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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 09:42 Uhr

Stormarn : Einbrüche: U-Bahn half der Polizei

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dass der Wohnungseinbruchsdiebstahl stark zurückging, hing auch mit der Sanierung der U1 zusammen. Grundsätzlich gilt: Stormarn ist sicher.

von
erstellt am 18.Feb.2017 | 08:00 Uhr

So recht mag man es kaum glauben, aber die Zahlen der Polizei sind recht eindeutig. „In den letzten zehn Jahren war es in Stormarn nie sicherer als im vergangenen Jahr“, sagte Jürgen Funk, Chef der Polizeidirektion Ratzeburg, bei der Vorlage der Kriminalstatistik. 12  984 Straftaten wurden 2016 gezählt, 751 oder 5,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Zehnjahresvergleich entspricht das sogar einem Minus um 21,5 Prozent.

Zumindest der Rückgang im vergangenen Jahr lässt sich einfach erklären: Es ist die Einbruchskriminalität. Als Hochburg der Wohnungseinbrecher nahm Stormarner 2015 einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Mehr Brüche je Einwohner hatten nur ein paar Städte im Ruhrgebiet zu bieten.

Um 39 Prozent waren die Einbruchszahlen nach oben geschossen, auf 1281 Fälle. Im vergangenen Jahr ging es fast wieder auf das Niveau von 2008 zurück: 778 versuchte und gelungene Wohnungseinbrüche. Gut zwei Drittel des Kriminalitätsrückgangs geht also auf die Einbruchszahlen zurück.

Dafür hat die Polizei ein großes Rad gedreht, eine Sonderermittlungsgruppe aufgebaut, die Spurensicherung intensiviert, Präsenz, Prävention und Aufklärung verstärkt, Zivilstreifen eingesetzt und Tatorte auf Facebook veröffentlicht. „Wir gehen davon aus, dass unsere Anstrengungen Früchte getragen haben“, sagt Jürgen Funk.

Allerdings half auch die Hochbahn der Polizei. Als die U-Bahnlinie im vergangenen Jahr über Wochen gesperrt war, ging die Zahl der Einbrüche in Ahrensburg und Großhansdorf drastisch zurück. Ahrensburg bleibt trotzdem der Lieblingsort der Einbrecher. 184 Fälle bedeuten trotz eines Rückgangs um 41 Prozent den Spitzenplatz. In in Bad Oldesloe wurden 78 Einbrüche und Versuche gezählt (- 45 Prozent), in Reinbek 78 (- 44 Prozent). Gleich nebenan in Wentorf stieg die Zahl allerdings um 16 Prozent auf 66 Fälle.

Nicht nur bei der Zahl der Einbrüche, auch bei der Aufklärungsquote war Stormarn Schlusslicht. Trotz aller Bemühungen konnte man die auch im vergangenen Jahr nicht verbessern. 6,3 Prozent der Einbrüche gelten als geklärt, das sind gerade mal 0,1 Punkte mehr als 2015.

Um die Quote zu verbessern, müsste man gefassten Tätern mehr Einbrüche zuordnen. Hinweise gebe es oft auch, der Nachweis sei aber schwierig, so Stormarns Kripochef Hans-Jürgen Köhnke. Helfen könnte eine bundesweite Datenbank, die aber erst noch eingeführt wird. Gering ist die Aufklärungsquote zudem, weil es bei nahezu jedem zweiten Fall beim Versuch bleibt. Der Anteil stieg von 40,1 auf 48,7 Prozent. Das dürfte nach Einschätzung der Kripo mit einer verbesserten Sicherung der Häuser zusammenhängen. Auf Hinweise aus der Bevölkerung ist die Polizei angewiesen: Fast alle der 53 ermittelten Täter wurden in Tatortnähe festgenommen.

„Das ist eine Puzzlearbeit“ sagt Köhnke. Und die wird nicht dadurch einfacher, dass ein Großteil der Fälle auf „international agierende Banden“ zumeist aus Ost- und Südosteuropa zurückgeht. „Wir sind eigentlich besser als es die Daten widerspiegeln“, sagt Köhnke, der überzeugt ist, dass „die Ermittlungsgruppen der richtige Weg sind.“

Rund zehn Prozent weniger Fälle verzeichnete die Direktion auch bei Raub, Betrug und Ladendiebstahl. Bei Brandstiftung lag das Minus bei 26 Prozent, nachdem in Stormarn keine Strohballen mehr loderten. Eine Zunahme gab es dagegen bei Kfz-Diebstahl (8,1 %), Beleidigungen (22 %) und Rauschgiftdelikten (36,6 %).

Körperverletzung hat zwar auch zugenommen, in Stormarn mit 7,3 Prozent aber weniger stark als im Landesdurchschnitt (10,3 %). Die Zunahme gab es vor allem auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Dazu passt ein Anstieg um 58 Prozent beim Widerstand gegen Polizeibeamte. In den 101 Fällen wurden 38 Beamte verletzt, allerdings niemand schwer. Ob die Zunahme bei Körperverletzung mit höherer Gewaltbereitschaft oder einem geänderten Anzeigeverhalten zusammenhängt, vermochte Köhnke nicht zu sagen.

Von allen ermittelten Verdächtigen (4755) waren 24,7 Prozent Ausländer, 2,2 Prozentpunkte mehr als 2015. Besonders hoch ist der Anteil verdächtiger Nichtdeutscher bei Diebstählen. Das reicht von 77,4 Prozent bei Einbruchsdiebstahl über 54,4 Prozent bei schwerem bis zu 45,7 Prozent bei Ladendiebstahl.

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