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Sandesneben : Einbrüche: Auch die Polizei fühlt sich allein gelassen

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Einbruchskriminalität in der Metropolregion war Hauptthema in der Jahresversammlung der Polizeigewerkschaft GdP, auf der Innenminister Stefan Studt sprach.

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erstellt am 06.Mär.2016 | 12:14 Uhr

Die stark gestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche war Hauptthema in der Jahresversammlung der Polizeigewerkschaft Lauenburg-Stormarn. Angesichts eines Anstieges um mehr als 40 Prozent im vergangenen Jahr fordert die GdP-Regionalgruppe in einem „Positionspapier“ mehr Personal. Das hatte natürlich auch Innenminister Stefan Studt mitbekommen, der sein Kommen für die Versammlung in Sandesneben zugesagt hatte.

„Wir haben mit erheblichem Personalaufwand versucht, die eklatant auffälligen Zahlen zu reduzieren und die Aufklärungsquote zu verbessern. 27 Kollegen sind ausschließlich für diesen Bereich zuständig, aber es ist uns nicht gelungen, erfolgreich zu sein. Wir können andere Schwerpunkte nicht mehr bedienen und fühlen uns allein gelassen“, sagte GdP-Regionalvorsitzender Eggert Werk, Revierleiter in Reinbek.

Anderen Behörden würde für „proaktive“ und „reaktive“ Kriminalitätsbekämpfung erhebliches Personal zugewiesen, der Wohnungseinbruch habe bei der Personalzuweisung aber keine besondere Berücksichtigung gefunden, heißt es im dem Positionspapier.

„Wir werden permanent darauf angesprochen. Das beschäftigt die Bevölkerung sehr. Die Einbrüche sind ein Kriminalitätsschwerpunkt in der Region, und dem muss durch Unterstützung durch die Landespolizei Rechnung getragen werden“, forderte ein Beamter unter dem Applaus von Kollegen in der Fragerunde. „Wir machen alles, bekommen aber keine Unterstützung. Das ist ein Riesenproblem, das den Kollegen sauer aufstößt“, so auch PHK Marco Hecht-Hinz aus Ahrensburg.

Der Innenminister, der auch in seiner Rede unverbindlich geblieben war, wollte sich auch in der Diskussion nicht festnageln lassen. Es habe schon Zeiten mit mehr Einbrüchen gegeben, und bevor man mehr Personal zuweise, müsse man die Frage beantworten, ob es ein langfristiges Problem sei. „Aber sie haben mich für die Situation sensibilisiert“, so Studt.

Das gilt vor allem für die Spurensicherungskräfte, die zur Unterstützung der Kripo eingestellt wurden, aber im Land nach dem Gießkannenprinzip verteilt wurden, so Hecht-Hinz. „Wir haben vier bekommen, die anderen auch“, wunderte er sich: „Da wäre die Möglichkeit gewesen, kurzfristig einen personellen Schwerpunkt zu setzen.“ Er werde die Anregung mit nach Kiel nehmen, versprach Studt, der darum warb, dass Innenministerium, Polizei und GdP gemeinsam für mehr Personal streuten, denn „das ist ein schwieriger und langer Weg“.

Dieses und nächstes Jahr sollen die Einstellungszahlen bei der Polizei auf 400 erhöht werden. Für Entlastung können die neuen Kollegen aber erst nach der Ausbildung von zwei bis drei Jahren sorgen, also nicht vor 2019, so Studt. Als „Soforthilfe“ habe man die Voraussetzung geschaffen, um bis zu 150 pensionierte Beamte wieder in Dienst zu nehmen, „auf freiwilliger Basis“. Rund 100 hätten bereits Interesse angemeldet.

Hoffnung auf bessere Ausstattung machte er den Beamten nicht. Er habe jedes mal Tränen in den Augen, wenn er vor dem Dienstrechner darauf warte, dass sich die Internetseite aufbaue, sagte ein Beamter aus Bad Oldesloe. „Um das zu ändern, braucht man keine dreijährige Ausbildung und es würde zur Zufriedenheit der Kollegen beitragen.“

„Das kann ich verstehen, aber nicht ändern“, sagte Studt. Es sei Wunsch und Ziel, landesweit schnelles Internet zur Verfügung zu stellen, dafür habe man aber nicht das Geld. 800 Millionen Euro gebe das Land Schleswig-Holstein dieses Jahr für die Flüchtlinge aus, das sei so von der Koalition gewollte und beschlossen.

Als „Geldverschwendung“ und Zeichen des Misstrauens gegenüber der Polizei bezeichnete Marco Hecht-Hinz unter dem Applaus der mehr als 100 Anwesenden die geplante Einstellung eines Polizeibeauftragten. „Der ist hoch besoldet und wir brauchen ihn nicht.“ Als Fan dieser neuen Stelle stellte sich Studt auch nicht dar, aber der Polizeibeauftragte sei im Koalitionsvertrag vereinbart, und man solle ihn ähnlich sehen wie den Wehrbeauftragten der Bundeswehr.

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