Grenzänderung : Eine Gemeinde sieht zu, dass sie Land gewinnt

Alles besiegelt (li.): Bürgermeister Andreas Petersen (Stubben) und Heinz-Peter Strunk (Steinhorst) unterschreiben den Vertrag.  Foto: Olbertz
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Alles besiegelt (li.): Bürgermeister Andreas Petersen (Stubben) und Heinz-Peter Strunk (Steinhorst) unterschreiben den Vertrag. Foto: Olbertz

Stubben bekommt acht Hektar Steinhorster Gebiet übertragen / Federstrich besiegelt neue Grenzziehung

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08. Juni 2013, 09:29 Uhr

Stubben/Steinhorst | Was die beiden Herren da fröhlich strahlend in den letzten Strahlen der Abendsonne vollziehen, kann man wohl getrost als historische Amtshandlung bezeichnen: Die Grenzen zwischen Stubben und der Nachbargemeinde Steinhorst werden verändert - ohne Waffengewalt oder ähnliche kriegerische Handlungen, nicht mal martialische Worte mussten fallen, alles ganz friedlich und einvernehmlich. Die Gemeinde Steinhorst überlässt Stubben acht Hektar ihres Gemeindegebiets. Einfach so.

Das alles geschieht natürlich nicht einfach nur so, weil die beiden scheidenden Bürgermeister zum Abschluss ihrer Amtszeiten noch mal die Dienstsiegel benutzen wollen. Die Grenzänderung hat schon einen guten Grund.

Steinhorst ist die einzige Gemeinde im Kreis Herzogtum Lauenburg mit drei Kläranlagen. "Ja", verrät Bürgermeister Heinz-Peter Strunk mit einem Schmunzeln auf den Lippen: "Wir haben unsere Ortsentwässerung, das Klärschlammbehandlungswerk und die Stubber Klärteiche." Die Stubber Klärteiche in Steinhorst? Nein, keine gemeinsam betriebene Einrichtung, sondern die originären Stubber Klärteiche. "Dass das auf Steinhorster Gebiet liegt, war damals für uns nicht relevant. Auf Gemeindeland passte es nicht, wir haben da nichts", blickt Stubbens Dorfoberhaupt Andreas Peters zurück: "Es da zu machen, war eine Vorgabe im Genehmigungsverfahren des Kreises. Ganz uneingennützig." Die Gemeinde musste die Fläche 1994 vom Kreis kaufen - etwa 90 Prozent des Steinhorster Gemeindegebiets um den Ort herum gehören nämlich nicht der Kommune, sondern dem Kreis. Damit war das Thema dann auch erst mal für etliche Jahre erledigt. Die Anlage läuft, es gibt keinen Grund zur Klage.

Aber immer wenn es um Ökobilanzen ging, wurde man auf Stubber Seite hellhörig. "Da wurde uns nie was gutgeschrieben. Dabei sind wir da so stolz drauf, da haben wir was richtig Gutes gemacht, das ist unsere ökologisch wertvollste Fläche, da haben wir viel Geld investiert, aber sie zählt nicht für uns, sondern für Steinhorst", klagt Andreas Petersen.

Dabei sei beiderseits der Grenzen allen klar, dass es sich bei der Fläche mindestens um "gefühltes" Stubben handeln müssen - die Faktenlage ist aber eine andere.

Also wurden Informationen eingeholt, Gespräche geführt und das ganze mündete dann in einen Vertrag, der von beiden Gemeindevertretungen beschlossen werden musste. Auf Stubber Seite ging das einstimmig durch - klar, die bekommen ja auch was, allerdings weiß man bei der Gemeindevertretung man halt nie so genau. "Bei uns war das auch kein Thema. Einstimmig beschlossen", erzählt Heinz-Peter Strunk. Dabei verzichtet Steinhorst mit dem Beschluss nicht nur auf einen Zipfel seines Gebiets sondern auch auf Geld. Etwa 80 Euro Grundsteuer musste Stubben dem Nachbarn jährlich überweisen. Damit ist jetzt Schluss.

Nach 39 Jahren als Bürgermeister hört Heinz-Peter Strunk jetzt auf. Jenseits der Grenze hatte Andreas Petersen nach 15 Jahren die Nase voll und ist nicht mehr angetreten. Aber den Vertrag wollten die beiden dann doch noch vor Toresschluss besiegeln. Wenn die Kommunalaufsich zustimmt, soll am ersten Januar 2014 die geänderte Grenzziehung in Kraft treten. Unter anderem werden dann wohl Karten und die Wikipedia-Einträge der Dörfer aktualisiert werden müssen.

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