Einbrüche und Überfälle

25-jähriger Angeklagter ist kein Unbekannter bei der Polizei in Glinde, Barsbüttel und Reinbek

shz.de von
15. Juni 2018, 12:45 Uhr

Der 25-jährige Angeklagte wirkt schmächtig, trägt kurzes dunkles Haar und beobachtet durch seine schwarz umrandeten Brillengläser fast regungslos das Geschehen im Gerichtssaal des Landgerichtes Lübeck. Mehrere Tankstellenüberfälle in Glinde und Reinbek, mindestens ein Wohnungseinbruch sowie ein schwerer, versuchter Raub soll er verübt haben. Patrick T. ist kein Unbekannter bei der Polizei in Glinde, Barsbüttel und Reinbek. Für seine vorherigen Taten wurde er bereits Anfang des Jahres verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nun läuft gegen ihn ein weiteres Verfahren: Patrick T. wird vorgeworfen, im Januar 2017 mit zwei weiteren Tätern die Haustür eines Einfamilienhauses in Glinde aufgehebelt und Diebesgut im Wert von rund 8000 Euro aus dem Tresor mittels einer Flex entwendet zu haben. Ihm wird außerdem zur Last gelegt, am 12. Februar 2017 in Glinde gemeinsam mit einem weiteren jungen Mann eine Frau in ihrer Wohnung überfallen zu haben. Die beiden Männer sollen die Wohnungstür eingetreten, anschließend die Frau mit zwei Schreckschusspistolen bedroht, geknebelt und geschlagen haben.

Mitangeklagt ist außerdem Johannes W. (24), dem Beihilfe zum versuchten scheren Raub vorgeworfen wird. Er soll mit im Tatauto gesessen und von den Plänen der insgesamt fünf beteiligten Männer gewusst haben. Er selbst behauptet, nur Beifahrer gewesen zu sein.

Ein Kriminalbeamter aus Bad Oldesloe sagt im Zeugenstand aus. Er hatte mit seinem Team das Handy von Patrick T. ausgewertet, dessen Daten eindeutig offenbaren, dass mehrere Straftaten geplant wurden – unter diesen der Einbruch und der Überfall in Glinde. Anhand der Daten wurde rekonstruiert, dass der Überfall auf die ehemalige Waschstraßen-Betreiberin in Glinde schon einmal versucht wurde. Außerdem belegt die Auswertung, dass Patrick T. und der wegen Beihilfe Mitangeklagte durchaus vor den Taten Kontakt hatten und sich eifrig per WhatsApp über die Planungen unterhielten. Offenbar war auch ein Überfall auf eine Bäckerei in Hamburg-Wandsbek geplant.

Dem einschlägig vorbestraften Angeklagten wurde auf Bitten seines Bewährungshelfers eine Betreuerin zur Seite gestellt, die ebenfalls als Zeugin aussagt. Vorher, erklärt die 46-Jährige, habe diese Aufgabe ein Sozialhelfer übernommen. Sie habe sich um die Wohnungs- und Arbeitssuche gekümmert, ihn bei Verwaltunsangelegenheiten unterstützt. In einer Wohngruppe habe dieser sich aufgrund von Alkohol- und Drogenproblemen nicht integrieren können. Insgesamt habe er einen unruhigen, aber nicht gewalttätigen Eindruck auf sie gemacht. Der Sachverständige bescheinigt Patrick T. keinerlei psychische Defizite. Er sei sich seines Handels bewusst gewesen und habe nicht unter Drogen gestanden.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Kai Schröder zieht sich für eine gute Stunde zur Beratung und zu Verständigungsgesprächen zurück. Anschließend stimmen alle Parteien sowie die beiden Angeklagten einer Verständigung zu: Wenn sich Patrick T. auf ein Geständnis einlässt und zu Schadenersatzforderungen an das Opfer bereit erklärt, sichert ihm das Gericht eine Freiheitsstrafe von nicht unter zehn Jahren und nicht mehr als 11 Jahren und sechs Monaten zu.

Für seine Beihilfe zum versuchten Glinder Raub gilt für Christian W. eine Bewährungsstrafe in Höhe von höchstens zwei Jahren bei Geständnis und Schadensersatzleistungen.

Am Ende des Verhandlungstages lässt der Haupttäter eine Erklärung durch seine Anwältin verlesen: Er gesteht den Einbruch und den Überfall auf die 52-jährige Glinderin im Detail. Die Monate in Haft hätten ihn hart getroffen. Er habe erkannt, wieviel Kummer er seiner Mutter bereitet habe und dass er schwere Fehler begangen habe. Vor der Haft sei ihm dies nie in den Sinn gekommen, jetzt bereue er es. Für die Zukunft habe er sich vorgenommen, eine Ausbildung in der JVA zu absolvieren und damit seinen Realschulabschluss nachzuholen.

>Der nächste Verhandlungstag ist am 20. Juni um 11.15 Uhr.




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