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Täter verurteilt : Einbruch bei M&H aus Abenteuerlust

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zwei Männer aus einem Obdachlosenheim in Bad Oldesloe waren im November in das damals schon leere Kaufhaus M & H eingestiegen. Einer wurde bereits verurteilt und sitzt ein. Den zweiten sah das Schöffengericht eher als Mitläufer und sprach ein mildes Urteil.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 13:00 Uhr

Es war eine Schnapsidee, bei der auch etwas Rum im Spiel war. Auf verminderte Schuldfähigkeit konnte Uwe B. (Name geändert) deshalb aber nicht hoffen. Der 24-Jährige musste sich vor dem Schöffengericht Ahrensburg für einen Einbruch ins ehemalige Kaufhaus M & H in Bad Oldesloe verantworten. „Wir haben vorher drei Flaschen Rum getrunken“, entschuldigte er sich. Bei der Blutprobe hatten sie nur 0,54 Promille“, sagte Richter Ulf Thiele ungläubig, „damit ist ihre Schuldfähigkeit nicht ansatzweise eingeschränkt.“

Sein Komplize Rolf G. hatte in der Nacht zum 4. November 2012 gegen 0.10 Uhr eine Scheibe eingeschlagen. Uwe B. war nicht wohl dabei, er versuchte ihn zunächst zurückzuhalten. Dann folgte er aber seinem Kumpanen, der inzwischen auch die Tür einer Arztpraxis im Gebäude eingetreten hatte. Dort fand Uwe B. ein Portmonee mit 74 Euro in bar und ein Skalpell. „Ein paar Schlüssel haben wir auch mitgenommen“, gab er zu. Im Kaufhaus steckte er noch eine Kneifzange ein.

Doch die Freude über den scheinbar gelungenen „Bruch“ währte nur kurz. Inzwischen waren zwei Polizeibeamte mit Diensthund im Gebäude eingetroffen und stellten die Einbrecher.

Rolf G., der bereits im Februar verurteilt worden war und in der JVA Schleswig einsitzt, bestätigte die Angaben des Angeklagten. „Nehmen sie ihm ruhig die Handschellen ab“, bat der Richter die begleitenden Polizeibeamten, „er war schon so oft hier im Gericht, und er ist nie weggelaufen.“

Beide hatten damals in einem Obdachlosenheim gewohnt. Sein Kumpel habe sich mitziehen lassen, so Rolf G.: „Ich musste ihn erst überzeugen.“ Die Situation beim Einbruch könne sich das Gericht gar nicht vorstellen: „Sie sind ja normale Bürger.“ Er habe unter Adrenalin gestanden und einen Tunnelblick gehabt: „Ich bin ja kein Berufsverbrecher.“

Erschwerend für Uwe B. kam hinzu, dass die Polizei bei ihm ein Klappmesser fand. Ein Einbruch mit einer Waffe wird deutlich härter bestraft. „Sie kann im Stress als Abwehr gegen andere eingesetzt werden“, so der Richter. „Ich stehe auf Messer und sammle sie“, erklärte Uwe B. Das Klappmesser sei ein Gartengerät, das ihm sein Vater geschenkt habe: „Das habe ich in einer Gürteltasche immer bei mir getragen.“ Die Staatsanwältin folgte ihm und plädierte deshalb nur auf einfachen Diebstahl.

Mit 13 Jahren hatte Uwe B. seine Drogenkarriere begonnen. Er hat keinen Schulabschluss und lebt von Hartz IV. „Ich hatte drei Monate Sperre. Das hat mir geholfen, ich habe kein Geld mehr für Drogen.“ Er halte sich jetzt von der Szene fern und bemühe sich um einen Therapieplatz. Er hat einen zweijährigen Sohn und kümmert sich zeitweise um ihn. Das Verhältnis zu dessen Mutter sei entspannt.

Auch wenn Uwe B. wegen Diebstahls vorbestraft sei, habe er sich glaubwürdig distanziert, weitere Taten seien nicht zu erwarten, sagte Richter Thiele: „Es war ein großes Maß an Abenteuerlust im Spiel.“ Zu berücksichtigen sei zudem seine schwierige Lebenssituation. Deshalb verhängte das Schöffengericht nur drei Monate Haft. die durch eine Geldbuße ersetzt werden können. Uwe B. muss 90 Tagessätze zu acht Euro zahlen, außerdem trägt er die Kosten des Verfahrens. Die Geldstrafe kann er möglicherweise durch Arbeitsstunden begleichen.

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