen Finger wickeln.

Bereits im Eingang des Mehrzweckhauses wird deutlich, dass die Landesregierung, die zum Dialogverfahren einlädt, hier kein leichtes Spiel haben wird. Die von Thomas Stricker gegründete Bürgerinitiative gegen die Stromautobahn Elmenhorst ist mit einem Banner präsent und Listen gegen die mögliche Südtrassenführung liegen aus, in die sich Bürger munter eintragen. Das Thema ist brisant, die Betroffenheit dementsprechend groß.

Egal welches Projekt. Immer sei die Betroffenheit bei den Menschen groß, sagt Johannes Grützner aus dem Energieministerium. Das sei auch völlig okay. Deshalb sei man vor Ort, um die Sorgen und Ängste, die Anregungen und Wünsche der Einwohner mit in die Überlegungen einfließen zu lassen. Und die sprudeln an diesem Abend reichlich. Kein Wunder: Wenn nämlich die Südtrasse, eine von drei möglichen Korridoren in Stormarn, zum Zuge käme, wäre der nördliche Bereich in Elmenhorst unmittelbar betroffen – weiterer Wohnraum dann nicht mehr möglich.

Als erster schnappt sich Bürgermeister Bernd Bröcker das Mikro und spricht im Namen der Gemeindevertretung vielen aus der Seele: „Die Gemeinde sieht sich durch die Südtrasse in ihren Eintwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt.“ Sie schüre Ängste von Bewerbern für das neue Baugebiet an der B  75. Bauherren seien wegen der 80 Meter hohen Türme in Sorge und Hausbesitzer befürchteten Qualitätsverlust und Wertminderung. Zudem blieben weniger Refugien für die Natur übrig, machen Bröcker und weitere Zuhörer in ihren Statements deutlich.

„Die Masten werden zirka 60 Meter hoch sein“, antwortet Tennet-Gesamtprojektleiter Carsten Schmidt. Und wer von der Südtrasse direkt betroffen sei, werde entschädigt. In Sachen Umwelt seien 95 Prozent im Kriterien-Katalog mit berücksichtigt, macht Umweltplaner Uwe Herrmann deutlich.

Elektrosmog spiele bei einem Mikrotesla selbst im Nahbereich von Freileitungen keine Rolle, heißt es von Seiten der Experten. Das sei gerade einmal ein Prozent des in Deutschland gültigen Grenzwertes. Eine weitere Frage bezüglich der Verwendung von Erdkabeln wird mit mindestens „vier Mal so teuer“ beantwortet.

Einige Zuhörer sprechen sich im Falle eines Falles für ein Mischgestänge, also die Zusammenführung der bestehenden 110-kV-Leitung mit der zusätzlichen 380-kV-Leitung, aus. Nicht, dass weitere Masten und Leitungen die Natur verschandelten. Das konnte Netzbetreiber Tennet allerdings nicht garantieren. „Die 110-kV-Leitung gehört der SH-Netz AG“, so Carsten Schmidt. Darüber müsste man dann sprechen. Gesprochen wird an diesem Abend auch über die favorisierte Trassenführung – eine weitere Frage aus dem Publikum. Die Südtrasse, die Elmenhorst betreffen würde, sei am ineffektivsten, unterstreicht Uwe Herrmann. Von der wirtschaftlichen und umweltplanerischen Seite „nur“ Nr. 3. „Dann streichen Sie die doch einfach“ , ruft ein Zuhörer. Das gehe leider nicht, so Hermann. Sonst werfe man uns vor, wie seinerzeit bei der A  20, nicht genügend Varianten geprüft zu haben.

Anmerkung am Rande: Der 1. Dialog verläuft in angenehmen Bahnen – informativ, sachlich, transparent, gleichwohl spannend.

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